+
IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi.

Abu Bakr al-Baghdadi

Armee nimmt Frau und Sohn von IS-Anführer fest

Beirut - Die libanesische Armee hat eine Frau und einen Sohn des IS-Anführers Abu Bakr al-Baghdadi festgenommen. Die Frau wollte mit gefälschten Papieren in den Libanon einreisen.

Eine Frau und ein Sohn des Anführers der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sind nach Angaben aus Sicherheitskreisen im Libanon gefasst worden. Der Militärgeheimdienst habe vor zehn Tagen eine von Abu Bakr al-Bagdadis Frauen und einen gemeinsamen Sohn nahe der Grenzstadt Arsal festgenommen, sagte ein Vertreter der Sicherheitsdienste am Dienstag. Einem Medienbericht zufolge waren ausländische Geheimdienste an der Aktion beteiligt.

Der Vertreter der Sicherheitsdienste sagte, die junge Frau aus Syrien und ihr acht oder neun Jahre alter Sohn seien mit gefälschten Papieren unterwegs gewesen. Sie würden nun am Sitz des Militärgeheimdiensts in Jarse bei Beirut festgehalten und befragt. Demnach handelt es sich um al-Bagdadis zweite Ehefrau. Es ist nicht bekannt, wie viele Ehefrauen der IS-Führer hat, doch dürfen Männer nach islamischem Recht im Prinzip vier Ehefrauen haben.

Die Zeitung "As-Safir" berichtete, die Festnahme sei in Koordination mit "ausländischen Geheimdiensten" erfolgt. Arsal ist eine mehrheitlich sunnitische Stadt an der Grenze zu Syrien. Im August war die Stadt vorübergehend von der syrischen Al-Nusra-Front erobert worden. Der Al-Kaida-Ableger hält seitdem 27 libanesische Soldaten und Polizisten in seiner Gewalt. Drei Geiseln wurden ermordet. Verhandlungen über ihre Freilassung führten bisher nicht zum Erfolg.

Abu Bakr al-Bagdadi hat sich am 29. Juni in der irakischen Großstadt Mossul zum "Kalifen" aller Muslime erklärt - ein Anspruch, der von fast allen islamischen Geistlichen zurückgewiesen wird. Zugleich rief der Dschihadistenführer ein "Kalifat" aus, das vorerst die Gebiete in Syrien und dem Irak unter der Kontrolle seiner Miliz umfasst. Unter seiner Führung hat sich die IS-Miliz zur wohl mächtigsten, reichsten und brutalsten Dschihadistengruppe der Welt entwickelt.

Der sunnitische Rebellenführer, der nach US-Angaben 1971 in der irakischen Stadt Samarra geboren wurde, hatte sich nach der US-Invasion im Irak im Frühjahr 2003 dem Aufstand gegen die ausländischen Truppen angeschlossen. Später war er vorübergehend in US-Militärhaft. Die US-Armee meldete im Oktober 2005 seinen Tod, doch tauchte er 2010 an der Spitze des irakischen Al-Kaida-Ablegers Islamischer Staat im Irak (ISI) wieder auf.

Später sagte sich al-Bagdadi von dem internationalen Terrornetzwerk los und weitete die Aktivitäten seiner Rebellengruppe auf Syrien aus. Dort kämpft die Gruppe nicht nur gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, sondern auch gegen andere moderate wie islamistische Rebellengruppen sowie gegen kurdische Milizen. Die USA haben zehn Millionen Dollar (acht Millionen Euro) für die Festnahme al-Bagdadis ausgesetzt.

So viele Menschen starben im syrischen Bürgerkrieg

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen in dem seit knapp vier Jahren andauernden syrischen Bürgerkrieg bislang mehr als 200.000 Menschen ums Leben. Unter den Toten sind knapp 63.000 Zivilisten und 37.000 Rebellen. Die für das syrische Regime kämpfenden Truppen verloren 76.000 Kämpfer, die islamistischen Milizen 23.000 Kämpfer. 3000 Tote konnten nicht zugeordnet werden.

AFP/dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Cumhuriyet“-Journalist Sik erhebt vor Gericht Vorwürfe gegen Erdogan
Der inhaftierte „Cumhuriyet“-Journalist Ahmet Sik hat in seiner Verteidigungsrede vor Gericht in Istanbul schwere Vorwürfe gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan …
„Cumhuriyet“-Journalist Sik erhebt vor Gericht Vorwürfe gegen Erdogan
EU höchst besorgt wegen umstrittener Abstimmung in Venezuela
Vier Tage vor der in Venezuela angesetzten Wahl zu einer verfassungsgebenden Versammlung hat sich die EU alarmiert angesichts der Eskalation der Gewalt gezeigt.
EU höchst besorgt wegen umstrittener Abstimmung in Venezuela
Auch in Flüchtlingskrise keine Ausnahmen von EU-Asylregeln
Als im Spätsommer 2015 Hunderttausende über die Balkanroute kamen, fühlten sich viele EU-Staaten überfordert - auch Deutschland. Doch Regeln sind Regeln, sagt der EuGH.
Auch in Flüchtlingskrise keine Ausnahmen von EU-Asylregeln
Italien prüft Bitte Libyens für Marine-Unterstützung in Flüchtlingskrise
Die italienische Regierung prüft eine Anfrage Libyens, im Kampf gegen Flüchtlingsschleuser Marineschiffe in Küstengewässer des nordafrikanischen Landes zu entsenden.
Italien prüft Bitte Libyens für Marine-Unterstützung in Flüchtlingskrise

Kommentare