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Jemens Staatschef Abd Rabbo Mansur Hadi.

TV-Ansprache

Jemens Präsident zeigt sich kampfbereit

Sanaa - Im Jemen droht nach Selbstmordattentaten der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) auf Moscheen das Abgleiten in einen blutigen Bürgerkrieg.

Staatschef Abd Rabbo Mansur Hadi zeigte sich am Samstag in seiner ersten Fernsehansprache seit seiner Flucht aus der Hauptstadt Sanaa kampfbereit: Die Jemeniten - "ganz gleich ob Sunniten oder Schiiten" - würden die Unterstützung des Irans für die schiitischen Huthi-Rebellen "nicht hinnehmen", sagte er.

Bei den schlimmsten Attentaten, die Sanaa bislang erlebte, waren am Freitag mindestens 142 Menschen getötet und 351 weitere verletzt worden. In den beiden betroffenen Moscheen, die von Anhängern der schiitischen Huthi-Miliz besucht werden, hatten sich während des Gebets vier Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Erstmals bekannte sich der sunnitische IS zu Anschlägen im Jemen. Diese seien "nur die Spitze des Eisbergs", hieß es in dem Bekennerschreiben. Die Huthi wurden von den Dschihadisten als "Ungläubige" bezeichnet.

Die Anschläge wurden international scharf verurteilt - auch vom Iran, der verdächtigt wird, die Huthi-Milizen im Konflikt mit Hadi unterstützt zu haben.

Hadi schrieb nach den Anschlägen in einem Brief an die Hinterbliebenen der Opfer, solche "terroristischen, kriminellen und feigen" Anschläge würden nur von "Feinden des Lebens" verübt. Schiitischer Extremismus wie von der Huthi-Miliz und sunnitischer Extremismus wie von Al-Kaida seien "zwei Seiten einer Medaille". Beide seien nicht "am Wohl und an der Stabilität des Jemens und seines Volkes" interessiert.

Die Extremisten von Al-Kaida, die sowohl Hadi als auch die Huthi bekämpfen, erklärten jedoch, sie verübten keine Anschläge auf Moscheen. Die in Sanaa herrschende schiitische Huthi-Miliz erklärte, die Attentate der sunnitischen IS-Dschihadisten seien Teil eines "Kriegs gegen das jemenitische Volk".

Im Jemen herrschen seit Jahren politisches Chaos und Gewalt. Bislang war die Terrororganisation Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) die aktivste Dschihadistenorganisation in dem Land. Die Huthi-Miliz war seit Sommer vergangenen Jahres auf Sanaa vorgerückt, im Januar übernahm sie mit der Einnahme des Präsidentenpalastes die Kontrolle über die Hauptstadt. Auch das Parlament wurde für aufgelöst erklärt. Hadi gelang Ende Februar die Flucht nach Aden.

Angesichts der eskalierenden Gewalt zogen die USA Soldaten von dem Luftwaffenstützpunkt Al-Anad in der Provinz Lahdsch zurück. Das Militärpersonal habe aus Sicherheitsgründen schon am späten Freitagabend das Land "mit unbekanntem Ziel" verlassen, hieß es aus Kreisen der jemenitischen Armee. Am Freitag waren in Lahdsch bei Kämpfen zwischen jemenitischen Sicherheitskräften und bewaffneten Kämpfern des Terrornetzwerks Al-Kaida und anderer Rebellengruppen mindestens 29 Menschen getötet worden.

Die jemenitische Regierung hatte kürzlich eingeräumt, dass die US-Armee von Al-Anad aus Informationen über Ziele für Drohnenangriffe gegen Al-Kaida sammelte. Der Jemen gehörte in der Region bislang zu den engsten Verbündeten der USA, wegen der anhaltenden Unruhen im Land hatte Washington seine Botschaft in Sanaa aber schon vor Wochen geschlossen.

AFP

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