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Deutschland will mehrere Familien aufnehmen

„Prekäre Lage“: Gruppe zu rettender Weißhelme steckt noch in Syrien fest

Die israelische Armee hat 800 syrische Weißhelme und deren Angehörige aus dem Süden Syriens in Sicherheit gebracht.  Nach ihrer dramatischen Evakuierung will auch Deutschland Dutzende Weißhelme aufnehmen.

Update vom 23. Juli: Ein Teil der syrischen Weißhelme und ihrer Familien, die vor den heranrückenden Regierungstruppen im Süden Syriens in Sicherheit gebracht werden sollten, konnten aufgrund der Lage vor Ort nicht außer Landes gebracht werden. Die Menschen befänden sich noch in Syrien und es sei nicht sicher, ob eine neue Rettungsaktion gestartet werden könnte, erfuhr AFP aus kanadischen Regierungskreisen. In einer ungewöhnlichen Rettungsaktion waren am Sonntag 422 Mitglieder der syrischen Hilfsorganisation und ihre Angehörigen nach Israel geholt und dann nach Jordanien gebracht worden.

Die Weißhelme seien durch das Vorrücken der Truppen von Machthaber Baschar al-Assad im Süden Syriens bedroht, berichtete der israelische Armeerundfunk. Die Lage derjenigen, die es am Sonntag nicht über die Grenze schafften, sei "prekär", hieß es aus kanadischen Regierungskreisen.

Israel rettet 800 syrische Weißhelme und ihre Familien - Deutschland nimmt 50 auf

Tel Aviv/Berlin - Wie der israelische Armeerundfunk am Sonntag meldete, wurden die Mitglieder der syrischen Hilfsorganisation und ihre Familien nach Israel und dann nach Jordanien gebracht. Jordanien erklärte unmittelbar darauf, die Menschen würden nun nach Deutschland, Kanada und Großbritannien gebracht. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung berichtet. Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte der Zeitung, Deutschland werde rund 50 der Flüchtlinge aufnehmen.

Die Betroffenen hätten in der syrischen Zivilverteidigung gearbeitet und seien aus Gebieten geflohen, die syrische Regierungstruppen erobert hätten.

Aktion als „außergewöhnliche humanitäre Geste“ bezeichnet

Die israelische Armee teilte am Sonntag mit, die Menschen seien in unmittelbarer Lebensgefahr gewesen. Ihre Rettung in der Nacht zum Sonntag sei auf Anweisung der israelischen Regierung und auf Bitten der USA und mehrerer europäischer Länder erfolgt. „Der Transfer der syrischen Flüchtlinge durch Israel ist eine außergewöhnliche humanitäre Geste“, hieß es in der Mitteilung der Armee. „Die Zivilisten sind in ein Nachbarland (Israels) gebracht worden.“

Regierungstruppen hatten im Juni im Süden Syriens eine Offensive begonnen und in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Orte übernommen. Viele Menschen flohen in das Gebiet nahe der israelischen Grenzlinie auf den besetzten Golanhöhen. Israel hat in den vergangenen Jahren Tausende verletzter Syrer ärztlich behandelt, ist aber nicht bereit zur Aufnahme von Flüchtlingen.

Außenminister Heiko Maas bestätigte die geplante Aufnahme von Mitgliedern der syrischen Hilfsorganisation in Deutschland. „Die Weißhelme haben seit Beginn des Syrien-Konflikts mehr als 100 000 Menschen gerettet“, sagte der SPD-Politiker am Sonntag zu „Bild“. Ihr Einsatz verdiene Bewunderung und jeden Respekt, „und wir haben ihn aus Überzeugung unterstützt“.

Mit dem Vormarsch des Regimes drohe vielen Weißhelmen nun Gefahr für Leib und Leben. „Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, dass viele dieser mutigen Ersthelfer nun Schutz und Zuflucht finden, einige davon auch in Deutschland.“ Auch das Bundesinnenministerium sei in die Planungen mit einbezogen gewesen.

Israel und Syrien sind verfeindete Länder. Während des Sechstagekriegs 1967 hatte Israel die syrischen Golanhöhen erobert und später annektiert. Im Syrien-Krieg verfolgt Israel eine Politik der Nichteinmischung. Israels Luftwaffe hat jedoch immer wieder Ziele in Syrien angegriffen. Die Bombardierungen richten sich Beobachtern zufolge gegen iranische Truppen und andere Kräfte, die wie die schiitische Hisbollah von Teheran unterstützt werden.

dpa/AFP/fn

Lesen Sie auch: Luftangriff auf Rebellen-Stadt in Syrien: Zwölf Zivilisten getötet

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