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Nach über 20 Jahren Abwanderung aus den strukturschwächeren ostdeutschen Ländern hat die deutsche Binnenmigration ein Gleichgewicht erreicht.

23 Jahre Einheit

Innerdeutsche Ost-West-Abwanderung gestoppt

Berlin - Erstmals zogen genau so viele Deutsche von Ost nach West wie in umgekehrte Richtung. Jedoch enden damit für die neuen Bundesländer nicht ihre demografischen Probleme.

Die Abwanderung aus Ostdeutschland ist nahezu gestoppt. Die neuen Bundesländer werden dennoch auch in Zukunft besonders mit der demografischen Entwicklung zu kämpfen haben. Das geht aus dem jährlichen Bericht zum Stand der Deutschen Einheit vor, über den das Bundeskabinett am Mittwoch beriet. Erstmals seit der Wiedervereinigung zogen 2012 ungefähr so viele Menschen von West- nach Ostdeutschland wie umgekehrt, heißt es darin. Der Osten werde in den kommenden Jahren trotzdem sehr von Alterung und Schrumpfung betroffen sein. Wirtschaftlich sind die neuen Länder - trotz einiger Fortschritte - nach wie vor im Rückstand.

Nach der Wiedervereinigung waren über Jahre hinweg viele Menschen aus dem Osten weggegangen, die Geburtenzahlen brachen ein. Die Einwohnerzahl dort sank zwischen 1990 und 2012 um 13,5 Prozent. Die verbesserte wirtschaftliche Situation und die bessere Lage auf dem Arbeitsmarkt hätten nun jedoch dazu beigetragen, die Abwanderung weitgehend aufzuhalten, heißt es im Bericht. Auch die Geburtenrate entwickele sich positiv und liege seit einigen Jahren über dem westdeutschen Niveau.

2012 belief sich der Wanderungsverlust von Ost nach West nur noch auf gut 2000 Menschen. Direkt nach der Wiedervereinigung waren es jährlich Hunderttausende gewesen, zwischen 2000 und 2005 noch durchschnittlich 66 000 pro Jahr.

Die ostdeutsche Gesellschaft überaltert schneller

Aufatmen kann der Osten nach Einschätzung der Bundesregierung aber nicht. Die frühere Entwicklung wirke nach. Außerdem schreite die Alterung der Gesellschaft in den neuen Ländern schneller voran als in den alten. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter werde im Osten bis 2030 um weitere 27 Prozent schrumpfen, im Westen nur um 18 Prozent. Das mache sich vor allem in ländlich geprägten Regionen bemerkbar, die in Ostdeutschland fast vier Fünftel der Fläche ausmachen.

Die Wirtschaftsentwicklung kommt laut Bericht voran. Der materielle Wohlstand habe sich im Osten in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Die Angleichung an das westdeutsche Wirtschaftsniveau habe sich zuletzt aber verlangsamt. Bis der Rückstand aufgeholt ist, braucht es laut Regierung noch Zeit. Nach wie vor gibt es spürbare Unterschiede in der Wirtschaftskraft, bei Löhnen und Gehältern, Renten oder auf dem Arbeitsmarkt.

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Das Bruttoinlandsprodukt der ostdeutschen Länder pro Einwohner ist in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, liegt aber noch immer deutlich unter dem Westniveau (bei 71 Prozent). Die Löhne und Gehälter im Osten haben sich zuletzt nur leicht erhöht und liegen auf etwa 80 Prozent des westdeutschen Niveaus. Auch bei der Rente gibt es weiterhin Unterschiede.

Die Arbeitslosigkeit nahm 2012 im Jahresdurchschnitt in Ostdeutschland stärker ab als in Westdeutschland und erreichte dort den niedrigsten Stand seit 1991. Die Arbeitslosenquote in den neuen Ländern war im vergangenen Jahr mit 10,7 Prozent trotzdem fast doppelt so hoch wie in den alten Bundesländern. Ähnliches gilt für die Arbeitslosenquote von Jugendlichen.

dpa

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