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Jiangsu-Provinz: Geografie, Geschichte und Wirtschaft

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Hochwasser in China
Flusslauf des Jangtsekiangs in Nanjing bei Hochwasser im Jahr 2020 © TPG / dpa

Die chinesische Provinz Jiangsu fungiert als wichtige Verbindung zwischen den florierenden Küstenregionen des Landes und Zentralchina

Provinz Jiangsu Geografische Lage in China

Jia – Die Provinz Jiangsu liegt im Osten Chinas und ist vor allem in ihrem Süden durch das Jangtsekiang-Flussdelta geprägt. Traditionell wurde die Provinz im Volksmund auch „Land von Reis und Fisch“ genannt. Das flache Gelände voller Reisfder ist von vielen Kanälen und Seen durchzogen, in denen bis heute Süßwasserfisch gefangen und gezüchtet wird. In der Provinz liegen zwei der größten Binnenseen der Volksrepublik China: Der Tai-See mit einer Wasserfläche von über 2.250 Quadratkilometern sowie der Hongze-See mit 1.960 Quadratkilometern. Der Kaiserkanal, der bereits im 7. Jahrhundert angelegt wurde, war über viele Jahrhunderte hinweg ein bedeutender Wasserweg aus Jiangsu in den Norden Chinas. Er verbindet den Jangtsekiang mit dem Gelben Fluss (Huang He) miteinander.

Hauptstadt der Provinz ist die Stadt Nanjing mit knapp neun Millionen Bewohnern. Ihr Name bedeutet „Südliche Hauptstadt“: Nanjing war in der chinesischen Geschichte immer wieder auch Hauptstadt des Reiches - etwa in der ersten Hälfte der Ming-Dynastie sowie unter der ersten Republik Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals war die Stadt mit der Umschrift Nanking bekannt - heute wird zumeist die offizielle chinesische Schreibweise verwendet.

Weit über die Hälfte der Bevölkerung Jiangsus lebt in Städten - unter anderem Suzhou, Nantong sowie Wuxi und Changzhou. In der gesamten Provinz leben derzeit gut 80 Millionen Einwohner - etwa so viele wie in Deutschland. Jiangsu ist eine der entwickelteren Provinzen und ein wichtiger Industriestandort. Auch viele deutsche Unternehmen haben Produktionen in Jiangsu aufgebaut - die Provinz profitiert dabei unter anderem von ihrer Nähe zur Metropole Shanghai.

Die Provinz Jiangsu weist eine Fläche von 102.300 Quadratkilometern auf. Prozentual gesehen beträgt der Flächenanteil von Jiangsu damit nur 1,07 Prozent am gesamten Festland der Volksrepublik China.

Provinz Jiangsu: Bedeutung des Jangtsekiang-Deltas für die Region

Das Jangtsekiang-Flussdelta ist besonders für den Personen- und Warenverkehr von großer Bedeutung für die Region. Schon in der bisherigen chinesischen Geschichte spielte die flache Topografie des Deltas eine wichtige Rolle, insbesondere für den Handel. Eine weitere Rolle spielt die Nähe zur Wirtschaftsmetropole Shanghai. Jiangsu ist einer der bevorzugten Produktionsstandorte deutscher Firmen in China.

Mit 6.380 Kilometern Länge ist der Jangtse-Fluss der längste auf dem asiatischen Kontinent. In China teilt er das Land in Nord und Süd - faktisch und symbolisch. Südlich des Jangtse wurden zum Beispiel wegen des vorgeblich wärmeren Klimas jahrzehntelang keine Heizungen in Wohnhäusern eingebaut. Auch die Provinz Jiangsu teilt der Strom in den wohlhabenderen Süden und den noch etwas strukturschwächeren Norden.

Der Fluss selbst dient zudem für den Transport auf Binnenschiffen und Lastenkähnen. Über 80 Prozent der Güter werden über den Jangtsekiang im Binnenschifffahrtsverkehr transportiert. Die Nähe zu diesem Strom und seiner Mündung ist daher ein großer Standortvorteil für Jiangsu: Viele Industrien siedelten sich genau deshalb dort an.

Jiangsu: Ausbau der Verkehrsinfrastruktur - Schiene und Straße

Eine weitere Rolle spielt die gute Infrastruktur. Vor allem im Delta des Jangtse - und dabei vor allem am Südufer, wo die Produktionszentren liegen - wurden in den letzten Jahren viele Verbindungen zwischen den vielen mittelgroßen Städten der Region geschaffen. Neben Straßen sind dies vor allem ein dichtes Netz an Hochgeschwindigkeitszügen. Von Shanghai aus sind die meisten wichtigen Städte Jiangsus südlich des Jangtse damit heute in weniger als 2 Stunden zu erreichen.

Zuletzt wurde Mitte 2020 eine neue Zugverbindung zwischen der Wirtschaftsmetropole Shanghai und Nantong in der Provinz Jiangsu in Betrieb genommen - und damit auch das Nordufer des Stroms an das dichte Zugnetz der wirtschaftlichen Zentren am Südufer angeschlossen. Durch die neue Strecke konnte die bisherige Reisezeit mit einer Dauer von ehemals 3,5 Stunden auf eine Fahrtzeit von unter einer Stunde reduziert werden. Mit dieser neuen Verbindung sollen vor allem die Küstenregionen nördlich des Jiangtse weiter wirtschaftlich gestärkt werden.

Dazu wurde auch eigens eine Brücke über den Jangtse gebaut - und zwar die dichteste an der Mündung, die den Fluss komplett überquert. Die erste Flussquerung in Jiangsu war die Doppelstockbrücke in Nanjing. Diese wurde von chinesischen Ingenieuren ohne ausländische Hilfe Ende der 60er Jahre fertiggestellt. Sie ist 15 Meter breit und wird bis heute als Eisenbahnbrücke sowie Brücke für den motorisierten Verkehr genutzt. Für den zunehmenden Straßenverkehr innerhalb der Volksrepublik China wurden seither drei weitere Jangtse-Brücken in Nanjing und Umgebung gebaut.

Für den Schienenverkehr spielt die Dashengguan-Brücke eine wichtige Rolle. Diese Brückenkonstruktion wurde im Jahr 2011 in Betrieb genommen und ist eine wichtige Eisenbahnbrücke auf der Schnellfahrtstrecke zwischen der chinesischen Hauptstadt Peking und Shanghai.

Jiangsu: Die Provinzhauptstadt Nanjing

Die Metropole Nanjing, Provinzhauptstadt Jiangsus, liegt am Beginn des Jangtsekiang Flussdeltas. Das Stadtgebiet wird sehr deutlich vom Jangtse geprägt und erstreckt sich auf beide Seiten des Stroms. Dort befindet sich der größte Binnenhafen des Landes. Im Jahre 2010 wurde im Hafen der Stadt das Longtan Containers Port Terminal eröffnet. Bereits mit Eröffnung wurde das neue Containerterminal auf eine Kapazität von über 1 Millionen Container ausgelegt. Somit ist der Hafen in Nanjing auch der größte Containerhafen im Binnenland.

Bis in das Jahr 2000 gab aufgrund der Breite des Jangtsekiangs an dieser Stelle nur eine einzelne Brücke, die als Verbindung zwischen den beiden Stadtgebieten diente. Mittlerweile kamen drei neue Brücken hinzu (siehe oben).

Das Stadtzentrum der ostchinesischen Metropole ist auf der rechten Seite des Flusses angesiedelt. Innerhalb der Stadt gibt es zahlreiche Kultureinrichtungen sowie Museen und Bibliotheken.

Vor allem das Nanjing-Museum zählt zu den bekanntesten innerhalb ganz Chinas. Dort finden sich Ausstellungsstücke von klassischen Bronzen, Ton und Jadewaren. Auch Tuschmalerei und Seidenkunst wird dort gezeigt.

Auch die Ming-Gräber für die Kaiser der letzten von Nanjing aus regierenden Kaiserdynastie am Rande der Stadt sind eine historisch bedeutende Stätte - vor allem die beeindruckende Stelenallee mit großen steinernen Figuren zieht Touristen aus dem In- und Ausland an.

Weitere Sehenswürdigkeiten innerhalb der Provinzhauptstadt:

Jiangsu als Wirtschaftsstandort

Die Provinz Jiangsu zählt innerhalb Chinas zur wohlhabendsten Region des Landes. Dennoch gibt es innerhalb der Provinz einen Unterschied. Der Süden Jiangsus zählt hier als bedeutender Wirtschaftsstandort zu den reichsten Regionen Chinas, der Norden hingegen ist deutlich strukturschwächer. Innerhalb Jiangsus dominieren vor allem Schwerindustrie, Chemie, Bergbau sowie Hightech-Industrien. Vor allem im Jangtse-Delta sowie rund um die Provinzhauptstadt Nanjing kam es in der Vergangenheit zu einem starken wirtschaftlichen Aufschwung - auch durch Investitionen aus dem europäischen Ausland, darunter Deutschland. Viele deutsche Firmen einschließlich Mittelständer haben in dem Gebiet zwischen Shanghai und Nanjing Fabriken aufgebaut - darunter viele Autozulieferer.

Aufgrund der verstärkten wirtschaftlichen Beziehungen gibt es seit 2008 Direktflüge der Lufthansa von Deutschland (Frankfurt am Main) nach Nanjing.

Jiangsu: Klimaschutz in der Region

In der Klimapolitik Chinas soll die Provinz Jiangsu aufgrund ihres vergleichsweise hohen Entwicklungsstandes eine Vorreiterrolle innerhalb des Landes einnehmen. Ziel der Provinz Jiangsu ist es, die CO2-Emissionen bereits deutlich früher zu reduzieren als andere Provinzen in China. Um dieses ehrgeizige Ziel zu realisieren, hat die Provinz vor allem in innovative und nachhaltige Wissensentwicklungen bei der Planung von neuen Industrieparks investiert. So sollen Schritt für Schritt auch andere Provinzen im Lande das Wirtschaften von fossilen Energieträgern hin zu regenerativen Energien vorantreiben. Um diese ambitionierten Ziele erreichen zu können, wird die Jiangsu unter anderem von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) aus Deutschland unterstützt.

Auch gibt es viele Forschungstätigkeiten zum Thema, die unter anderem vom chinesischen Ministerium für Ökologie und Umwelt, sowie dem Zentrum für Wissenschaft und Technologieentwicklung der Provinz und verschiedenen Beratungsunternehmen unterstützt werden. Auch Universitäten der Provinz Jiangsu sind in das Projekt involviert. Ziel ist es, Jiangsu bei der Klimafreundlichkeit auch durch neue Technologien eine Vorreiterrolle zukommen zu lassen.

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