Eine der modernsten Anlagen Europas: Obwohl die Blöcke 4 und 5 des Kraftwerks Irsching hoch effizient sind, verdienen die Betreiber damit kein Geld. Ändern könnten das nur neue Regeln auf dem Strommarkt.

Betreiber wollen Gaskraftwerk stilllegen

„Spielball“ zwischen Bund und Bayern

München – Die Betreiber des hochmodernen Gaskraftwerks Irsching bei Ingolstadt machen ernst: Im nächsten Jahr sollen die Blöcke 4 und 5 vom Netz gehen. Den Streit zwischen Bayern und Bund um Kraftwerke und Trassen heizt das weiter an.

Anfang Juni, vielleicht schon Ende Mai, dürfte es turbulent werden für Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Dann will er seine Vorschläge für die künftige Gestaltung des Strommarktes vorstellen. Es geht um Stromtrassen, um Gaskraftwerke. Die politischen Vorstellungen dazu sind unterschiedlich. Mit Bayerns Staatsregierung liegt Gabriel über Kreuz. Aber nicht nur die Politik im Freistaat macht Druck, sondern auch die Energiewirtschaft.

Die Betreiber des hochmodernen Gaskraftwerks Irsching bei Ingolstadt haben gestern offiziell dessen Stilllegung angekündigt. Geht es nach dem Firmenkonsortium, dessen größter Teilhaber E.on ist, dann gehen die Blöcke 4 und 5 der Anlage zum 1. April 2016 vom Netz.

Unangenehm für Gabriel ist das, weil Anlagen wie Irsching für die Energiewende eigentlich dringend gebraucht werden. Nach dem Atomausstieg müssen moderne fossile Kraftwerke Atommeiler zum Teil ersetzen – zumindest aber dann einspringen, wenn Sonne und Wind nicht zur Verfügung stehen. Gaskraftwerke eignen sich dafür gut, weil man sie schnell hoch- und herunterfahren kann. Außerdem sind sie umweltfreundlicher als Kohlemeiler. Das Problem: Man kann damit nach den derzeitigen Marktregeln kein Geld verdienen. Der Börsenpreis für Strom ist dafür zu niedrig. Außerdem haben erneuerbare Energien im Netz Vorrang. Das monieren auch die Betreiber von Irsching. In einer gestern verbreiteten Erklärung beklagen sie die „mangelnde Perspektive für einen wirtschaftlichen Betrieb“.

Derzeit wird die Wirtschaftlichkeitslücke noch durch einen Vertrag mit dem Netzbetreiber Tennet ausgeglichen. Aber der läuft im kommenden Jahr aus. Danach kann die Bundesnetzagentur die Betreiber noch zwingen, Irsching am Netz zu lassen – nach den Spielregeln der sogenannten Reservekraftwerksverordnung. Die Unternehmen könnten „jederzeit verpflichtet werden“, die Anlagen weiterzubetreiben, stellt der Präsident der Behörde Jochen Homann klar. E.on und Partner wollen das nicht hinnehmen. Als „ultima ratio“ wollen sie sich juristisch wehren. Die Verordnung sei auf ältere, bereits abgeschriebene Kraftwerke ausgelegt. Abschreibungen und Kapitalkosten neuerer Anlagen erkenne sie nicht an.

Zumindest noch nicht. In der Staatsregierung hofft man weiter, dass Gabriel die Regeln so ändert, dass Irsching am Netz bleiben kann. Er müsse „jetzt sofort handeln“, fordert Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). „Gabriel redet zu viel über den Stromtransport und zu wenig über die Stromproduktion“, meint sie. Soll heißen: Bevor Bayern neuen Stromtrassen zustimmt, muss der Betrieb der Gaskraftwerke sichergestellt werden. Aigner plädiert für einen Kapazitätsmarkt, auf dem Betreiber schon Geld verdienen, wenn sie Anlagen bereithalten. Dass Gabriel bei seinen Vorschlägen im Frühsommer so weit geht, gilt aber als unwahrscheinlich.

Bei Bayerns Opposition sorgt das Ringen zwischen Bund und Bayern schon jetzt für Kopfschütteln. Die Ankündigung der Betreiber müsse ein „Weckruf“ sein, fordert der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Ludwig Hartmann. Irsching werde zum „Spielball von Seehofers undurchdachten Rangeleien mit der Bundesregierung“.

Til Huber

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