Bundesgesundheitsminister: Jens Spahn von der CDU.
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Bundesgesundheitsminister: Jens Spahn von der CDU.

Bei Impfstoffbeschaffung zu lange gezögert?

Gesundheitsminister Jens Spahn stellt „harte Wochen der Knappheit“ in Aussicht

  • vonJosef Forster
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Nach einem schleppenden Start der bundesweiten Impfkampagne wird Kritik laut. Dauert die EU-Strategie, die von der Regierung gestützt wird, zu lange?

  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn räumt ein, dass die EU mit der Bestellung der Impfdosen früher hätte beginnen sollen.
  • Lieferschwierigkeiten einzelner Impfstoffhersteller und Probleme bei der Impf-Terminvergabe begleiten die Diskussion.
  • Die Bevölkerung erwarte „harte Wochen der Knappheit“ beim Impfstoff gegen das Coronavirus.

Berlin - „Impfgipfel“ - Die Bezeichnung des Treffens zwischen Regierung, Ländern,EU-Kommission, Pharmabranche und Expertengremium weckte hohe Erwartungen. Die Ergebnisse der Beratungen am vergangenen Montag klingen dafür etwas ernüchternd: „Ich glaube, wir haben heute da auch ein Stück Realismus reinbringen können. Weil Wunder werden da jetzt nicht passieren“, resümierte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend. Beobachter:innen fragen sich nun, weshalb sich die Impfstoffbeschaffung so schwierig gestaltet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn räumt im Gespräch mit Bild ein, dass ein frühzeitigeres und beherztes Handeln der EU die Impfstoffversorgung verbessert hätte.

Spahn sprach nach dem Gipfel am Montag von „harten Wochen der Knappheit“, ehe der Impfstoff für alle Bürger:innen Ende des Sommers bereitsteht. Ein „nationaler Impfplan“ soll künftig dabei helfen, die Impfstoff-Mengen vorab besser abschätzen zu können.

Jens Spahn: Impfdosen hätten früher bestellt werden sollen

Im Interview mit Bild bekräftigt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den europäischen Weg bei der der Impfstoffbeschaffung. Trotzdem findet der CDU-Politiker kritische Worte zum Vorgehen der EU: „Hätte man früher bestellen sollen? Im Nachhinein: Ja“, so der Minister.

Auch für die Dauer, die eine reguläre Zulassung benötigt, standen die Entscheidungsträger:innnen in den letzten Tagen in der Kritik. Während eine Notfallzulassung drei bis vier Wochen Zeit spart, beschloss die EU die aussichtsreichsten Vakzine im regulären Verfahren zu prüfen. „Wir haben uns bewusst entschieden, statt eine Notzulassung eine ordentliche Zulassung abzuwarten, so Spahn im Interview. Er begründet diesen Schritt mit steigendem Vertrauen der Bevölkerung in einen länger geprüften Impfstoff. Trotzdem hagelt es Kritik für die Corona-Politik der Bundesregierung. Probleme bei der Vergabe von Impfterminen und Lieferengpässe einzelner Impfstoffhersteller begleiten die Diskussion.

Die Frage, ob der Minister eigene Fehler gemacht habe, verneint Jens Spahn. „Habe ich wider besseres Wissen etwas falsch oder nicht entschieden? Die Antwort ist: nein“, so der Minister gegenüber Bild. Besonders an der Impfstoffbeschaffung der EU scheiden sich die Geister.

Impfungen: Herstellung des Vakzins gegen das Coronavirus „nicht trivial“

Während die Opposition mit den Ergebnissen des Impfgipfels enttäuscht ist, weist Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission, auf die Schwierigkeiten bei der Herstellung des Impfstoffs hin. Die Technik für die Produktion gebe es nur an wenigen Stellen, sodass die Herstellung des Vakzins gegen das Coronavirus „nicht trivial“ sei.

Biontech-Chef Ugur Sahin schlug im Gespräch mit der ARD in die gleiche Kerbe: „Wir sind selbst davon abhängig, dass die Zulieferer uns Materialien liefern“. Trotz der Erklärungsversuche der Forscher:innen hagelt es Kritik von der Opposition und aus den Ländern. Manuela Schwesig, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin, greift das Vorgehen der EU scharf an: „Die EU-Kommissare konnten für mich nicht überzeugend darstellen, warum nicht mehr bestellt wurde, wie es in anderen Ländern der Fall ist.“

Ähnlich wie Bundeskanzlerin Angela Merkel spielt Jens Spahn die Bedeutung des „Impfgipfels“ herunter. Gegenüber Bild räumt der Gesundheitsminister ein: „Wir müssen beim Blick auf den Gipfel realistisch bleiben. Wir können durch einen Gipfel alleine noch nicht mehr Impfstoff produzieren.“ (jjf/dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

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