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Ischinger gibt nach „Leberwurst“-Aufruhr Melnyk einen Rat – ukrainischer Botschafter teilt weitere Nachricht

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Von: Magdalena von Zumbusch

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„Beleidigte Leberwurst“ zu spielen sei „nicht staatsmännisch“: Diese Spitze Melnyks gegen Scholz sorgt für Aufruhr. Und der ukrainische Botschafter legt noch nach.

Kiew - Wolfgang Ischinger, der frühere Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz und ehemalige deutsche Botschafter in Amerika ruft den ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk auf, sich etwas zu mäßigen.

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hatte Kanzler Olaf Scholz eine „beleidigte Leberwurst“ genannt und sich darüber lustig gemacht, dass er „nicht sehr staatsmännisch“ agiere. Er reagierte damit auf die Entscheidung des Kanzlers, der eine Reise nach Kiew kurz nach der Ausladung des deutschen Bundespräsidenten durch die ukrainische Regierung absagte: Frank-Walter Steinmeier war bei einem Treffen verschiedener Staatspräsidenten in Kiew nicht willkommen gewesen, da der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ihm seine frühere Russland-freundliche Politik vorwarf.

Nach „Leberwurst“-Beleidung gegen Scholz auf Twitter: „...mal kurz innehalten“ angebracht?

„Lieber Andrij Melnyk“, meinte Ischinger nun am Mittwochnachmittag (4. Mai) auf Twitter, „besser jetzt mal kurz innehalten. Sie sind hier akkreditierter Botschafter und riskieren mit Ihren starken Sprüchen der ukrainischen Sache zu schaden. Vor Jahren riet ich Richard Grenell (Ex-US-Botschafter): „Explain your country‘s policies, but do not try to tell your host country what to do“ („Erklären Sie die Politik Ihres Landes, aber versuchen Sie nicht, Ihrem Gastland zu sagen, was es zu tun hat“).

Auf die Rückfrage bei Twitter, wo die Vergleichbarkeit zwischen den Botschaftern Grenell und Melnyk liege, erklärte Ischinger das Konzept des diplomatischen Verhaltenskodexes: „Als Botschafter ist man bei der Gastregierung akkreditiert und genießt dadurch bestimmte Privilegien wie zum Beispiel die diplomatische Immunität. Daraus ergeben sich aber unter anderem auch gewisse Verhaltenspflichten. Siehe die Wiener Konvention. Anders wär es, wenn man zum Beispiel Journalist oder Parlamentarier ist.“

Kritik an Melnyk auch von Wolfgang Kubicki: „Olaf Scholz ist keine Wurst“

Auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki von der FDP hatte Melnyks Attacke kritisiert: „Olaf Scholz ist keine Wurst, er ist der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland“, verteidigte der stellvertretende FDP-Vorsitzende laut der Deutschen Presse-Agentur die Gefühle des Kanzlers und meinte: „Dies gilt es zu respektieren.“

Leberwurst-Witz nach Rückzug von Selenskyj-Besuch geht weiter: „Ist doch ein gutes Produkt“

Nun fand der ukrainische Botschafter, dass der Leberwurst-Witz noch einmal aufgewärmt werden könne: Er postete einen Titel der Thüringer Allgemeinen über die Steinmeier-Ausladung und Sticheleien gegen den deutschen Kanzler: „Leberwurst ist doch ein gutes Produkt“, hatte die Zeitung ihren Beitrag mit der Meinung einer Verkäuferin überschrieben. Auf Twitter gibt er bekannt, dass er mit dem Titel „zu 100 Prozent einverstanden“ sei und verdeutlicht das mit einem lachenden Emoji.

Kürzlich wurde derweil CDU-Chef Friedrich Merz bei seinem aktuellen Besuch in der Ukraine überraschend vom ukrainischen Präsidenten Selenskyj empfangen. Der Oppositionsführer sicherte dem von Russland attackierten Land bei dem Besuch auch für die Zukunft Solidarität Deutschlands zu: „Deutschland steht an der Seite der Ukraine und ihrer mutigen Bevölkerung“, so Merz. (mvz mit dpa)

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