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Ein israelischer Soldat wartet auf seinem Panzer auf den Marschbefehl.

Israels Bodentruppen warten auf Einmarschbefehl

Tel Aviv/Gaza - Im Nahen Osten ist auch zu Beginn des neuen Jahres kein Ende der Gewalt in Sicht. Knapp eine Woche nach dem Start der blutigen Militäroffensive Israels im Gazastreifen warten jetzt die Bodentruppen auf ihren Einsatzbefehl.

Die israelische Luftwaffe tötete am Neujahrstag erstmals ein Mitglied des engsten Führungszirkels der radikal-islamischen Hamas sowie dessen Frau und acht Kinder. Gleichzeitig setzten militante Palästinenser ihre Raketenangriffe auf israelische Städte fort. Als Folge der Gewalt sind bislang mindestens 410 Palästinenser und vier Israelis getötet worden.

Unterdessen gehen die diplomatische Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas weiter. Der UN-Sicherheitsrat hatte Israel und die Hamas in den letzten Stunden des alten Jahres noch einmal eindringlich zu einer Waffenruhe aufgerufen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drängte die Konfliktparteien, umgehend "vom Abgrund zurückzutreten".

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas (Fatah) will sich jetzt beim Weltsicherheitsrat für eine Waffenruhe einsetzen. Abbas werde solange in New York bleiben, bis es eine Resolution mit einer klaren Zeitvorgabe für ein Ende der Gewalt gebe, sagte Abbas-Sprecher Jassir Abed Rabbo in Ramallah. Am Rande eines Treffens der Arabischen Liga in Kairo betonten Diplomaten, die arabischen Staaten hätten ihre internen Konflikte beiseite geschoben, um das Blutvergießen im Gazastreifen zu stoppen. Sie schlugen die Entsendung einer internationalen Schutztruppe in den Gazastreifen vor.

Die israelische Außenministerin Zipi Livni reiste nach Paris, um mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy über die Gaza-Krise zu sprechen. Livni wolle "verschiedene Ideen diskutieren, was auf diplomatischem Parkett getan werden könne", sagte Außenamtssprecher Jigal Palmor. "Wir haben Ideen und Vorschläge von verschiedenen Parteien erhalten, die einen Beitrag leisten wollen, und wir studieren alle sehr ernsthaft und sorgfältig", sagte er. Palmor wollte nicht bestätigen, dass einer dieser Vorschläge den Einsatz von internationalen Beobachtern beinhaltet, die über die Einhaltung einer neuen Waffenruhe wachen sollen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warb bei Livni für eine konstruktive Haltung zu arabischen Bemühungen um eine Beruhigung des Konflikts im Gazastreifen geworben. In einem Telefonat mit Livni äußerte er nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin "seine große Sorge über das Andauern der Kampfhandlungen".

Sarkozy wird am Montag zu Vermittlungsgesprächen in Israel erwartet. Israel hatte einen französischen Vorschlag über eine 48-stündige Waffenruhe abgelehnt. Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert bekräftigte, Israel wolle mit "eiserner Hand" gegen Hamas vorgehen. "Ich hoffe, dass wir unsere Ziele so schnell wie möglich erreichen", sagte Olmert bei einem Besuch in Beerschewa.

Der israelische Armeesprecher sagte erstmals öffentlich, Ziel der Offensive sei nicht der Sturz von Hamas. Avi Benajahu sagte dem israelischen Armeesender: "Wir haben keinerlei Absicht, den Gazastreifen wiederzubesetzen oder Hamas zu stürzen." Ziel sei es vielmehr, eine Abschreckung gegen künftige Raketenangriffe auf Israel zu schaffen. Die Offensive solle erst dann enden, wenn eine "neue Sicherheitsrealität in den Gemeinden im Süden Israels geschaffen ist", sagte Benajahu.

Der ehemalige palästinensische Ministerpräsident von der Hamas, Ismail Hanija, hatte am Silvestertag während einer Fernsehansprache Gesprächsbereitschaft mit Israel signalisiert. Als Vorbedingung verlangte er das sofortige Ende der Militäroperation, die Aufhebung der israelischen Blockade des Gazastreifens und die Öffnung der Grenzübergänge. Hanija hält sich wie andere Hamas-Führer versteckt.

Erstmals seit Beginn der Offensive am vorigen Samstag wurde nach Augenzeugenberichten auch eine Schlüsselfigur der Hamas getötet. Eine Rakete traf das Haus von Nisar Rian im Flüchtlingslager Dschebalia im nördlichen Gazastreifen. Bei dem Angriff wurden auch dessen Ehefrau sowie acht Kinder getötet. Rian agierte als Verbindungsmann zwischen dem militanten und dem politischen Flügel. Eine israelische Armeesprecherin bestätigte, dass der Angriff Rian gegolten habe. Sie machte das Hamas-Führungsmitglied für Anschläge auf israelische Zivilisten verantwortlich. Danach soll Rian im Jahr 2002 unter anderem seinen eigenen Sohn zu einem Selbstmordanschlag in einer ehemaligen jüdischen Siedlung im Gazastreifen abkommandiert haben.

Unterdessen droht Israel angesichts der fortwährenden Raketenangriffe weiter mit einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Der israelische Rundfunk meldete, dass mehrere tausend Soldaten am Rande des Gazastreifens auf ihren Einsatzbefehl warteten, darunter viele Reservisten. Der Bodeneinsatz mit starken Verbänden solle nach Vorstellung der Armee heftig und kurz sein, hieß es.

Der heftige Raketenbeschuss israelischer Städte durch militante Palästinenser ging unterdessen weiter. In den Städten Beerschewa, Aschkelon und Aschdod schlugen auch am Neujahrstag wieder mehrere Raketen ein. In Aschdod wurde ein achtstöckiges Wohnhaus direkt getroffen. Die Explosion der Rakete löste einen Brand aus. Zwölf Menschen hätten einen Schock erlitten, meldete der israelische Rundfunk. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden mehr als 15 Raketen auf Israel abgefeuert. Seit Beginn der Offensive sind vier Israelis bei den Raketenangriffen getötet worden.

dpa

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