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Gute Stimmung auf der Wahlparty: Bayerns Grüne um Dieter Janecek (r.) und Margarete Bause (2. v. l.) in München.

Bundestagswahl

Janecek zum Grünen-Ergebnis: „Ich muss jetzt erst mal einen trinken“

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Freude über das eigene Ergebnis, Entsetzen über das Abschneiden der AfD und die Frage nach der Regierungsbeteiligung: Die Grünen erleben am Wahlabend ein Wechselbad der Gefühle.

München – Kurz nach 18 Uhr steht Dieter Janecek abseits vom Jubel, das Gesicht zwischen Stolz und Ungläubigkeit. Gerade hat die erste Hochrechnung seinen Grünen bundesweit 9,5 Prozent bescheinigt, in Bayern sogar über zehn Prozent. Die Stimmung ist also gut, auch wenn es beim AfD-Ergebnis für einen gespenstischen Moment sehr still war. Janecek, dessen Wiedereinzug in den Bundestag dank Listenplatz sechs nie ernsthaft gefährdet war, sagt zwei Sätze. Zunächst: „Sogar die Doris könnte drin sein.“ Und dann: „Ich muss jetzt erst mal einen trinken.“

Der Wunsch nach einem Getränk erklärt sich von selbst. Die Sache mit Doris muss man erklären. Gemeint ist Doris Wagner, seit 2013 mit Janecek im Parlament. Allzu freundlich waren die grünen Listenaufsteller nicht mit ihr gewesen – Platz 13 galt als sicheres Ticket in einen neuen Lebensabschnitt. Nun aber, dank möglicher Ausgleichsmandate, könnte es sogar für Wagner für ein neues Mandat reichen.

Auch wenn die Hochrechnungen später noch etwas nach unten gehen: Das gute Abschneiden der Grünen ist eine der größeren Überraschungen dieses denkwürdigen Abends. Lange hatte es einigermaßen bescheiden ausgesehen, jedenfalls in den Umfragen (die man freilich ab sofort noch vorsichtiger genießen sollte). Der Tenor: Die Partei sei zu besserwisserisch bei den Inhalten, zu verstaubt beim Personal.

Im Münchner „Ampere“, wo die Wahlparty von Bayerns Grünen steigt, sehen sie das natürlich anders. Beeindruckend sei die Stimmung in den vergangenen Tagen gewesen, erzählt eine Wahlhelferin. Sie habe gemerkt, wie viele Leute die Themen Gerechtigkeit und Umwelt für wichtig halten. Dann beklatscht die Frau, kaum zu glauben, den FDP-Politiker Wolfgang Kubicki.

Auch das muss man erklären. Kubicki, der in Schleswig-Holstein gerade ein Bündnis mit CDU und Grünen geschmiedet hat, sagt auf der TV-Leinwand: Man müsse sich auch mal klar machen, dass 87 Prozent nicht die AfD gewählt hätten. Deswegen der parteiübergreifende Applaus.

Minuten später widmet sich auch die bayerische Spitzenkandidatin Claudia Roth in ihrer Rede als erstes der AfD. „Bald werden Holocaust-Leugner im Bundestag das Wort ergreifen“, ruft sie. „Aber mit uns Grünen wird es keinen Schlussstrich unter unsere Geschichte geben. Lasst uns das Gesicht sein für die Menschenrechte – egal ob jemand aus Dresden oder aus Damaskus kommt!“

Auch dieser Appell kommt gut an bei der grünen Feiergemeinde. Die lässt sich grob in zwei Gruppen einteilen. Die eine Hälfte feiert das unerwartet gute Ergebnis – und frotzelt über das schlechte Abschneiden der CSU. Die andere Hälfte feiert das unerwartet gute Ergebnis, denkt über den Abend hinaus – und landet auch wieder bei der ungeliebten Konkurrenz.

„Wir werden miteinander reden müssen“, sagt Parlamentarier Janecek über schwarz-gelb-grüne Gedankenspiele. Ob ein ohnehin gewagtes Bündnis mit Union und FDP wahrscheinlicher wird, wenn CSU-Chef Horst Seehofer nun die rechte Flanke schließen will? „Eigentlich nicht“, sagt Janecek nachdenklich. „Dass ich jetzt als Grüner die CSU an ihre staatsbürgerliche Verantwortung erinnern muss, ist auch eine paradoxe Situation.“

Zur gleichen Zeit sagt Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann im ZDF: „Ob die Gespräche zum Erfolg führen werden, kann niemand sagen.“ Aber irgendjemand müsse das Land ja regieren.

Dennoch: Der Stimmung bei Bayerns Grünen schadet das Koalitions-Dilemma an diesem Abend nicht. Bleibt aus dem Club der Gutgelaunten die frühere Fraktionschefin. Margarete Bauses Wechsel nach Berlin schien im Vorfeld angesichts von Listenplatz neun fraglich. Nun aber kann sie bald die Koffer packen.

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