Der jüngste Bundesminister

Jens Spahn: Ehemann, Lebenslauf und Karriere - Der Minister im Porträt

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Gesundheitsminister Jens Spahn bewirbt sich um den CDU-Vorsitz. Wir zeigen, was man über seinen Lebenslauf und seinen Ehemann Daniel Funke wissen sollte.

  • Jens Spahn ist Bundesgesundheitsminister, CDU-Politiker und bekennend homosexuell.
  • Schon 2018 stellte er sich für den CDU-Parteivorsitz zur Wahl.
  • Spahn gilt als ein Vertreter klar konservativer Positionen in der Union.

Berlin - Jens Spahn ist ein polarisierender Politiker. Er ist ein Freund der „klaren Sprache“ und eckt gerade deswegen häufig an. Der konservative CDU-Mann steht sichtlich gerne in der Öffentlichkeit, in TV-Talk-Shows ist er regelmäßig zu Gast. Als Gesundheitsminister konnte er bereits einen großenErfolg verbuchen: Im Dezember 2019 billigte der Bundesrat den von ihm auf den Weg gebrachten Gesetzentwurf für eine Masern-Impfpflicht. Ein anderer Vorstoß, die Neuordnung der Organspende scheiterte hingegen im Bundestag.

Nachdem Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rücktritt als Parteivorsitzende angekündigt hatte, wurde Jens Spahn einmal mehr ein möglicher Nachfolger für den CDU-Vorsitz. AKK stolperte im Februar 2020 über die Wahl eines neuen Thüringer Ministerpräsidenten mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD. Schnell war klar, dass die Vorsitzende politisch schwer beschädigt worden war. Neben Jens Spahn brachten sich auch Friedrich Merz*, Armin Laschet* und Norbert Röttgen* für das Amt ins Gespräch.

Wer ist nun also der Mann, der schon als Schüler Bundeskanzler werden wollte?

Lebenslauf von Jens Spahn neben der Politik

Spahn wurde 1980 in Ahaus geboren und wuchs in Ottenstein in Nordrhein-Westfalen mit zwei jüngeren Geschwistern auf. Nach seinem Abitur absolvierte er eine duale Ausbildung zum Bankkaufmann. Obwohl er bereits im Bundestag saß, studierte er zwischen 2003 und 2017 Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen und erwarb sowohl den Bachelor- als auch den Master-Titel.

Jens Spahn und Ehemann Daniel Funke: Kinder zu adoptieren ist denkbar

Schon früh erkannte er seine Homosexualität, offenbarte sich aber erst mit 21, als ihm ein Parteifreund mit einem öffentlichen Outing drohte. Er selbst sagt: „Meine Homosexualität hat mir nie geschadet".

Seit 2017 ist er verheiratet mit Daniel Funke, einem Journalisten und dem Leiter des Hauptstadtbüros der Zeitschrift "Bunte". Jens Spahn und Daniel Funke können sich vorstellen, in Zukunft einmal Kinder zu adoptieren. Im Moment fehlt dafür aber die Zeit. Wenn er mal nicht arbeitet, macht der Gesundheitsminister gerne Sport. Spahn geht, sofern er die Zeit findet, ins Fitnessstudio oder macht Fahrradtouren mit seinem Partner.

CDU-Politiker Jens Spahn und sein Lebenspartner Daniel Funke.

Spahn legte eine große CDU-Karriere hin

1995 trat Jens Spahn in die Junge Union und 1997 in die CDU ein. 2002 zog er erstmals als Direktkandidat für seinen Wahlkreis „Steinfurt I - Borken I“ in den Bundestag ein. Seitdem wurde er bei jeder Wahl wiedergewählt. Seit November 2005 war er stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Von 2009 bis 2015 hatte Spahn den Vorsitz der Arbeitsgruppe Gesundheit inne und war gleichzeitig gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion. Bis Juli 2015 war er ordentliches Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und bis 2018 stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss. In den Jahren von 2015 bis 2018 war Spahn Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen. Seit 2014 ist er Teil des CDU-Präsidiums.

Im März 2018 wurde Jens Spahn Bundesminister für Gesundheit und jüngster Minister dieser Regierung.

Einen großen politischen Erfolg konnte Spahn als Gesundheitsminister im Jahr 2019 verbuchen: Im Dezember segnete der Bundesrat seinen Gesetzentwurf für eine Masern-Impflicht ab. Ab März 2020 müssen Kinder in Kindertagesstätten, Schulen und der Kindertagespflege gegen die hochansteckende Virusinfektion geimpft sein. Die Impfpflicht gilt zudem für Bewohner und Mitarbeiter von Asylbewerber- und Flüchtlingsunterkünften. Laut dem Gesetz müssen Kinder bei der Impfung mindestens ein Jahr alt sein. Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, drohen hohe Bußgelder: bis zu 2500 kann eine Verweigerung kosten.

Im Folgenden erfahren Sie, wie seine Karriere und sein Privatleben bislang verlaufen sind.

Politische Positionen von Jens Spahn: Cannabis, Abtreibung, Kirche

Der Katholik gilt als konservativ. Er ist ein klarer Gegner von Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Spahn ist für die Einschränkung der doppelten Staatsbürgerschaft und für die Einführung eines Islamgesetzes. Der Spiegel-Redakteur Florian Gathmann nannte Spahn deswegen „Populist“.

Auch einer Legalisierung von Cannabis hat Jens Spahn - abgesehen von medizinischen Anwendungsgebieten - eine Absage erteilt. In einem Gastbeitrag für die Huffington Post fasste er seine Position im Jahr 2015 zusammen. Damals meint Jens Spahn: „Wer die Folgen von regelmäßigem Cannabis-Konsum relativiert, ist auf einem gefährlichen Holzweg.“

Der Gesundheitsminister ist auch ein Abtreibungsgegner. In einem Interview mit der „Bild“ bezog er Stellung gegen die Abtreibungsbefürworter: „Mich wundern die Maßstäbe: Wenn es um das Leben von Tieren geht, da sind einige, die jetzt für Abtreibungen werben wollen, kompromisslos. Aber in dieser Debatte wird manchmal gar nicht mehr berücksichtigt, dass es um ungeborenes menschliches Leben geht.“ Für diese Aussage wurde er von Frauenrechtlern und einigen Medien kritisiert.

Finanz- und Europapolitisch war er gegen einen Schuldenschnitt für Griechenland und sprach sich zudem für einen vorsichtigen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank aus. Er fordert eine verstärkte Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten in den Bereichen der Verteidigung, Migration, Sicherheit, Digitalisierung und spricht sich gegen eine Vergemeinschaftung von Schulden in der Eurozone aus.

Trotz seines Glaubens kritisiert Jens Spahn die Kirchen dafür, dass sie zu oft zu gesellschaftspolitischen Fragen Stellung beziehen würden. Auch die Einstellung der Kirchen zur Homosexualität kritisiert er häufig. Er stimmte für die „Ehe für Alle“.

CDU-Parteitag 2018: Spahn tritt gegen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz an

Im Dezember 2018 war Jens Spahn der dritte Kandidat im Rennen um den CDU-Vorsitz. Im ersten Wahlgang erreichte er auf dem CDU-Parteitag 15,7 Prozent der Stimmen - ein Achtungserfolg, aber nicht genug für den Sprung an die Parteispitze. In seiner Bewerbungsrede zur Wahl des Parteichefs hatte Spahn zu einem Neuaufbruch aufgerufen. Die CDU brauche kein "Weiter so" und "kein Zurück in die Vergangenheit", sagte Spahn auf dem Bundesparteitag in Hamburg zu den Delegierten. "Was wir brauchen, ist eine Idee für die Zukunft, einen Perspektivwechsel". Ihn treibe die Frage um, wie Deutschland im Jahr 2040 aussehe werde. Er könne seiner Partei nicht versprechen, ein "bequemer Parteivorsitzender" zu sein. Aber die CDU könne sich auf ihn verlassen. 

Als erster der Kandidaten veröffentlichte Spahn ein Wahlkampf-Video. Sein Motto: Ein Neustart für die CDU und Deutschland. Der Gesundheitsminister fuhr damit einen deutlichen Anti-Merkel Kurs vor dem entscheidenden CDU-Parteitag 2018 in Hamburg - alles Wichtige dazu in unserm News-Ticker zum CDU-Parteitag. Der ZDF unterlief übrigens ein Fehler, bei dem sie Friedrich Merz bereits als Gewinner der Wahl ausriefen. 

Erster Griff nach dem CDU-Parteivorsitz scheiterte

Vor allem im Konservativen Lager bestand für Jens Spahn die Chance, für den CDU-Parteivorsitz Stimmen sammeln. Mit der Aussicht auf einen Neustart und der Ablehnung von Merkels Flüchtlingspolitik konnte er auf große Zustimmung hoffen. Sein Problem dabei war, das Ex-Fraktionschef Friedrich Merz genau dieselbe Wahlkampf-Schiene fuhr. Nur dass Merz bei den älteren Parteimitglieder höhere Sympathiewerte hatte. In den frühen Umfragen des Instituts Emnid im Auftrag der „Bild am Sonntag“ lagen Merz und die liberale Kandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer damals deutlich in Führung.

Nur neun Prozent Parteimitglieder hätten Jens Spahn damals zum CDU-Vorsitzenden gewählt. Der Westfale hatte nur Außenseiterchancen auf das Amt des Parteivorsitzenden, da er sowohl im liberalen als auch im konservativen Flügel Stimmen an seine Kontrahenten verlor.

md

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Rubriklistenbild: © dpa / Bernd von Jutrczenka

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