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Gewaltsame Proteste: Vor der US-Botschaft in Brüssel werden „Stars and Stripes“ verbrannt.

Muslimische Welt außer sich

Jerusalem-Entscheidung: Tote und mindestens 760 Verletzte bei gewaltsamen Protesten

Donald Trumps umstrittene Verkündung sorgt in muslimischen Ländern für großen Unmut. Tausende Menschen sind auf der Straße, mittlerweile gibt es zahlreiche Verletzte und einen Toten.

Bei gewaltsamen Protesten gegen die Israel-Politik der USA ist am Freitag mindestens ein Palästinenser im Gazastreifen getötet worden, weitere 35 wurden verletzt. Zehntausende Menschen protestierten in mehreren muslimisch geprägten Staaten, etwa in der Türkei, Afghanistan und dem Iran gegen die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt. Derweil sagte US-Außenminister Rex Tillerson, die Verlegung der Botschaft nach Jerusalem werde "wahrscheinlich" nicht vor 2019 erfolgen.

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums zwei Palästinenser getötet. Ein weiterer schwebte demnach nach einem Kopfschuss in Lebensgefahr. Die israelische Armee bestätigte, dass zwei Menschen an der Grenze durch Schüsse getroffen wurden. Dabei habe es sich um die "Hauptanstifter" gewalttätiger Unruhen gehandelt.

Nach Armeeangaben demonstrierten rund 4500 Palästinenser gewaltsam an sechs Orten entlang der Grenze des Gazastreifens. Die Truppen hätten auf "dutzende" Menschen geschossen, Angaben zu Verletzten wurden nicht gemacht.

28 "Randalierer" festgenommen

Die Armee sprach zudem von 28 festgenommenen "Randalierern" und 65 Verletzten im israelisch besetzten Westjordanland. Die meisten von ihnen wurden von Gummigeschossen getroffen. In der Jerusalemer Altstadt drängten etwa 50 Polizisten rund 200 Demonstranten zurück. Zusammenstöße gab es auch in Hebron, Bethlehem und rund um Nablus.

Apokalyptische Bilder: Die muslimische Welt wütet gegen Trumps Jerusalem-Entscheidung

Aus dem Westjordanland wurden 22, aus dem Gazastreifen 14 Verletzte bei Protesten gemeldet. Insgesamt wurden mindestens 760 Menschen verletzt. Rund 261 davon erlitten Schusswunden, die Mehrheit durch Gummimantelgeschosse, wie der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond mitteilte. In der Altstadt Jerusalems drängten etwa 50 Polizisten rund 200 Demonstranten zurück. Zusammenstöße gab es auch in Hebron, Bethlehem und rund um Nablus.

Proteste: Viele tausend Muslime versammeln sich in Teheran und Kabul

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin protestierten rund 1200 Menschen gegen Trumps Jerusalem-Entscheidung. Die Kundgebung in der Nähe der US-Botschaft, bei der zahlreiche Palästinenser-Flaggen geschwenkt wurden, sei ohne größere Störungen verlaufen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Zwei israelische Flaggen seien bei dem Protest verbrannt worden. Die Polizei sei in der Spitze mit 450 Beamten vor Ort gewesen. Am Mittwoch hatte Trump angekündigt, dass die USA ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen wollten.

Kundgebungen gegen Trumps Anordnung mit insgesamt zehntausenden Teilnehmern gab es unter anderem auch in der Türkei, dem Iran, Afghanistan, Ägypten und Malaysia. In Istanbul zogen tausende Türken durch das konservative Viertel Fatih und hielten Plakate mit der Aufschrift "Jerusalem ist unsere Ehre" und "Nieder mit Amerika, nieder mit Israel" hoch.

Flaggen der USA und Israels werden verbrannt

Auch im Iran gingen mehrere tausend Menschen aus Protest gegen Trump auf die Straße. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder der Proteste in der Hauptstadt Teheran und weiteren Städten nach dem Freitagsgebet. "Tod den USA", "Tod Israel" skandierten die Demonstranten, einige verbrannten die Flaggen der USA und Israels.

In Griechenland protestierten rund 1000 im Land lebende Palästinenser. Vor dem griechischen Parlament zündeten sie eine israelische Flagge an. „Stoppt die Zionisten“ und „Jerusalem gehört uns“, skandierten sie, wie Rundfunkreporter berichteten. Anschließend zogen die Demonstranten durch das Stadtzentrum. „Der Protest verlief friedlich“, sagte ein Polizeioffizier der dpa.

Tillerson suchte den Konflikt zu entschärfen, in dem er zur geplanten Verlegung der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem sagte: "Das ist nichts, was dieses Jahr geschieht, und wahrscheinlich auch nicht nächstes Jahr". Allerdings wolle Trump, "dass wir auf sehr konkrete und entschlossene Art vorankommen".

Donald Trump hat sich den Zorn von zahlreichen Muslimen zugezogen.

Palästinenserpräsident Abbas will Treffen mit US-Vizepräsident Pence annullieren

Die Palästinenserverwaltung gab Hinweise heraus, nach denen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ein für Dezember geplantes Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence annullieren will. Pence sei "in Palästina nicht willkommen", sagte das ranghohe Fatah-Mitglied Dschibril Radschub der Nachrichtenagentur AFP in Ramallah. Eine offizielle Bestätigung seitens des Palästinenserpräsidenten blieb zunächst aus. Ein US-Regierungssprecher sagte, Pence habe "weiter die Absicht, Herrn Abbas wie geplant zu treffen".

Der Groß-Imam der angesehenen Al-Ashar-Moschee in Kairo hat ein geplantes Treffen mit Trumps Stellvertreter bereits gestrichen. In einer Erklärung der Moschee hieß es am Freitag, Ahmed al-Tajeb lehne Pences "formelle Anfrage" für ein Treffen mit ihm am 20. Dezember "kategorisch" ab.

Eine entsprechende Anfrage der US-Botschaft vor einer Woche habe der Groß-Imam zunächst positiv beschieden. Aber nach der "ungerechten und unfairen" Entscheidung der USA, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, lehne er ein Treffen mit Pence "nachdrücklich und entschieden" ab. Tajeb lehrt an der Kairoer Al-Ashar-Universität, die Sunniten in aller Welt als oberste Instanz für religiöse und rechtliche Fragen gilt.

Trump attackiert seine Amtsvorgänger via Twitter

Derweil kreidete Trump seinen Amtsvorgängern in der Frage der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels mangelnden "Mut" an - und zugleich auf von ihnen ausgesprochene, dann aber nicht eingehaltene Versprechen hingewiesen. Er selbst habe sein Wahlkampfversprechen eingehalten, indem er Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angeordnet habe, schrieb Trump am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Seine Vorgänger Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama hätten keine derartig Konsequenz bewiesen, betonte Trump. "Ich habe meine Wahlkampfversprechen eingehalten - andere nicht!". Die Kurzbotschaft war mit Video-Aufnahmen verlinkt, auf denen Äußerungen Clintons, Bushs und Obamas zum Thema Jerusalem dokumentiert werden.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, verteidigte die umstrittene Jerusalem-Entscheidung. „Unsere Handlungen sollen das Ziel des Friedens voranbringen“, sagte Haley am Freitag in New York im UN-Sicherheitsrat. Das Gremium war zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen, die von mehreren Mitgliedern beantragt worden war, nachdem Trump am Mittwoch angekündigt hatte, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. „Ich verstehe die Sorgen der Mitglieder, die die Sitzung beantragt haben, aber wir sollten nie in Frage stellen, was die Wahrheit erreichen kann“, sagte US-Botschafterin Haley.

Kommentar: Der Brandstifter aus den Vereinigten Staaten

UN-Sicherheitsrat will auf Krisensitzung über Entwicklung debattieren

Der UN-Sicherheitsrat wollte am Freitag zu einer Krisen-Sitzung zusammenkommen, bei der über die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten debattiert werden sollte. UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte Trumps Plan zur Verlegung der US-Botschaft kritisiert.

Der russische Präsident Wladimir Putin will am Montag in Ankara mit seinem mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan sowohl über Syrien als auch über die Entwicklungen im Nahen Osten sprechen.

Der endgültige Status Jerusalem ist einer der größten Streitpunkte im Nahost-Konflikt. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und 1980 annektierten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt ihres angestrebten eigenen Staates.

AFP, dpa

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