Grundsicherung nach 38 Jahren

Jedem zweiten Beschäftigten blüht Armutsrente

Berlin/Saarbrücken - Die gesetzliche Rente allein reicht oft nicht zum Leben. Viele haben aber Einkommen aus anderen Quellen - Altersarmut ist nach Angaben der Rentenversicherung deshalb kein Massenphänomen.

Jeder zweite Beschäftigte kann nach einem Zeitungsbericht im Alter nur mit einer gesetzlichen Rente auf Grundsicherungsniveau rechnen. Das geht aus einer aktuellen Datenübersicht der Bundesregierung und des Statistischen Bundesamtes hervor, wie die „Saarbrücker Zeitung“ (Samstag) berichtet.

Demnach sei ein monatliches Bruttogehalt von 2330 Euro nötig, um im Laufe eines durchschnittlich langen Arbeitslebens von derzeit 38 Jahren eine Rente in Höhe der staatlichen Altersgrundsicherung zu erzielen. Nach der aktuellen Verdiensterhebung des Statistikamtes von 2014 verdienten in den gut 37 Millionen erfassten Beschäftigungsverhältnissen aber 19,5 Millionen Beschäftigte weniger als 2330 Euro. Damit bekämen 52 Prozent im Alter eine Rente unter dem durchschnittlichen Alters-Grundsicherungsbedarf von 795 Euro.

Das sagt die Rentenversicherung

Die Deutsche Rentenversicherung Bund warnt allerdings vor voreiligen Schlüssen: Die vorgelegten Zahlen gäben keine Auskunft über die tatsächliche Einkommenslage von Rentnerhaushalten, wie Pressesprecher Dirk von der Heide am Samstag erklärte. Vielmehr verfügten diese in vielen Fällen über Einkünfte aus weiteren Quellen, beispielsweise Betriebsrenten, Kapitaleinkünfte oder Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung.

Ein Gesamtbild der Einkommenslage vermittele der aktuelle Alterssicherungsbericht der Bundesregierung aus 2016, so von der Heide. Demnach liege das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Ehepaars ab 65 Jahren bei rund 2500 Euro. Von den heutigen Rentnern bezögen drei Prozent zusätzlich Grundsicherung im Alter, weil Rente und weitere Einkommen zusammen unter dem Grundsicherungsniveau liegt.

Caritas-Chef warnt vor Sozialpopulismus bei der Rente

Der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbands, Georg Cremer, hat die Debatte über eine Stabilisierung des durchschnittlichen Rentenniveaus kritisiert. Die von Gewerkschaften und Sozialverbänden erhobene Forderung nach einem höheren Rentenniveau helfe gerade nicht den bedürftigen Rentnern, da bei ihnen eine höhere Rente mit der Grundsicherung verrechnet würde, sagte er der „Welt„ (Online/Print: Samstag). „Wir reden über die Bekämpfung der Altersarmut und sprechen dabei von Maßnahmen, die die Armen gar nicht erreichen.“

Das Rentenniveau gibt das Verhältnis der Rente zum Durchschnittslohn an. Befürchtet wird, dass es ohne Reform von derzeit 48 Prozent bis 2045 auf 41,7 Prozent sinkt. Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will eine Haltelinie bei 46 Prozent erreichen. Dem DGB und vor allem der Linkspartei reicht das nicht.

Cremer, der im Caritas-Vorstand für Sozialpolitik verantwortlich ist, warnte davor, die sozialen Verhältnisse schlecht zu reden. „Das oft beschworene Bild von der wegbrechenden Mitte entspricht nicht den Fakten“, sagte der Ökonom. Die Schere zwischen Arm und Reich sei seit zehn Jahren nicht weiter auseinandergegangen.

„Die Verunsicherung der Mitte ist ein Nährboden für populistische Parteien“, mahnte Cremer. „Untergangsrhetorik oder gar Sozialpopulismus“ verfestigten den Eindruck, die Politik kümmere sich nicht um die Probleme der Bürger. Tatsächlich sei Deutschland aber ein stabiles, relativ gut regiertes Land.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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