Brand an der Wiesn breitet sich aus - Spezialisten vor Ort

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Eine neue Waffenruhe gibt den Menschen im Jemen Hoffnung und ein bisschen Alltag.

Waffenruhe

Jemens vierter „erster Schritt“ zum Frieden

Sanaa - Im bettelarmen Jemen werden mehr als 6600 Menschen vertrieben. Täglich. Bomben treffen auch Schulen und Krankenhäuser. Eine neue Waffenruhe macht zwar Hoffnung, aber noch lange keinen Frieden.

„Jetzt ist es an der Zeit, vom Abgrund zurückzutreten“, sagt Ismail Ould Cheikh Ahmed. Das Bild, dass der UN-Vermittler für den Jemen in seiner Stellungnahme benutzt, ist eigentlich nicht drastisch genug. Die Konfliktparteien in einem der ärmsten arabischen Länder haben sich und den Jemen schon längst gegenseitig in den Abgrund gebombt. Alleine im vergangenen Jahr starben 9000 Menschen in dem Bürgerkriegsland - mehr als ein Drittel davon Zivilisten. Die humanitäre Situation ist katastrophal, vier von fünf Menschen sind auf Nothilfe angewiesen.

Die am Montag gestartete und zunächst größtenteils geachtete Feuerpause ist ein Hoffnungsschimmer. Der UN-Vermittler redet wieder von einem Schritt, nämlich dem ersten in Richtung Frieden. Allerdings ist es eigentlich der vierte Anlauf für ein Ende des Blutvergießens. Die vierte Feuerpause. Auch Friedensgespräche, wie sie in einer Woche beginnen sollen, scheiterten schon zuvor. Die brutale Gewalt im Jemen ging immer weiter.

Von den ebenfalls dramatischen Entwicklungen in Syrien und Libyen oft an den Rand gedrängt, wird der Konflikt im Jemen auch „der vergessene Krieg“ genannt. Die schiitischen Huthi-Rebellen überrannten 2014 vom Norden her einen Großteil des bitterarmen Landes. Die Truppen des schwachen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi waren kein Hindernis. Der Sunnit floh zu seinem Verbündeten nach Saudi-Arabien.

Die Ölmonarchie wiederum schmiedete ein Militärbündnis und begann vor einem Jahr, Stellungen der Huthis zu bombardieren. Das Ziel, die Aufständischen entscheidend zu schwächen, ist bis heute nicht erreicht. Dafür trafen die Bombardements Tausende unschuldige Zivilisten. Manchmal auf Hochzeiten, manchmal auf Märkten.

Eine Koalition internationaler Hilfsorganisationen rechnete jüngst vor, dass die eskalierende Gewalt 6610 Menschen aus ihren Häusern vertreibe. Täglich. Eine Schule oder eine Gesundheitseinrichtung werde im Schnitt alle drei Tage angegriffen. Im Jemen seien schon jetzt über 82 Prozent der Bevölkerung - mehr als 21 Millionen Menschen - auf Nothilfe angewiesen.

Vorgespräche zwischen den Konfliktparteien im Oman

Nun also wieder ein neuer Anlauf. Die Grundlage legten offenbar Vorgespräche zwischen den Konfliktparteien im Oman vergangenen November. Ob es aber wirklich wie geplant zu den Friedensgesprächen kommt, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen. Die Kämpfe, die auch Stunden nach Inkrafttreten der Feuerpause vor allem noch im Zentrum des Landes wüteten, müssen enden, um Vertrauen für die am 18. April angesetzten Gespräche in Kuwait aufbauen zu können.

Doch die Vorzeichen scheinen nicht allzu gut. Präsident Hadi entließ kürzlich seinen bisherigen Stellvertreter Khaled Baha und setzte den Hardliner Ali Mohsen al-Ahmr ein. „Er ist niemand, der im Jemen als Mann gesehen wird, mit dem man Frieden schaffen kann“, sagt Jemen-Fachmann Adam Baron vom Europäischen Rat für Auswärtige Beziehungen (ECFR) der Deutschen Presse-Agentur.

Die Neubesetzung des Postens scheint Baron zufolge darauf hinzudeuten, dass Hadi und seine Verbündeten den Krieg nicht beenden wollen, wenn sie dafür Zugeständnisse an die Aufständischen machen müssten.

Während die UN mahnen, nun müssten Kompromisse her, um das Leid zu beenden, scheinen die Positionen unvereinbar. Hadis Regierung fordert im Einklang mit einer UN-Resolution, die Aufständischen müssten ihre Waffen abgeben und sich aus den von ihnen besetzten Städten zurückziehen. Für die Rebellen wäre das allerdings die Aufgabe ihrer Machtposition. Eine Art freiwillige Niederlage ohne Gegenleistung. Das wäre auch wieder ein Schritt. Nämlich ein unwahrscheinlicher.

dpa

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