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Beim IS-Vormarsch Jahr im Nordirak hatten die IS-Terroristen Hunderttausende Jesiden vertrieben und Tausende von ihnen in die Gefangenschaft geführt oder getötet. Foto: str/Archiv

IS-Terrormiliz tötet jesidische Gefangene

Die Jesiden berichten von neuen Gräueltaten der IS-Terrormiliz. Unklar ist das genaue Ausmaß. Im benachbarten Syrien sollen bei einem US-Luftangriff auf IS-Stellungen 52 Zivilisten gestorben sein.

Bagdad/Aleppo (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) soll im Nordirak erneut zahlreiche Jesiden getötet haben. Die jesidische Fortschrittspartei gab die Zahl der Opfer am Samstag mit mehr als 300 an, die nicht-staatliche Menschenrechtskommission im Irak mit rund 70.

Zu den Ermordungen der Mitglieder der uralten religiösen Minderheit kam es demnach am Freitag in der Stadt Tel Afar, die nahe der vom IS kontrollierten Millionenmetropole Mossul liegt. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Der IS betrachtet die kurdischstämmigen Jesiden als "Ungläubige". Beim IS-Vormarsch im vergangenen Jahr im Nordirak hatten die Extremisten Hunderttausende Jesiden vertrieben und Tausende von ihnen in die Gefangenschaft geführt oder getötet. Der IS kontrolliert weite Gebiete im Nordirak und im Norden Syriens.

Bei einem Bombenanschlag in Bagdad wurden am Samstag mindestens 17 Menschen getötet, wie örtliche Medien berichteten. Ein mit Sprengstoff präpariertes Fahrzeug explodierte vor einer Reihe von Straßencafés im Innenstadtviertel Karrade. Zu dem Anschlag bekannte sich der IS, wie die amerikanische Terrorbeobachtungsstelle Site mitteilte.

Unter den Opfern des Anschlags war auch der langjährige Irak-Direktor des Institutes for War & Peace Reporting (IWPR), Ammar al-Shahbander, wie die Organisation am Sonntag mitteilte. Der 41-jährige Iraker, der auch schwedischer Staatsbürger war, hielt sich zum Zeitpunkt des Anschlags zufällig in einem der Cafés auf. Das von westlichen Geldgebern finanzierte IWPR organisiert Journalisten-Ausbildung und Recherchen in Konfliktzonen.

Ein US-Luftangriff auf IS-Stellungen im benachbarten Syrien soll indes 52 Zivilisten das Leben gekostet haben. Bei dem Bombardement im Dorf Bir Mahli nahe der nördlichen Stadt Kobane seien demnach auch sieben Kinder getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit. 13 Menschen würden noch unter den Trümmern vermisst. Es dürfte das bisher folgenschwerste Bombardement der US-geführten Allianz in Syrien sein.

Das Pentagon in Washington hatte am Freitag mitgeteilt, dass bei sechs Luftangriffen sieben IS-Stellungen und ein Fahrzeug der Terrormiliz zerstört wurden. Auch Kämpfer der Extremisten seien getötet worden. Über zivile Opfer machte Washington keine Angaben. Unklar war, ob die IS-Miliz die zivilen Bewohner von Bir Mahli als Schutzschilde missbraucht hat.

Die USA und ihre arabischen Verbündeten bombardieren seit September vergangenen Jahres regelmäßig Stellungen, Waffenlager und Fahrzeug-Konvois des IS in Syrien und im Irak.

IWPR-Mitteilung

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