SPD will mit Union über Regierungsbildung sondieren

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Jerzey Montag, Ex-Abgeordneter und NSU-Sonderermittler

Das Porträt: Jerzey Montag

Bericht im Fall "Corelli" steht vor dem Abschluss

München - Der Ex-Grünen-Abgeordnete ist Sonderermittler im Fall "Corelli" - und mit seiner Arbeit auf der Zielgeraden. Ende des Monats will der Jurist den Bericht fertig haben.

Jerzey Montag hatte sich von den Kollegen im Bundestag eigentlich schon verabschiedet. Im Oktober kam dann aber noch ein Auftrag aus Berlin – und der hat es in sich. Montag wurde Sonderermittler im Fall „Corelli“ – eine dubiose Geschichte rund um die NSU-Terrorzelle und um die Frage, wie weit die Schlamperei des Verfassungsschutzes ging. Der Ex-Grünen-Abgeordnete ist mit seiner Arbeit auf der Zielgeraden. Ende des Monats will der Jurist den Bericht fertig haben. Im Mai soll er ihn dem für Geheimdienste zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags vorlegen.

Derzeit brütet Montag an seinem Schreibtisch in Berlin noch über Unterlagen. Ein „Fulltimejob“ sei der Untersuchungsauftrag, sagt er. Eigentlich lebt Montag aber mit seiner Frau in München. Von 1998 bis 2002 war er Landeschef der bayerischen Grünen. 2013 kam er wegen seines schlechten Listenplatzes nicht mehr in den Bundestag. Mit seinem Bericht will er sich aber noch einmal richtig für das Parlament ins Zeug legen. „Das wird keine billige Broschüre“, kündigt er an. Dafür sprechen auch die Fakten, die bisher über den Fall bekannt sind.

„Corelli“ galt als einer der führenden Neonazis in Ostdeutschland

„Corelli“ ist der Deckname des ehemaligen V-Mannes Thomas R. aus Halle. Er galt als einer der führenden Neonazis in Ostdeutschland. Gleichzeitig lieferte er aber dem Verfassungsschutz Informationen. Im vergangenen Jahr kam heraus: R. hatte den Behörden schon Mitte des vergangenen Jahrzehnts CDs übergeben, auf denen sich die Bezeichnung „NSU/NSDAP“ befand. Also zu einem Zeitpunkt, zu dem noch gar nicht bekannt war, dass es den NSU überhaupt gibt. Die Bedeutung der Datenträger bemerkten die Beamten aber offenbar erst, als der NSU längst aufgeflogen war.

„Corelli“ stirbt 2014 kurz nach Auftauchen der CDs

Der V-Mann wurde 2012 enttarnt und in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Merkwürdigerweise starb „Corelli“ dann 2014 kurz nach Auftauchen der CDs im Alter von 39 Jahren an einer nicht erkannten Diabetes – und hinterließ etliche ungeklärte Fragen.

An deren Aufklärung hat Montag nun monatelang mit einem kleinen Team gearbeitet. Über seine Ergebnisse dürfe er nicht sprechen, sagt der 68-Jährige. Klar ist nur, dass er quer durch die Republik unterwegs gewesen sein muss. „Corelli“ war bestens vernetzt, soll sogar den NSU-Terroristen Uwe Mundlos persönlich getroffen haben.

Für Montag als Ermittler hatten sich die ehemaligen Kollegen aus guten Gründen entschieden. In seiner Zeit im Bundestag hatte der Rechtsanwalt sich als Innen- und Rechtspolitiker einen Namen gemacht. Dass er der Sohn eines Juden ist, verleiht ihm in der Position zusätzlich Glaubwürdigkeit. Ob sein Bericht veröffentlicht wird, entscheiden die Abgeordneten. Danach dürfte auch Montag redseliger sein.

Til Huber

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