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Nach einem Anschlag am Rande des Gazastreifens hat Israel Tunnelanlagen im Süden des Palästinensergebiets angegriffen. (Archivbild)

Israel greift Tunnel im südlichen Gazastreifen an

Tel Aviv/Kairo - Nach einem tödlichen Anschlag am Rande des Gazastreifens hat Israel am frühen Mittwochmorgen Tunnelanlagen im Süden des Palästinensergebiets angegriffen. Dies berichteten arabische Medien unter Berufung auf Augenzeugen.

Durch diese Tunnel bei Rafah werden nach israelischer Darstellung aus Ägypten Waffen in den Gazastreifen eingeschmuggelt.

Wie die israelische Zeitung "Haaretz" unter Berufung auf Mitglieder der radikal-islamischen Hamas-Bewegung berichtete, rannten Einwohner von Rafah in Panik aus ihren Häusern. Ein Flugzeug habe dreimal angegriffen. Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht.

Ein Hauptziel der dreiwöchigen israelischen Militäroffensive, die am Morgen des 18. Januar mit einer einseitigen Waffenruhe beendet worden war, war die Unterbindung des Waffenschmuggels aus Ägypten. Bei den Angriffen waren etwa 1300 Palästinenser ums Leben gekommen.

Ein israelischer Berufssoldat wurde am Dienstagmorgen nördlich von Kissufim bei einer Patrouillenfahrt getötet, als auf der israelischen Seite der Grenze zum Gazastreifen unter seinem Fahrzeug ein Sprengsatz explodierte. Die Bombe war von militanten Palästinensern aus dem Gazastreifen gelegt und von dort aus gezündet worden. Drei weitere israelische Soldaten erlitten Verletzungen.

Der scheidende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hatte am Dienstagabend eine weitere Reaktion Israels angekündigt. Olmert sagte nach israelischen Medienberichten, ein Raketenangriff der Luftwaffe bei Chan Junis sei zunächst nur eine "operative Reaktion" gewesen. "Die Reaktion auf den Vorfall selbst wird noch kommen", sagte Olmert den Angaben zufolge bei einem Treffen mit Regierungsvertretern in Jerusalem.

Israelische Panzer feuerten als Antwort auf den Anschlag Granaten auf Häuser im Palästinensergebiet ab. Dabei kam nördlich von Chan Junis ein Landwirt ums Leben. Später tötete eine von einem israelischen Flugzeug abgeschossene Rakete einen militanten Palästinenser, der bei Chan Junis auf einem Motorrad unterwegs war.

"Nicht umsonst haben wir gesagt, dass die Waffenruhe brüchig ist", sagte Olmert den Angaben zufolge. Man habe absichtlich eine einseitige Waffenruhe erklärt und keine Vereinbarung mit der im Gazastreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas-Organisation geschlossen. "Dies ermöglicht uns die notwendige militärische Bewegungsfreiheit, um auf solche Vorfälle zu reagieren."

Unterdessen konzentrieren sich die internationalen Bemühungen um eine dauerhafte Waffenruhe auf Kairo. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak sprach mit dem neuen US-Sondergesandten George Mitchell darüber, welche Voraussetzungen für die Wiedereröffnung aller Grenzübergänge zum Gazastreifen erfüllt werden müssten. Mitchell, der zu Beginn seiner ersten Reise in die Region nach seiner Ernennung durch Präsident Barack Obama am Dienstagabend in Ägypten eingetroffen war, sagte nach dem Treffen: "Es ist sehr wichtig, dass die Waffenruhe verlängert und stabilisiert wird." Er dankte Ägypten für seine Vermittlung zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas. Mitchell erklärte, er wolle in den kommenden Tagen nicht nur mit Politikern aus der Region, sondern auch aus Europa über die Lage in Nahost beraten.

Der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit, der Mitchell zuerst getroffen hatte, warnte derweil vor den negativen politischen Folgen eines möglichen Einsatzes von Kriegsschiffen aus EU-Staaten zur Kontrolle des Waffenschmuggels an die palästinensische Hamas-Bewegung im Gazastreifen. Diese Aufgabe solle man, wenn sie denn überhaupt erfüllt werden müsse, der israelischen Besatzungsmacht überlassen.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur MENA empfing Mubarak am Mittwoch auch den Gesandten des Nahost-Quartetts, Tony Blair. Die ägyptische Regierung hofft, dass bereits in der kommenden Woche eine Einigung über eine mindestens einjährige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas erreicht werden kann. Am 22. Februar sollen in Kairo neue Gespräche über die Bildung einer Einheitsregierung durch die Hamas und die Fatah-Fraktion von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas beginnen.

Mitchell reiste am Mittwoch weiter nach Israel. Weitere Stationen der Reise des früheren Nordirland-Vermittlers sind Jordanien und Saudi-Arabien. Obama hatte angekündigt, er wolle den Frieden im Nahen Osten voranbringen. Den Muslimen bot er eine "neue Partnerschaft in gegenseitigem Respekt" an.

dpa

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