Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter beantwortet Fragen von den Kursteilnehmern während seines alljährlichen Town Hall Meetings mit Studienanfängern der Emory University
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Seit dem 22. März 2019 ist Jimmy Carter der ehemalige Amtsinhaber mit dem höchsten Lebensalter

Friedensnobelpreisträger und 39. Präsident

Jimmy Carter: Leben und Karriere des US-Präsidenten

Schon früh interessierte sich der spätere US-Präsident Jimmy Carter für politische Zusammenhänge.

  • Nach einer Amtszeit als Gouverneur von Georgia trat Jimmy Carter als Außenseiter bei der Präsidentschaftswahl an.
  • Der 39. US-Präsident richtete seinen Fokus auf die Verbreitung der Menschenrechte und die Bewältigung der amerikanischen Energiekrise.
  • Mit seinem Carter Center setzt er sich für Menschenrechte ein. 2002 bekam er für sein Bemühen den Friedensnobelpreis.

Geboren am 01. Oktober 1924 in Plains in Georgia strebte Jimmy Carter schnell eine politische Laufbahn an. Der demokratische Politiker gewann schließlich die Wahl zum Gouverneur von Georgia. Nur kurz nach seiner Zeit als Gouverneur bekleidete er das höchste Amt der Vereinigten Staaten von Amerika. Als 39. US-Präsident engagierte er sich innen- und außenpolitisch. Dennoch war nach einer Amtszeit im Weißen Haus Schluss. Jimmy Carter setzte sich jedoch im Anschluss weiterhin für seine Interessen ein. Seine Belohnung war die Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 2002.

Jimmy Carter: Kindheit, Herkunft und Familie

Heute ist Jimmy Carter (*01.10.1924) der älteste, ehemalige US-Präsident, der noch lebt. Seit dem 22. März 2019 ist er zudem der ehemalige Amtsinhaber mit dem höchsten Lebensalter. Doch den Anfang nahm sein Leben 1924 in Plains. Gemeinsam mit seinen drei Geschwistern wuchs er in der Kleinstadt in Georgia auf. Dort besuchte er das Georgia Institute of Technology und entschied sich anschließend für einen Eintritt in die US Naval Academy. Nach seinem Abschluss heiratete er bereits im Alter von 22 Jahren seine geliebte Frau Rosalynn Eleanor Smith (*18.08.1927). Mittlerweile handelt es sich um die längste Ehe, die jemals ein Präsident hatte. Bei der US-Marine durchlief er verschiedene Posten auf zahlreichen Schiffen. 1953 entschied er sich für ein Ende seiner militärischen Laufbahn und kehrte zurück in seine Heimatstadt. Gemeinsam mit seiner Frau bekam er drei Söhne und eine Tochter. Prägend für Jimmy Carter war sein christlicher Glauben. Viele Jahre war er als Diakon in einer Baptistengemeinde tätig, bis er sich 2009 vollständig von der Southern Baptist Convention löste. Der Grund war die fortlaufende Diskriminierung von weiblichen Gemeindemitgliedern.

Die politischen Anfänge von Jimmy Carter und sein Posten als Gouverneur von Georgia

Schon früh interessierte sich der spätere US-Präsident Jimmy Carter für politische Zusammenhänge. Sein erstes politisches Amt hatte er von 1963 bis 1967 inne. Zu dieser Zeit saß er im Senat von Georgia. Dort vertrat er gemäßigte und fortschrittliche Standpunkte. 1966 verlor er bei der innerparteilichen Wahl um die Spitzenkandidatur für die Gouverneurswahl in Georgia. 1970 entschied er sich ein weiteres Mal für die Kandidatur. Dieses Mal war er erfolgreich. Jimmy Carter war der neue Gouverneur von Georgia. Allerdings wählten ihn überwiegend weiße Bewohner von Georgia, die die Rassentrennung unterstützten. Nach seiner Wahl äußerte er sich jedoch dahingehend, dass die Rassentrennung (https://www.geo.de/magazine/geo-epoche/20973-rtkl-usa-den-1960ern-wie-afroamerikaner-unter-der-rassentrennung-litten) ein Relikt aus vergangener Zeit ist. Dies hatte sich noch kein Amtsinhaber in den Südstaaten zuvor getraut.

Jimmy Carter – der 39. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika

Die angestrebte Wiederwahl zum Gouverneur von Georgia war nicht möglich. Die Gesetze regelten klar, dass eine Wiederwahl nicht erlaubt ist. Somit strebte Jimmy Carter höhere Ziele an. Bei den Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl 1976 setzte er sich souverän in der demokratischen Partei durch. Seine Außenseiterrolle war ein großer Vorteil, da die Watergate-Affäre für mehr Skepsis gegenüber Politikern sorgte. Sein zielstrebiges Auftreten vermochte weite Teile der Bevölkerung zu überzeugen. Als erster Kandidat aus dem tiefen Süden seit dem Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten von Amerika gewann er die Präsidentschaftswahl. Mit 50,1 % Stimmen war Jimmy Carter der 39. Präsident der USA. Am 20. Januar 1977 fand die Vereidigung des neuen Präsidenten statt. Außenpolitisch stand Jimmy Carter für eine Neuorientierung der US-amerikanischen Politik. Fortan sollten die Menschenrechte beim außenpolitischen Handeln der USA eine größere Rolle spielen. Seine Erfolge waren unter anderem:

  • Vermittlung zwischen Israel und Ägypten (Friedensvertrag)
  • Abschluss des SALT-II-Vertrag mit der UdSSR
  • Erste diplomatische Beziehungen zu China

Außen- und Innenpolitik von Jimmy Carter

Außenpolitisch gab es allerdings auch Probleme. Im Zuge der Iran-Krise erlaubte Jimmy Carter eine medizinische Behandlung für den iranischen Schah in den USA. Aus Protest nahmen über 400 iranische Studenten Geiseln in der US-Botschaft. Nach dem Scheitern eines Befreiungsversuchs war das Image von Jimmy Carter angekratzt. 444 Tage blieben die US-Amerikaner als Geiseln in der Gewalt der Iraner. Durch den darauffolgenden Sturz des iranischen Schahs verloren die Vereinigten Staaten von Amerika viel Einfluss im Nahen Osten.

Innenpolitisch prägte die Wirtschaftskrise die Arbeit von Jimmy Carter. Eine hohe Inflation und starke Arbeitslosigkeit erschwerten die Situation. In einer Rede kritisierte er den Konsum der Amerikaner und befürwortetet harte Maßnahmen, um die Energiekrise zu lösen. Trotz anfänglicher Zustimmung galt Jimmy Carter als führungsschwach und wenig optimistisch. Seine Gegner legten ihm seine Skepsis negativ aus. Allerdings war Jimmy Carter einer der wenigen US-Präsidenten, in deren Amtszeit keine kriegerische Auseinandersetzung unter Beteiligung der USA fällt.

Deutliche Wahlniederlage 1980

Jimmy Carter trat allen Widrigkeiten zum Trotz 1980 erneut zur Präsidentenwahl an, um eine weitere Amtszeit im Weißen Haus zu bleiben. Allerdings standen ihm weite Teile der Bevölkerung, der eigenen Partei und der Republikaner mehr als kritisch gegenüber. Folglich hagelte es für Jimmy Carter 1980 eine deutliche Niederlage gegen den republikanischen Schauspieler und Politiker Ronald Reagan (*06.02.1911, †2004). Jimmy Carter bekam lediglich 41 % der amerikanischen Wählerstimmen. Dies bedeutete, dass er nur 49 Wahlmännerstimmen holte. Eine Mehrheit für den amtierenden US-Präsidenten gab es lediglich in den folgenden Bundesstaaten:

  • Washington D.C.
  • Georgia
  • Hawaii
  • Minnesota
  • Maryland
  • Rhode Island
  • West Virginia

Die Wahlniederlage war für Jimmy Carter jedoch nicht das Ende seines gesellschaftlichen Engagements. Anschließend beschäftigte er sich mit den Themen Wohltätigkeit, Demokratie, Gerechtigkeit und Menschenrechte. Sein humanitäres Engagement verschaffte ihm internationales Ansehen. Als Wahlbeobachter und Vermittler verschlug es Jimmy Carter immer wieder in Krisenregionen. 2002 erhielt er für diesen Einsatz den Friedensnobelpreis. Unermüdlich setzte er sich weiterhin weltweit für wohltätige Zwecke ein.

Das Carter Center und seine Grundsätze

1982 gründete Jimmy Carter gemeinsam mit seiner Ehefrau das sogenannte Carter Center. Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Organisation, die die Verbreitung der Menschenrechte auf der ganzen Welt vorantreibt. Bis heute setzt sich das Carter Center für die Lebensbedingungen der Menschen in über 65 Ländern auf der ganzen Welt ein. Bei der gemeinnützigen Arbeit kooperiert das Carter Center des ehemaligen US-Präsidenten mit privaten und öffentlichen Organisationen. Darunter fällt die Entsendung von Beobachtern zu kritischen Wahlen. Zudem gehören die folgenden Arbeitsbereiche zum Carter Center:

  • Reduzierung von Krankheiten
  • Verbreitung von Demokratie
  • Etablierung der Menschenrechte

Beim Handeln der NGO stehen verschiedene Grundsätze im Mittelpunkt. Das Carter Center agiert als unabhängige Organisation, die die Fähigkeit der Menschen unterstützt, ihr Leben zu verbessern. Dabei werden schwierige Probleme und große Herausforderungen in Angriff genommen. Der Fokus richtet sich insbesondere auf Regionen, die oftmals nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Zuletzt kritisierte das Carter Center den späten Impf-Start in Afrika (https://twitter.com/CarterCenter/status/1349108523142144002), während in Europa oder Amerika die Covid-19-Impfungen bereits liefen.

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