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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist auch weiterhin heftiger Kritik aus der Bevölkerung ausgesetzt. 

Viel beachteter offener Brief

„Ignorant und diffamierend“: So greift eine Krankenschwester Jens Spahn an

„Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Amt, in das Sie, wie auch immer, berufen wurden“: Der Brief einer wütenden Krankenschwester an Gesundheitsminister Jens Spahn sorgt für Aufsehen. 

Berlin - Seit Wochen toben nun schon Kontroversen um Jens Spahn (CDU): Mit seinen Äußerungen über Hartz IV, Armut und Abtreibungen hat sich der CDU-Konservative nicht nur Freunde gemacht. Erst am Montag war eine Frau beim ARD-Talk „Hart aber fair“ zu Gast, die sich demnächst mit Spahn treffen wird, um mit ihm über Hartz IV zu diskutieren. Sie hatte den Bundesgesundheitsminister zuvor dazu aufgefordert, einen Monat lang von Hartz-IV-Bezügen zu leben. 

Jetzt meldet sich zudem die Fachkrankenschwester Jana Langer via Facebook mit Kritik am Gesundheitsminister Spahn zu Wort: Seit Sonntag wurde ihr wütender offener Brief an den neuen Ressortchef mehr als 30.000 mal auf der Social-Media-Plattform geteilt. Sie macht in dem Schreiben ihrem Ärger darüber Luft, dass das Amt des Bundesgesundheitsministers von jemandem „ohne irgendeine Ahnung und Qualifikation unsere Arbeit betreffend“ besetzt worden sei - dennoch bleibe ihr und ihren Kollegen nichts anderes übrig, als diese Personalie zu akzeptieren. 

Monetäre Aufwertung und bessere Bedingungen „dringend von Nöten“

Auch die Krankenschwester ist über Spahns Hartz-IV-Äußerungen empört. „Es ist uns ein dringendes Anliegen, Ihnen zu verdeutlichen, dass für eine menschliche Daseinsfürsorge mehr nötig ist, als Ihre ignoranten und diffamierenden Worte der letzten Wochen gegenüber den Menschen, die unsere sozialen Absicherungen dringend benötigen“, schreibt sie. 

Zudem seien eine monetäre Aufwertung sowie generell bessere Bedingungen notwendig, um ihren Beruf anständig ausüben zu können und neue Berufsanfänger zu gewinnen. Erbost fügt sie hinzu, die missliche Lage liege nicht darin begründet, dass sie ihren Beruf schlecht rede, wie der CDU-Politiker „Hr. Rüddel neulich vom Stapel ließ“.

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Es sei dem „Erbringen von unbezahlten und freiwilligen Arbeitsstunden“ zu verdanken, dass das „menschenunwürdige System überhaupt solange möglich“ gewesen sei. Schließlich fragt Langer Spahn, ob er bereit wäre, sein Privatleben zu opfern, um jeden Tag das ganze Jahr über für die Schwächsten der Gesellschaft da zu sein. Sie bezweifle das, vor allem wegen Spahns Äußerungen der vorangegangenen Wochen. 

Deutschland „weit abgehängt“

Dann wird die Fachkrankenschwester grundsätzlich: „Warum ist es nötig, mit Krankheit horrendes Geld zu verdienen? Warum werden die Privatisierungen immer mehr vorangetrieben? Nutznießer in diesem System sind Aktionäre und Einrichtungsleiter, weder Patienten noch Heimbewohner profitieren von dieser Politik. Deutschland ist, obwohl wir medizinisch gesehen ganz vorne sind, in der Versorgung der Kranken und alten Menschen weit abgehängt von den restlichen Staaten um ums herum“, behauptet Langer. 

Diese Politik sei daran schuld, dass ihre Arbeit zu einer „nutzlosen Hetzerei“ verkomme. Der Brief schließt mit dem Appell an den Bundesgesundheitsminister, die aktuelle Politik zu überdenken und zu einer besseren umzukehren. Das müsse er tun, um die „herablassenden Worte der letzten Wochen wieder gut zu machen“. Unterzeichnet ist das Pamphlet mit der Signatur „Jana Langer, Fachkrankenschwester und Mensch“. 

Kontroverse setzt sich fort

Auch wenn der Bundesgesundheitsminister sich bislang nicht zu dem Facebook-Beitrag geäußert hat, setzt sich die Kontroverse um seine polarisierenden Äußerungen damit fort. Da der Beitrag von einer Fachkrankenschwester stammt, weitet sich die Debatte zudem von Hartz IV auf das Dauerthema Pflegenotstand aus. Ein Problem, das schon Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wahlkampf zu schaffen gemacht hatte. 

Im September 2017 wurde Merkel in der „ARD-Wahlarena“ vom auszubildenden Krankenpfleger Alexander Jorde scharf angegriffen. Er warf der Kanzlerin vor, in den zwölf Jahren ihrer Amtszeit sei zu wenig für die Pflege getan worden. Seit seinem Auftritt, der bundesweit für Aufsehen sorgte, ist Jorde ein prominenter Teilnehmer der andauernden öffentlichen Diskussion über Pflegebedingungen und Pflegenotstand - auch er steht Spahn übrigens kritisch gegenüber. 

Lesen Sie auch: Patientenschützer verlangen Maßnahmen gegen Pflegenotstand

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