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Löwe sucht Höhle: An der Hackerbrücke hat die CSU eine Wahlkampfzentrale gemietet.

Wahl 2013

CSU: Eigene Zentrale für den Wahlkampf

München - Die Wähler-Jagd entscheidet sich erst auf den letzten Metern. Mit Riesenaufwand und praller Kasse plant vor allem die CSU die heiße Wahlkampf-Phase im Herbst. Die Partei baut sogar eine externe Zentrale auf.

Er brüllt nicht, er will nur spielen. Ein Plüschlöwe, leicht apathisch dreinschauend, kauert auf einem der Schreibtische. Ein Maskottchen vielleicht, oder eine ironische Anspielung auf den Parteichef, der die Launen seiner CSU gern einteilt in „schnurrendes Kätzchen“ bis „brüllender Löwe“. Das Stofftier, das für ein paar Fotos ins kahle Bürogebäude geschleift wurde, wird noch weit bewegtere Zeiten erleben: In einigen Wochen ist hier die Wahlkampfzentrale der CSU – der Ort, an dem sie ihre Schicksalswahl koordiniert.

Im „Skygarden“-Komplex an der Münchner Hackerbrücke hat die Partei zwei Stockwerke mit Großraumbüros gemietet. Generalsekretär Alexander Dobrindt will seine wichtigsten Mitarbeiter, Freiwillige und die Agentur Signalwerk (bewirbt auch Erdinger Weißbier) zusammenpacken, einige Dutzend Köpfe, die den Wahlkampf für Land und Bund gestalten. Offizieller Titel: „Bayernquartier“. Inoffiziell dürfte sich „Bayern-Kampa“ einbürgern.

Eine Kampa also – der Begriff setzte sich in der Politik spätestens 1998 durch. Da baute die SPD eine externe Wahlkampfzentrale auf. Sinn: Raus aus der Routine, schöne Bilder schaffen, moderner wirken als Kanzler Kohls Bräsigkeit, Journalisten beschäftigen. Es funktionierte. Dass nun aber die CSU statt in der Leberkäs-Etage die Glasfront-Büros mietet zwischen Unternehmensberatern und Wirtschaftsprüfern, ist ungewöhnlich. „Es wird ein Sechs-Wochen-Wahlkampf mit extrem hoher Taktung und Reaktionsgeschwindigkeit“, begründet Dobrindt: „Da musst du raus aus der klassischen Büro-Organisation.“

Raus auch aus dem Mief. Seit über 30 Jahren haust die CSU in einem Hinterhof an der Nymphenburger Straße, verschlissene Saunabüros im Sommer, im Winter fällt gern die Heizung aus. Kaum ein Wähler verirrt sich hierhin. Der Hof ist eng und grau, wenn mal wieder ein Ministerpräsident gestürzt wird wie 2008, müssen Bierzelt-Rausschmeißer Kameraleute und Politiker trennen. Für ein paar Monate will die CSU nun einen modernen Bau haben, mit Bürgerbereich im Erdgeschoss, Großbildschirmen und Bayernfahnen. Parteifreunden bei der Winterklausur in Kreuth zeigte Dobrindt bereits erste Fotos. Auch der Vorstand soll hier tagen, Chef der Wahlkampfzentrale (mit Einzelbüro) wird der Generalsekretär.

Hinter dem teuren Kurzzeit-Umzug – allein die Miete dürfte eine fünfstellige Summe fressen – steckt allerdings mehr. Die CSU packt alle Energie in die letzten Wochen vor der Wahl. Das „Bayernquartier“ soll erst am 3. Mai öffnen, wenn Horst Seehofer bei einer Großveranstaltung vor Tausenden in irgendeiner Arena offiziell zum Spitzenkandidaten nominiert wird. Die echte Wahlkampfphase will Seehofer sogar erst Ende Juli ausrufen – möglichst spät. Man könne doch „jetzt nicht das Licht ausschalten und sagen, jetzt ist schon Wahlkampf“, sagte er neulich.

Grund ist weniger das Ansinnen, das Land bis zuletzt ohne Ablenkung zu regieren – sondern das unbekannte Wesen Wähler. Nicht mal mehr 20 Prozent gelten als Stammwähler und kreuzen verlässlich immer gleich an. Bei der Bundestagswahl 2009 entschied sich die Hälfte erst in der letzten Woche, überdurchschnittlich viele gegen die Union. „Spätentscheider“ nennen das Politologen.

Die CSU will für die letzten Wochen alles mobilisieren an Themen und Geld. Ein erheblicher Teil des auf eine mittlere siebenstellige Höhe geschätzten Wahlkampfetats (jeweils Land und Bund) fließt in die Schlussphase. Genaue Zahlen rücken die Parteien nicht raus, es ist aber weit mehr als bei der SPD. Dort liegt der Landtags-Wahlkampfetat für die Zeit seit der Ude-Nominierung 2012 bei zwei Millionen Euro. Eine externe Kampa können sich die Genossen, obwohl sie die Erfinder sind, nicht leisten.

Interessantes Detail der CSU-Pläne am Rande: Auch die Partei-Urgesteine müssen ran. Dobrindt lässt neue Veranstaltungs-Formate entwickeln: Edmund Stoiber plant eine Tour mit Interview-Abenden. Ex-Chefredakteur Wilfried Scharnagl soll sogar wieder für den „Bayernkurier“ schreiben, Titelseite. Mit Peter Gauweiler bereist er zudem gemeinsam für die Reihe „Bayern zuerst“ historische Stätten – Königsschlösser und Herrenchiemsee inklusive.

Von Christian Deutschländer

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