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Serie zur Landtagswahl 2013: Gesundheitspolitik

Jeder dritte Hausarzt findet keinen Nachfolger

München - Die Zahl der Mediziner steigt und steigt. Dennoch warnen Ärzte-Vertreter vor Engpässen. Die medizinische Versorgung auf dem Land bestimmt seit Jahren die Gesundheitspolitik in Bayern wie kaum ein Thema.

Markus Söder hatte im Herbst 2008 sein neues Büro im Gesundheitsministerium gerade erst bezogen, da brach schon der Zorn der Ärzte über ihn herein. Die Mediziner klagten über massive Einbußen durch die Honorarreform. Die Rede war von Kürzungen von bis zu 30 Prozent. Über Nacht vertiefte sich der CSU-Minister in die Absurditäten der Honorarverteilung, paukte Begriffe wie Regelleistungsvolumen und Punktwert. Die Schuldigen der Honorar-Misere waren rasch gefunden: die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und der umstrittene Gesundheitsfonds.

Mehr als 10 000 Hausärzte in Bayern

Inzwischen steht mit Daniel Bahr zwar ein Liberaler an der Spitze des Gesundheitsministeriums in Berlin. Den umstrittenen Gesundheitsfonds – hier fließen die Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zusammen – gibt es aber immer noch. Auch das Vergütungssystem der Ärzte ist so intransparent wie eh und je. Statt um die Höhe der Honorare geht es derzeit im Freistaat aber vor allem um eine Frage: Wie lässt sich die medizinische Versorgung auf dem Land auch in Zukunft sichern?

Ärzte-Vertreter warnen seit Jahren vor einer Unterversorgung. „Wer heute seine Praxis aufgibt, findet immer schwieriger einen Nachfolger“, sagt Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). So schlossen 2011 bayernweit 340 Hausärzte ihre Praxen. Jeder Dritte konnte trotz intensiver Suche keinen Nachfolger finden. Zum Vergleich: 2010 blieben nur 74 Hausarztpraxen ohne Nachfolger. 2009 waren es 50. Und noch eine Zahl nennt Krombholz als Beleg für den drohenden Ärzte-Mangel: „2010 war jeder vierte Hausarzt in Bayern über 60 Jahre alt.“ Heute sei es bereits jeder Dritte.

„Auch wenn Bayern stets als überversorgt gilt – der Ärzte-Mangel auf dem Land ist längst Realität“, betont Krombholz. Betroffen seien keinesfalls nur Randgebiete in Oberfranken oder in Niederbayern. Auch in Moosburg an der Isar liege der Versorgungsgrad bei Hausärzten bereits unter 100 Prozent.

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Als unterversorgt gilt ein Bezirk hinsichtlich der hausärztlichen Versorgung bei einer Quote unter 75 Prozent. Bei Fachärzten liegt die Quote bei 50 Prozent. Dabei wird für jeden Planungsbezirk unter anderem anhand der Einwohnerzahl festgelegt, wie viele Ärzte nötig sind. Allerdings können die Mediziner selbst entscheiden, wo sie sich innerhalb des Bezirks niederlassen. Das führt dazu, dass sich die meisten in den Städten konzentrieren. Dies hat zur Folge, dass der Bezirk zwar offiziell als ausreichend versorgt gilt, es im ländlichen Raum allerdings durchaus einen Mangel gibt.

Knapp 24 800 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten sind derzeit in Bayern registriert. Davon arbeiten rund 10 100 als Hausärzte, der Rest sind Fachärzte und Psychotherapeuten. Im Vergleich zu 2011 sind die Ärztezahlen damit um gut drei Prozent gestiegen. Der Anteil der Hausärzte kletterte allerdings nur um 0,2 Prozent. Zuwächse gab es vor allem bei den Psychotherapeuten.

Wie aber passt das zusammen: Mehr Mediziner und wachsender Ärzte-Mangel? Nicht alle registrierten Mediziner würden auch in der Versorgung arbeiten, bemüht sich Krombholz, den Widerspruch aufzulösen. Auch der Anteil der Teilzeit sei gestiegen. Hinzu kommt: Gerade bei den Fachärzten hat die Spezialisierung weiter zugenommen.

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Um mehr Ärzte aufs Land zu locken, will Krombholz an verschiedenen Stellschrauben ansetzen. „Wir brauchen eine nachhaltige Finanzierung, damit die Ärzte Planungssicherheit bekommen“, bekräftigt der KVB-Chef. Zugleich müsste die Allgemeinmedizin an den Universitäten weiter gestärkt werden. Bisher gibt es in Bayern gerade mal zwei Lehrstühle – einen in Erlangen und einen in München. Schließlich brauche es neue Kooperationsmodelle. So sei es kaum möglich, dass ein Hausarzt einen Kollegen anstelle, kritisiert Krombholz.

Auch die Staatsregierung hat das Problem erkannt. Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) – er folgte im Herbst 2011 Markus Söder, der ins Finanzministerium wechselte – beschloss ein Maßnahmenpaket. Um die finanziellen Hürden bei einer Praxisgründung zu senken, gibt es für Gebiete mit wenig jungen Ärzten bis zu 60 000 Euro Startprämie. Wer sich während seines Studiums entscheidet, später für eine längere Zeit im ländlichen Raum zu arbeiten, bekommt bis zu 300 Euro Stipendium im Monat. Krombholz begrüßt zwar die Hilfen, warnt allerdings auch: „Junge Mediziner dürfen nicht dauerhaft abhängig von Subventionen werden.“

Die Krankenkassen in Bayern halten die Warnungen vor einem Ärzte-Mangel für übertrieben. Erst Anfang August verschickte der Verband der Ersatzkassen eine Pressemitteilung mit dem Titel „Bayern – ein Ärzteland“. Inhalt: In keinem Bundesland gebe es so viele Ärzte wie in Bayern. Und nirgendwo in Deutschland würden ärztliche Leistungen besser honoriert.

Kassen: Bayern hat die höchste Ärztedichte

Der Verband beruft sich dabei auf Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. „Diese Zahlen belegen eindeutig, dass Bayern über einen Grad an ärztlicher Versorgungsdichte verfügt, der bundesweit seinesgleichen sucht. Und entgegen allen anderslautenden Gerüchten kennt die Entwicklung nur eine Richtung, nämlich aufwärts“, sagt Ralf Langejürgen, Leiter des Verbandes der Ersatzkassen in Bayern.

Statt ständig mehr Geld zu fordern, sollten die Ärzte-Vertreter zunächst die Überversorgung in einigen Regionen abbauen, fordern die Krankenkassen. So hat Starnberg die wohl höchste Ärztedichte in ganz Deutschland. „Wir haben ein Verteilungsproblem. Das lässt sich aber nicht allein mit höheren Honoraren lösen“, betonte jüngst der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas. Er plädiert dafür, auch Pflegekräfte stärker für die Versorgung auf dem Land einzubinden. Die Ärzte lehnen dies bisher ab. Die Debatte um Ärzte-Mangel auf dem Land geht also auch nach der Landtagswahl weiter.

Steffen Habit

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