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Dieter Janecek

Interview

Grünen-Abgeordneter: „Wir müssen die Lust-Vielfliegerei eindämmen“

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Der grüne Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek will den Flugverkehr reduzieren. „Die Lust-Vielfliegerei muss eingedämmt werden“, sagte er im Interview. 

München – Der Münchner Dieter Janecek war von 2008 bis 2014 Vorsitzender der Grünen in Bayern. Inzwischen ist er als Bundestagsabgeordneter unter anderem für Luft- und Raumfahrt in der Fraktion zuständig. Ein Gespräch darüber, wie die Partei den Flugverkehr reduzieren will.

Herr Janecek, Sie sind gerade in Hamburg – geflogen oder mit der Bahn?

Während wir sprechen, sitze ich im ICE von Hamburg nach München – das dauert fünfeinhalb Stunden. Seitdem die Strecke München – Berlin ausgebaut ist, fahre ich so gut wie immer mit dem Zug. Das zeigt schon eines der Probleme: Wir brauchen dringend mehr Hochgeschwindigkeitszüge in Deutschland.

Derzeit bescheinigen nicht alle den Grünen ein so vorbildliches Verhalten. Der Vorwurf lautet: Politisch gegen die dritte Startbahn kämpfen, aber schön in den Urlaub fliegen. Verstehen Sie den Unmut?

Auch Grüne sind keine perfekten Menschen und verhalten sich widersprüchlich. Ich persönlich bin bemüht – fahre ein kleines elektrisches Auto und esse wenig Fleisch –, aber ich arbeite im Bereich Außenwirtschaft gerade auch viel mit Afrika. Da kann ich nicht mit dem Schlauchboot nach Angola rudern.

Sind Urlaubsflüge für Sie in Ordnung?

Das muss am Ende jeder für sich selbst beantworten. Ich glaube nicht daran, dass wir das Klima retten, indem wir individuelles Verhalten geißeln. Die Rahmenbedingungen müssen sich ändern. Fakt ist, dass Fliegen eben der einzige Bereich des Verkehrs ist, den wir in den nächsten 20, 30 Jahren nicht klimaneutral bekommen werden. Dafür fehlen die Technologien.

Schön. Sie wollen die Flugzahlen reduzieren. Was schlagen Sie konkret vor?

Zunächst einmal müssen wir die Mehrwertsteuer für die Bahn senken – dann wäre Bahnfahren auf einen Schlag zehn Prozent günstiger. Auf der anderen Seite wollen wir die Vergünstigungen für den Flugverkehr streichen – das sind in Deutschland zehn Milliarden Euro. Aber wir müssen weitergehen. . .  

Das heißt?

Ich finde den Vorschlag des Mobilitätsforschers Professor Andreas Knie sehr interessant. Er sagt: Jede Person hat ein festes Budget an Flügen, die er oder sie am freien Markt kaufen kann. Wer mehr fliegen will, muss die Flüge dann von anderen kaufen, die ihr Budget nicht ausschöpfen. Dadurch würde die Vielfliegerei teurer.

Ab wann ist man denn bei Ihnen Vielflieger?

Professor Knie schlägt drei internationale Flugpaare im Jahr vor, also drei Mal Hin- und Rückflug. Wenn man ehrlich ist: Für das Klima ist selbst das schon zu viel. Aber irgendwo muss man ja anfangen. Außerdem muss man noch die Streckenlänge berücksichtigen. Es macht ja einen Unterschied, ob man von München nach Prag fliegt oder drei Mal auf die Malediven oder in die USA.

Video: Deutsche sollen nur noch dreimal im Jahr fliegen dürfen

Sie sagen: Vieflieger sollen Flüge von anderen erwerben. Wie muss man sich das vorstellen?

Jeder hätte praktisch seinen privaten Emissionszertifikatehandel. Das heißt, jeder bekommt sein Budget gutgeschrieben. Und wer wenig fliegt, kann Anteile sogar verkaufen und Geld verdienen.

Hm.

Das mag erst mal utopisch klingen. Aber es wäre eine Möglichkeit, Flüge zum einen zu verteuern, gleichzeitig aber Menschen mit geringeren Einkommen die Möglichkeit zu lassen, in den Urlaub zu fliegen. Aber die Lust-Vielfliegerei muss eingedämmt werden. Und mehr Unternehmen und Geschäftsreisende würden darüber nachdenken, ob nicht auch Videokonferenzen mal eine Alternative sein könnten.

Über welche Summen reden wir denn da?

Es gibt noch kein durchgerechnetes Konzept. Aber man kann davon ausgehen, dass bei einem solchen Flughandel die Preise für das vierte und fünfte Flugpaar um 30 bis 50 Prozent steigen werden.

Sie sind selbst als Abgeordneter Vielflieger. Würden Sie mit einer solchen Regelung weniger fliegen?

Innerdeutsch fliege ich jetzt schon so gut wie gar nicht mehr, und mehr als zwei, maximal drei Ausschussreisen im Jahr sind mir schon aus Zeitgründen gar nicht möglich. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Unternehmen, die öffentliche Verwaltung und auch der Deutsche Bundestag sich selbst verpflichten sollten, keine Flüge mehr zu erstatten, die man binnen vier Stunden auch mit dem Zug erledigen kann.

Ihnen ist klar, dass man mit solchen Vorschlägen nicht nur Begeisterung erntet, oder?

Politik ist nicht dazu da, es immer nur allen recht zu machen. Wir brauchen Antworten darauf, wie wir die Klimabelastung durchs Fliegen bei einer steigenden Weltbevölkerung senken können. Unter anderem müssen wir in dem Bereich viel intensiver forschen und entwickeln.

Interview: Mike Schier

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Kommentare

Günter Mietz
(1)(0)

Der Spiegel hat 2014 bereits festgestellt, dass die GRÜNEN und ihre Wähler die meisten Flugkilometer zurücklegen (kein Witz). Daraus würde ich ein Quote folgern: maximal 4,9% GRÜNE Wähler und maximal 4,9% GRÜNE, die sich erhöhtes Flugaufkommen leisten dürfen. Danach muss die staatliche Überwachung gnadenlose einschreiten.

chno
(6)(0)

Gut jeder fünfte Deutsche scheint diese ständige, mittlerweile in alle Lebensbereiche greifende Bevormundung mit Weltverbesserungs-Attitüden ja ganz toll zu finden. Es hängt wohl primär damit zusammen, dass hauptsächlich Besserverdienende die Partei wählen und denken, dass sie sich damit eine bessere, gerechtere Welt schaffen können und ihre eigenen, persönlichen Vorteile gegenüber der übrigen Bevölkerung mit hinreichend Geld erkaufen.

Mittlerweile nehmen gewisse Gedanken und Vorschläge der Grünen deutliche Züge an, die man ansonsten eher aus totalitären Staaten kennt. Da muss man nicht erst Huxley oder Orwell lesen, da reicht es schon, wenn mann sich auch nur ein wenig mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts folgender Staaten beschäftigt ... Sowjetunion, China, Kambodscha, Korea, Jugoslawien, DDR, Grossdeutsches Reich, ...

Clint OstholzAntwort
(0)(0)

Genau, Sie sagen es es: Absolute Sicherheit gibt es nicht und schon gar nicht über einen Zeitraum von mehreren 100.000 Jahren.
Und was schließen wir daraus?
(Achtung: das nächste Eigentor droht)