Kommentar von Friedemann Diederichs

Islamischer Staat wird  bleiben - wenn sich Obama nicht ändert

München - Wie weit es Fanatikern des "Islamischen Staates" schon gelungen ist, in Europa Fuß zu fassen, haben die Ereignisse der letzten Wochen drastisch gezeigt. Wie kann nun der Spielraum des "IS" eingeschränkt werden?

Recht unbehindert können Sympathisanten offensichtlich innerhalb der EU reisen – und auch nach Syrien, wo sie an Waffen ausgebildet werden und militärische Fähigkeiten erhalten. Wie stehen nun nach dem Massenmord von Paris die Chancen, unter Führung der USA und mit Beteiligung Russlands und Frankreichs den Spielraum des Islamischen Staats einzuschränken und die Zahl der Militanten deutlich zu dezimieren?

Ein Teil der Antwort dürfte Sie verunsichern, aber versuchen wir es dennoch: Ändern die USA ihre Rolle nicht wesentlich, wird der „IS“ eine dauerhafte Herausforderung bleiben. US-Präsident Obama ist dabei nicht der Schlüssel zu einer Lösung, sondern Teil des Problems. In den letzten Jahren hat er den „IS“ stets unterschätzt. Mal sprach er vom „IS“ als „Schüler-Team“, das nicht ernstzunehmen sei. Mal fegte er Wünsche nach Änderungen seiner versagenden Strategie mit dem Satz vom Tisch, man könne schließlich nicht „jeden Hasen in Nahost in sein Loch verfolgen“. Diese erschreckende Nonchalance wurde auch nach den Pariser Attacken deutlich, als Obama lediglich von einem „Rückschlag“ beim Kampf gegen den „IS“ sprach und sich umgehend in Richtung Asien entfernte.

Der Friedensnobelpreisträger hat vor allem das Anliegen, als Präsident in die Geschichte einzugehen, der Kriege beendet hat und nicht neue Konflikte schafft – wobei er die „IS“-Krise mitkreiert hat. Die Kosten dieser Eitelkeit sind signifikant – und werden noch steigen, da sich auch zögerliche Verbündete wie Deutschland nach dem Einsatzwillen Obamas richten werden, wenn die Entscheidung über künftige Hilfestellungen fällt. Was wiederum zum Schluss führen muss: Die Extremisten des „IS“, mit denen eine politisch-diplomatische Einigung nicht möglich ist, werden für den Westen zur anhaltenden Bedrohung.

Sie erreichen den Autor unter Politik@merkur.de

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Royaler Stinkefinger: Mit geheimen Botschaften setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump
Noch immer sorgt das Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin beim Gipfel in Helsinki für Schlagzeilen. Wir berichten weiter über die Nachwehen des Gipfels im …
Royaler Stinkefinger: Mit geheimen Botschaften setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump
CDU übernimmt CSU-Parteizentrale - bis die Münchner Polizei eingreift 
Die CSU ist am Mittwoch Opfer einer besonderen Art der Demonstration geworden. Aktivisten überklebten das Logo an der Zentrale mit dem CDU-Schriftzug.
CDU übernimmt CSU-Parteizentrale - bis die Münchner Polizei eingreift 
In kaputtem Schlauchboot im Meer zurückgelassen - Schwere Vorwürfe gegen libysche Küstenwache
Spanische Flüchtlingsretter haben vor der libyschen Küste eine tote Frau und ein totes Kleinkind in einem kaputten Schlauchboot gefunden.
In kaputtem Schlauchboot im Meer zurückgelassen - Schwere Vorwürfe gegen libysche Küstenwache
Heimliche Botschaften: So raffiniert setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump
Die Queen ist zu politischer Neutralität verpflichtet. Dennoch findet sie immer wieder Mittel und Wege um ihre Meinung kundzutun. So auch bei ihrem Treffen mit Donald …
Heimliche Botschaften: So raffiniert setzte die Queen Seitenhiebe gegen Trump

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.