Er erklärt nun sein Verhalten

Corona-Tests: Spahn platzt bei Taskforce-Treffen der Kragen! Teilnehmer sind vom Auftreten „überrascht“

  • Anna-Katharina Ahnefeld
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Dem Bundesgesundheitsminister hat es bei einem ersten Taskforce-Treffen zu Corona-Tests offenbar gereicht. Er reagiert genervt. Jens Spahn erklärte später sein Verhalten.

Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist in der Corona-Krise unter Druck geraten. Eine langsam vorangehende Impf-Kampagne, Schwierigkeiten beim Maskenkauf und jetzt noch die Debatte um die Corona-Tests. Bereits während der Beratungen des vergangenen Corona-Gipfels wurde Kritik an dem CDU-Politiker laut - so sehr, dass Kanzlerin Merkel sich vor ihren Minister stellte. Und es wurde beschlossen: „Bund und Länder bilden eine gemeinsame Taskforce Testlogistik, um die größtmögliche Verfügbarkeit und zügige Lieferung von Schnelltests einschließlich Selbsttests für die Bedarfe der öffentlichen Hand sicherzustellen“, wie im Beschluss des Bund-Länder-Treffens am Mittwoch zu lesen ist. Unter der Leitung des Bundesgesundheitsministers und des Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer. Das sorgte im Netz direkt für Spott.

Am Donnerstag fand das erste Treffen dieser neuen Taskforce statt. Spahn und Scheuer kamen dabei virtuell mit Vertreter:innen der größten deutschen Supermarkt- und Drogerieketten (Aldi, Rewe, Edeka, dm, Rossmann, u.a.) zusammen, wie die Bild berichtete. Dabei sei es um die Frage gegangen, wie Schulen, Kitas und Behörden schnellstmöglich mit Corona-Tests versorgt werden könnten. Das Brisante: Es kam demnach zu einem Gefühlsausbruch bei Jens Spahn.

Corona in Deutschland: Jens Spahn wird während Corona-Taskforce-Treffen offenbar sauer

Die Konzern-Chefs hätten ins Spiel gebracht, zur flächendeckenden Test-Versorgung ihre Logistikzentren bereit zu stellen und die Verteilung zu übernehmen. Der Bund müsse die Tests zentral beschaffen. Doch dann reagierte Spahn offenbar genervt auf die Diskussion: „Ich verstehe ehrlicherweise überhaupt nicht, warum ich mich als Bundesgesundheitsminister mit der Frage beschäftigen muss“, zitiert die Zeitung aus dem ihr vorliegenden Gesprächs-Protokoll der Runde. „Ich weiß nicht, warum wir denen immer die Dinge regeln sollen, weil die Länder es irgendwie nicht hinkriegen.“ Die Beschaffung der Tests sei Sache der Bundesländer.

Auch die Körpersprache des Bundesgesundheitsminister war offenbar genervt. So schreibt die Bild, Spahn habe während der Videokonferenz in sein Smartphone getippt und die Hände „ausladend“ über seinem Kopf gefaltet. Teilnehmende hätten später berichtet, man sei über das Auftreten des Ministers „überrascht“ gewesen.

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Auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) verweist am Samstag, 6. März, auf die Bundesländer: „Es war nie verabredet, dass der Bund für die Länder Schnelltests bestellt. Das ist die Aufgabe der Länder selbst“, sagte Braun laut Deutscher Presse-Agentur den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Der Bund bezahlt, aber er schafft nicht die Infrastruktur - und er schafft die Tests auch nicht an. Man kann sie am Markt jetzt kaufen“, sagte er. Und Jens Spahn betonte zuletzt, dass genügend Schnelltests vorhanden seien. Das Gesundheitsministerium teilte am Donnerstag, 4. März, mit, dass 150 Millionen Corona-Schnelltests nach Angaben der Hersteller bereit stünden, wie die dpa angibt. Die Länder und Kommunen müssten diese nur abrufen. Dazu kämen Tests aus dem EU-Kontingent.

Nach dem Taskforce-Treffen und seinem Auftritt gab Jens Spahn der Bild eine Stellungnahme: „Mir ist in einer internen Runde der Kragen geplatzt“, zitiert die Zeitung den Gesundheitsminister. „Einige Länder drücken sich vor ihrer Verantwortung, Corona-Tests für Schulen und Kitas zu besorgen. Das ist ureigene Aufgabe der Länder. Doch statt diese wahrzunehmen, zeigen sie auf den Bund.“(aka)

Der Gesundheitsminister ist laut einer Umfrage nicht mehr unter den Top 3. Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht liegt vor ihm, genauso wie vor CDU-Parteikollege Armin Laschet.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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