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Schiiten demonstrierten am Samstag in ihren Hochburgen mit Militärparaden ihre Entschlossenheit im Kampf.

Jordanien mobilisiert Militär

Islamisten im Irak exekutieren 21 Menschen

Bagdad - Islamistische Aufständische haben in zwei westirakischen Städten 21 Menschen hingerichtet. US-Präsident Barack Obama warnte vor einem Übergreifen des Vormarsches auf Nachbarländer.

Die Exekutionen erfolgten am Samstag und Sonntag in den Städten Rawa und Ana, die von Kämpfern der Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis) gestürmt worden waren. Das wurde am Sonntag von Offizieren und Ärzten mitgeteilt.

Bei den Getöteten handelte es sich den Angaben zufolge um Repräsentanten der bisherigen Autoritäten, darunter Stammesführer. Die irakische Armee hatte sich nach eigenen Angaben aus "taktischen" Gründen aus Rawa und Ana zurückgezogen. Die Dschihadisten im Irak eroberten in den vergangenen Tagen mehrere große Städte. Hunderttausende Iraker flohen vor den Kämpfen.

Obama: "Globale Herausforderung"

Obama wies in einem Interview mit dem US-Sender CBS, das am Freitag aufgezeichnet und am Sonntag ausgestrahlt wurde, erneut den Gedanken einer Intervention mit Bodentruppen zurück. Er warnte vor der generellen Gefahr, die vom islamischen Extremismus ausgehe. Die "extreme Ideologie" der Islamisten sei eine "Gefahr auf mittlere und längere Sicht", sagte Obama. Vom Irak aus könnte der Vormarsch der Dschihadisten zum Beispiel "nach Jordanien übergreifen".

Der US-Präsident wies auf die Gefahren hin, die etwa von der Organisation Al-Kaida im Jemen und von der Gruppe Boko Haram in Nigeria ausgingen. "Das wird zu einer globalen Herausforderung", sagte Obama.

Kerry bemüht sich um politische Lösung

US-Außenminister John Kerry startete unterdessen eine Initiative zur Eindämmung der aktuellen Krise im Irak, die ihn von Kairo über Amman auch zur Nato in Brüssel führen wird. Kerry will auch in den Irak reisen, ein Datum wurde aber zunächst nicht mitgeteilt.

Kerry wolle mit den "Partnern und Verbündeten" darüber beraten, wie Sicherheit, Stabilität und die Bildung einer Einheitsregierung im Irak unterstützt werden könnten, sagte seine Sprecherin Jen Psaki. In Amman wollte der US-Außenminister mit seinem jordanischen Kollegen Nasser Dschudeh beraten, in Brüssel will er an einem Treffen der Nato-Außenminister teilnehmen, in Paris sind Gespräche mit Partnern und Verbündeten aus der Golfregion geplant.

Schiiten zum Kampf entschlossen

Obama hatte am Donnerstag erklärt , die USA seien zu "gezielten und präzisen Militäraktionen" bereit, wenn dies nötig sein sollte. Außerdem kündigte er die Verlegung von "bis zu 300" US-Soldaten als Berater für das irakische Militär an.

Bei Luftangriffen in Tikrit wurden am Sonntag mindestens sieben Menschen getötet, wie Augenzeugen berichteten. Das Staatsfernsehen meldete, bei dem Angriff gegen Extremisten seien 40 von ihnen getötet worden.

Angesichts der militärischen Erfolge der sunnitischen Aufständischen demonstrierten die Schiiten am Samstag in ihren Hochburgen mit Militärparaden ihre Entschlossenheit im Kampf. Im Bagdader Stadtteil Sadr City paradierten tausende bewaffnete Kämpfer der Miliz des einflussreichen Schiitenführers Moktada al-Sadr. Ähnliche Paraden fanden in den südlichen Städten Basra, Nadschaf und Kut statt.

Jordanien mobilisiert Militär an Irak-Grenze

Nach dem Vorrücken der sunnitischen Terrorgruppe Isis in der irakischen Westprovinz Anbar hat Jordanien seine Streitkräfte an der Grenze zum Nachbarland mobilisiert. Das Königreich habe „Dutzende“ Verbände entlang der Grenze aufgeboten, verlautete am Sonntagabend aus Militärkreisen in Amman.

Berichten zufolge sollen Kämpfer der Isis-Milizen die Stadt Rutba auf der Straße von Bagdad nach Amman und einen strategisch wichtigen Grenzübergang nach Jordanien eingenommen haben.

dpa/afp

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