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Ausschnitt aus einem Propagandavideo des IS.

Umkämpfte irakische Stadt

IS-Miliz erobert Regierungssitz in Ramadi

Ramadi - In der umkämpften irakischen Stadt Ramadi hat die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat am Freitag das Hauptquartier der Regierung erobert.

Nach monatelangen Kämpfen hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Westirak einen strategisch und symbolisch bedeutenden Erfolg erzielt. Die sunnitischen Extremisten konnten am Freitag die Provinzhauptstadt Ramadi fast vollständig unter ihre Kontrolle bringen. IS-Kämpfer hätten einen Regierungskomplex eingenommen und beherrschten rund 90 Prozent Ramadis, hieß es aus Sicherheitskreisen. Das Gebäude des Provinzrates sowie die lokale Polizeizentrale seien gesprengt und zerstört worden.

Die Hauptstadt der von Sunniten bewohnten Provinz Al-Anbar rund 110 Kilometer westlich von Bagdad ist seit Monaten zwischen IS-Anhängern und Regierungskräften umkämpft. Mit dem Vormarsch beherrscht der IS nun die allergrößten Teile der Provinz. Sollte der IS Ramadi völlig unter Kontrolle bringen, wäre das eine „große Katastrophe“ mit massiven Folgen für die Sicherheit des Iraks, sagte der Vorsitzende des Provinzrates, Sabach Karchut, der Deutschen Presse-Agentur.

Ramadi war schon nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003 eine Hochburg des sunnitischen Widerstands gegen das US-Militär. Anfang 2014 konnte der IS die Stadt Falludscha östlich von Ramadi unter Kontrolle bringen. Das war der Ausgangspunkt für den Vormarsch der Extremisten im Irak. Dort kontrolliert die Terrormiliz im Norden und Westen rund ein Drittel des Landes.

Iraks Armee und schiitische Milizen hatten im vergangenen Monat eine Offensive gestartet, um die Extremisten aus der Provinz Al-Anbar zurückzudrängen. Trotz Unterstützung der internationalen Koalition aus der Luft konnten sie jedoch keine entscheidenden Erfolg erzielen.

Am Freitag hieß es, der IS-Vormarsch sei möglich gewesen, nachdem sich die Armee nach heftigen Kämpfen plötzlich zurückgezogen habe. Zudem hätten die Extremisten rund 60 gefangenen Zivilisten getötet, darunter Frauen und Kinder. Die Militärführung in Bagdad kündigte eine Gegenoffensive an, wie die Nachrichtenseite Shafaaq News meldete. Ein Vertreter der irakischen Armee sagte, US-Militärberater würden von einem Stützpunkt östlich von Ramadi ausgeflogen.

Es war der zweite bedeutende Erfolg der IS-Terrormiliz innerhalb nur weniger Tage. Im benachbarten Syrien waren die Extremisten in dieser Woche nahe an die historische Oasenstadt Palmyra herangerückt. Die heftigen Kämpfe gingen auch am Freitag weiter, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete.

Palmyra gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Ruinen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus machen die Stadt zu einem der wichtigsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten. Die Unesco warnte, eine Zerstörung Palmyras müsse verhindert werden. Unesco-Chefin Irina Bokowa erklärte, der „unersetzliche Schatz“ habe bereits in den vergangenen Jahren unter Übergriffen und Plünderungen gelitten.

dpa/AFP

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