+
Journalist und Autor: Bruno Schirra.

Bruno Schirra im Interview

IS-Experte: "Anschläge in Deutschland nicht zu verhindern"

München - Bruno Schirra spricht im Interview über die Terroranschläge in Brüssel und darüber, dass entsprechende Anschläge in Deutschland nicht zu verhindern seien.

Herr Schirra, sehen Sie bei den Anschlägen in Brüssel die Handschrift des IS?

Bruno Schirra: Es ist davon auszugehen, dass der IS hinter den Anschlägen steckt. Was der sogenannte Islamische Staat seit 2014 immer angekündigt hat, ist, dass er den Terror nach Europa bringen will. Warum? Nun, in Europa ist es einfach, den Terror zu inszenieren, das hat Brüssel und das hat auch schon Paris gezeigt. Ich wäre aber vorsichtig mit der Aussage, es hätte etwas mit der Verhaftung von Salah Abdeslam zu tun.

Diese Vermutung liegt doch aber nahe, oder?

Schirra: Ein solches Szenario plant man nicht innerhalb von zwei, drei Tagen. In den islamistischen und salafistischen Kreisen Europas ist in den letzten Wochen sehr offen darüber geredet worden, dass ein Szenario wie in Paris wiederholt werden muss. Belgien ist einer der salafistischen Hotspots in Europa, und jetzt ist man dem Motto gefolgt: Wir werden dort zuschlagen, wo wir die Möglichkeit haben.

Und die Theorie, dass Abdeslam des Öfteren in Brüssel gesehen, aber dennoch nicht verhaftet wurde?

Schirra: Das geht dann ein bisschen in die Richtung Verschwörungstheorie, von der ich nicht viel halte. Abdeslam hatte eine rege Reisetätigkeit hinter sich. Er war ja auch in Deutschland unterwegs, und das nicht nur in Ulm, sondern auch in anderen Orten. Er konnte dies tun, weil die europäischen Sicherheitsbehörden nicht darauf ausgerichtet sind, solche Gefährder, die irgendwann zu Tötern werden, im Griff zu behalten.

Warum ist gerade Belgien ein solcher Hotspot?

Schirra: Das hat mit der belgischen Realität zu tun. Das Land ist in sich selbst zerrissen, die einzelnen Sicherheitsbehörden kooperieren nicht so miteinander, wie es wünschenswert wäre. Da wird aneinander vorbeigeredet und gehandelt. Es gibt eine muslimische Community, die sich aus Nordafrika und dem Nahen und Mittleren Osten speist, und die unter den bekannten Diskriminierungen lebt und leidet. Das ist ein Sumpf, der eine solche Art von Glaubensterrorismus wachsen lassen kann.

Müssen wir uns in Deutschland vor einem solchen Anschlag fürchten?

Schirra: Ja, natürlich und womöglich sogar noch in diesem Jahr. Anschläge, wie dieser in Brüssel werden auch bei uns passieren. Das ist nicht zu verhindern und wird geschehen.

Befinden wir uns in einem Krieg gegen den globalen Terrorismus?

Schirra: Es ist ein Krieg! Die Diskussion hatten wir schon nach Paris, als François Hollande sagte „Wir sind im Krieg“ und dafür gegeißelt wurde. Natürlich sind Europa und die freie, liberale Gesellschaft im Krieg mit den Glaubensfanatikern des sogenannten Islamischen Staates. Und dem kann man sich auch nicht mehr entziehen. DL

Bruno Schirra: „ISIS. Der globale Dschihad“, Econ Verlag, 18 Euro

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Simbabwes Militärführung verhandelt erneut mit Mugabe
Harare (dpa) - Die Führung der Putschisten in Simbabwe will Präsident Robert Mugabe (93) in neuen Verhandlungen zur Aufgabe seines Amtes drängen.
Simbabwes Militärführung verhandelt erneut mit Mugabe
Nahles wütend: Merkel verhinderte Reise zu EU-Sozialgipfel
Berlin (dpa) - Gerade hat Angela Merkel alle Hände voll zu tun, mit FDP und Grünen eine mögliche Jamaika-Koalition zu schmieden, da bekommt sie Ärger mit Noch-Partner …
Nahles wütend: Merkel verhinderte Reise zu EU-Sozialgipfel
Jamaika-Parteien wollen Sondierungen abschließen
Eigentlich sollte der Sack schon in der Nacht zum Freitag zugemacht werden. Das misslang bekanntlich. Jetzt haben sich die Jamaika-Sondierer eine Frist bis Sonntagabend …
Jamaika-Parteien wollen Sondierungen abschließen
Vergewaltigung bei der Bundeswehr: Zahl der gemeldeten Fälle stark gestiegen
Das Bundesverteidigungsministerium hat der „Bild am Sonntag“ schockierende Zahlen offengelegt: Demnach ist die Zahl der gemeldeten sexuellen Übergriffe bei der …
Vergewaltigung bei der Bundeswehr: Zahl der gemeldeten Fälle stark gestiegen

Kommentare