+
Joachim Gauck hat mit 45 Experten zum Thema "Zusammehalten - gegen Gewalt, für Dialog".

Bundespräsident meldet sich zu Wort

Gauck: Polarisierung ist Gefahr für inneren Frieden

Berlin - Drohen islamistische Gewalt und Fremdenfeindlichkeit die Gesellschaft auseinanderzureißen? Bundespräsident Gauck warnt vor einer Polarisierung.

Bundespräsident Joachim Gauck hat angesichts von islamistischer Gewalt einerseits und Islamfeindlichkeit andererseits zum Zusammenhalt der Gesellschaft aufgerufen. „Die Polarisierung schwächt, was unser Land stabil und berechenbar gemacht und was Vertrauen zwischen den Bürgern geschaffen hat“, sagte Gauck am Mittwoch bei einer Gesprächsrunde gegen Gewalt in seinem Amtssitz, Schloss Bellevue in Berlin. In der Diskussion wurde vor allem an die Verantwortung der Schulen erinnert, Islamfeindlichkeit ebenso wie Antisemitismus den Boden zu entziehen.

Ohne die Pegida-Bewegung beim Namen zu nennen sagte Gauck, für manche Menschen entstehe „durch Vielfalt nicht nur Bereicherung, sondern auch Fremdheit und Verunsicherung“. Einheimische wie Eingewanderte wünschten sich manchmal einfache Lösungen.

Historikerin Yasemin Shooman: "Antimuslimischer Rassismus"

Gauck diskutierte mit rund 45 Experten zum Thema „ZusammenHALTen - gegen Gewalt, für Dialog“. Solange Bürger einander misstrauten, hielten sie Abstand voneinander. „Lassen Sie uns bauen an dem notwendigen, ja unerlässlichen Zusammenhalt, der unsere freie Gesellschaft stark macht und sie befähigt, sich extremistischer Tendenzen zu erwehren“, sagte Gauck.

Die Historikerin Yasemin Shooman sprach von einem „antimuslimischen Rassismus“, für den die Religion nicht allein entscheidend sei. Die Pädagogin Lamya Kaddor machte für die Radikalisierung jugendlicher Islamisten vor allem soziale Ungerechtigkeit, zerrüttete Familien und sprachliche Defizite verantwortlich.

Der arabisch-israelische Autor Ahmad Mansour forderte „neue pädagogische Konzepte“, um in den Schulen etwa ein differenziertes Bild des Nahost-Konflikts zu vermitteln und dem Antisemitismus auch unter Muslimen den Boden zu entziehen. „Die Lehrer sind meistens überfordert“, sagte er. Der Hooligan-Experte Olaf Sundermeyer sprach von „erheblichen Überschneidungen“ zwischen rechtsradikalen Hooligans in Dresden und den Pegida-Demonstranten.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Türkei wählt Parlament und mächtigen Präsidenten
Istanbul (dpa) - Fast eineinhalb Jahre früher als geplant werden in der Türkei der Präsident und ein neues Parlament gewählt. Knapp 60 Millionen Türken sind zur …
Türkei wählt Parlament und mächtigen Präsidenten
Anschlag auf Kundgebung in Äthiopien
Der neue Regierungschef von Äthiopien hat das bislang mit harter Hand regierte Land in nur wenigen Monaten aufgerüttelt. Seine Reformen finden viel Zuspruch. Doch bei …
Anschlag auf Kundgebung in Äthiopien
Eritreer (20) verletzt Notärztin schwer: Herrmann fordert „harte Strafe“
Ein junger Geflüchteter aus Eritrea griff vier Menschen in Ottobrunn an. Einer Notärztin wurden mehrere Zähne ausgeschlagen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann …
Eritreer (20) verletzt Notärztin schwer: Herrmann fordert „harte Strafe“
Angela Merkel streckt die Zunge raus - das steckt dahinter
Angela Merkel streckt die Zunge raus. Verliert die Kanzlerin in Anbetracht der vielen Querelen allmählich etwa doch die Contenance? Oder wie ist diese Geste zu deuten? 
Angela Merkel streckt die Zunge raus - das steckt dahinter

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.