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2014 lag der Schwellenwert der Armutsgefährdung für eine alleinlebende Person bei 987 Euro im Monat und damit etwas höher als im Berichtsjahr 2013 (979 Euro im Monat). Foto: Martin Gerten/Archiv

Jeder Fünfte von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht

Im reichen Deutschland geht es bei weitem nicht allen gut. Manche Menschen haben Mühe, Miete oder Rechnungen zu bezahlen und können nicht in Urlaub fahren. Sozialverbände fordern politische Konsequenzen.

Wiesbaden (dpa) - Rund 16,5 Millionen Menschen in Deutschland sind einer Statistik zufolge von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Von 2013 bis 2014 sei ihre Zahl rechnerisch um 300 000 gestiegen, berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag.

Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Betroffenen an der Gesamtbevölkerung bei 20,3 Prozent - und damit unter dem EU-weiten Durchschnitt von 24,4 Prozent. Der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Sozialverband VdK beklagten die nach ihrer Ansicht alarmierenden Entwicklung und forderten Konsequenzen in der Steuerpolitik.

Die Daten stammen aus der Erhebung "Leben in Europa" (EU-SILC). Danach gelten Menschen als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn ihr Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze liegt, ihr Haushalt von erheblicher Entbehrung betroffen ist oder sie in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung leben.

Wichtigstes Kriterium ist die Armutsgefährdung. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung hat - das heißt, je höher das Durchschnittseinkommen ist, desto eher gelten Menschen als armutsgefährdet. In Deutschland lag der Schwellenwert laut EU-SILC 2014 für eine alleinlebende Person bei 987 Euro im Monat und damit 8 Euro höher als im Jahr zuvor.

Nach der EU-SILC-Statistik war im vergangenen Jahr hierzulande jeder sechste Bürger (16,7 Prozent) von Armut bedroht, insgesamt 13,3 Millionen Menschen. Der Anteil hat sich nach Angaben der Statistiker gegenüber 2013 um 0,6 Prozentpunkte erhöht. Zu anderen Ergebnissen kommt der Mikrozensus: Nach dieser national erhobenen Statistik betrug die Gefährdungsquote im vergangenen Jahr 15,4 Prozent und war etwas niedriger als 2013 (15,5 Prozent). Beim Mikrozensus lag die Einkommensgrenze für Alleinstehende bei 917 Euro monatlich. Für die Differenz seien methodische Unterschiede verantwortlich, erläuterte ein Destatis-Sprecher.

Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband sieht einen Verteilungsskandal im reichen Deutschland: "Die aktuellen Zahlen belegen einmal mehr die Notwendigkeit einer verteilungs- und damit steuerpolitischen Kurskorrektur", sagte Schneider laut Mitteilung. Nötig seien wirksame politische Maßnahmen und eine neue solidarische Steuerpolitik, um diese zu finanzieren. Der Sozialverband VdK verlangte ein Gesamtkonzept: "Armutsvermeidung ist eine Querschnittsaufgabe, derer sich Steuerpolitik, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, Gesundheitspolitik und Bildungspolitik gleichermaßen annehmen müssen", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher laut Mitteilung.

In die SILC-Armutsstatistik fließt auch das Kriterium "erhebliche materielle Entbehrung" ein. Davon sind fünf Prozent der Menschen in Deutschland nach ihrer eigenen Einschätzung betroffen. Sie gaben in einem Fragebogen unter anderem an, Probleme mit der Bezahlung von Miete oder Rechnungen zu haben oder sich keinen einwöchigen Urlaub im Jahr leisten zu können. In Deutschland seien dafür rund 26 500 zufällig ausgewählte Personen befragt worden, sagte ein Statistiker.

Destatis-Mitteilung

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