Die Bundesdirektorenkonferenz der Gymnasien hat schon 2014 ein bundesweites Zentralabitur gefordert.
+
Die Bundesdirektorenkonferenz der Gymnasien hat schon 2014 ein bundesweites Zentralabitur gefordert.

Dauerdebatte

Zentralabitur wird seit Jahren gefordert - Wer will überhaupt ein Abi für alle?

Das Thema Zentralabitur geistert seit Jahren durch Deutschland. Immer wieder sorgt es für viel Diskussionen und Streit. Doch wer will überhaupt ein Zentralabi? 

Berlin - Eine deutliche Mehrheit in Deutschland ist für ein Zentralabitur. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur sprachen sich 80 Prozent der Befragten dafür aus, dass Abiturienten im ganzen Land einheitliche Prüfungen vorgelegt bekommen. Nur jeder Zehnte lehnt das ab. Neun Prozent antworteten mit „Weiß nicht/keine Angabe“.

Über die Frage eines einheitlichen Abiturs wird momentan wieder verstärkt diskutiert. Politiker verschiedener Parteien hatten sich für ein Zentralabi ausgesprochen. Auf der anderen Seite gibt es heftigen Widerstand, vor allem aus Bayern.

Ist das Abitur in Bayern unantastbar?

In der YouGov-Umfrage war unabhängig vom Bundesland die Zustimmung für ein Zentralabi bei allen für die Stichprobe ausgewählten Menschen hoch. Selbst in Bayern sprachen sich von den dort 317 Befragten 74 Prozent für einheitliche Abi-Aufgaben aus. Eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent der Bundesbürger lehnt es zudem ab, dass in Deutschland jedes Bundesland für Bildung selbst zuständig ist. Nur 28 Prozent sind für den sogenannten Bildungsföderalismus. Die Umfrage bestätigt ähnliche Befragungen aus der Vergangenheit.

Dem deutschen Bildungssystem insgesamt stellen die Bundesbürger ein ziemlich schlechtes Zeugnis aus. Nicht einmal jeder dritte Befragte ist der Ansicht, dass es junge Menschen gut auf das Leben und die Arbeitswelt vorbereitet. Und eine klare Mehrheit ist der Meinung, deutsche Abiturienten sind heute weniger fit für das Studium als noch vor 20 Jahren.

Zentralabitur - Debatte läuft seit Jahren

Im Frühjahr war die Abitur-Debatte wieder neu aufgeflammt, weil Schüler in Teilen des Landes sich über zu schwere Mathe-Aufgaben beschwert hatten. Unter Verweis auf eine bessere Vergleichbarkeit hatten sich zuletzt FDP-Chef Christian Lindner, die kommissarische SPD-Chefin Manuela Schwesig und auch Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) für ein Zentralabi ausgesprochen. Eisenmann bekam zudem Rückendeckung von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU).

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Margit Stumpp, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag), ein einheitliches Abitur sei eine Frage der Gerechtigkeit. Die Kultusministerkonferenz (KMK) - die gemeinsame Konferenz der Bildungsminister der Länder - sei gefordert, weitere Schritte dahin zu gehen.

Scharfer Widerspruch kommt aus Bayern. CSU-Generalsekretär Markus Blumes Kommentar zum Thema Einheitsabitur: „Wir wollen die beste Bildung für unsere Schüler und keinen deutschen Durchschnitt“. Ein Zentralabitur werde es auf keinen Fall mit Bayern und der CSU geben, stellte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) außerdem klar. Auch der KMK-Präsident, der hessische Bildungsminister Alexander Lorz (CDU), hatte sich gegen ein Zentralabi ausgesprochen.

Zentralabitur: Wo ist eigentlich das Problem?

Bildung ist in Deutschland Ländersache. Würde man das ändern wollen, wäre eine Grundgesetzänderung notwendig mit Zweidrittelmehrheiten in Bundestag und Bundesrat. Die Abiturprüfungen in den einzelnen Ländern bestehen im Moment aus einer Mischung: Die Schüler bekommen landesspezifische Aufgaben und in den Kernfächern Deutsch und Mathe sowie Englisch und Französisch Aufgaben aus einem gemeinsamen Pool der Länder.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rechtsextreme Anschlagsserie in Berlin wird erneut überprüft
Berlin (dpa) - Nach der Übernahme der Ermittlungen zu einer jahrelangen Anschlagsserie von Rechtsextremisten in Berlin will die Generalstaatsanwaltschaft alle Verfahren …
Rechtsextreme Anschlagsserie in Berlin wird erneut überprüft
Japan gedenkt des Atombombenabwurfs auf Hiroshima
Vor 75 Jahren verwandelten die USA mit der ersten Atombombe in einem Krieg Hiroshima in eine lodernde Hölle. Heute nimmt die atomare Bedrohung nach einer Phase der …
Japan gedenkt des Atombombenabwurfs auf Hiroshima
Chefin der NRW-Jusos will Nachfolgerin von Kühnert werden
Es wäre "eine große Ehre" für sie: Die 27 Jahre alte Lehrerin Jessica Rosenthal aus Bonn will Nachfolgerin von Kevin Kühnert als Bundesvorsitzende der Jusos werden. …
Chefin der NRW-Jusos will Nachfolgerin von Kühnert werden
Corona-Regeln trennen Paare ohne Trauschein
Tausende binationale Paare sind wegen der Corona-Reisebeschränkungen seit Monaten getrennt. Hätte Bundesinnenminister Seehofer ihnen schon lange helfen können?
Corona-Regeln trennen Paare ohne Trauschein

Kommentare