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Joachim Herrmann bleibt als Innenminister in Bayern. 

Düstere Monate

„Er ist die ärmste Sau“: Joachim Herrmann und seine Schrammen

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Joachim Herrmann wurde nicht Bundesminister, nicht Parteivorsitzender, nicht Ministerpräsident. Bayerns Innenminister gibt sich gelassen - hat karrieremäßig aber neun düstere Monate hinter sich.

München – Am Sonntag wird Herr Staatsminister laut offizieller Mitteilung der Ministeriumspressestelle einen Termin wahrnehmen, der wohl gemeinhin unterschätzt wird. Joachim Herrmann besucht den Faschingsumzug der Brucker Gaßhenker in Erlangen. Er werde auf einem der Wagen mitfahren, verkleidet als „Schwarzer Sheriff“. Treffpunkt für interessierte Medienvertreter: am Festplatz.

In einer Woche, in der Regierungen entstehen, Parteichefs fallen, Außenminister stürzen und plötzlich auferstehen, klingt der Terminhinweis für Laien etwas kleinteilig. Die Politbranche darf aber eine klare Botschaft rauslesen: Herrmann ist wieder im Alltag angekommen. Er ist nicht beleidigt, nicht verstört, nicht gekränkt, sondern entschlossen, sich mit Eifer in die großen und kleinen Aufgaben eines Ministers zu stürzen. Sein Terminkalender ist ab sofort wieder prall gefüllt mit Terminen in Bayern, die Aktenkoffer stehen bereit.

Dabei hätte man ihm etwas Urlaub gegönnt. Herrmann, 61, hat karrieremäßig neun düstere Monate hinter sich. Es begann im Mai: Als Bayerns profilierter Innenminister halste er sich die CSU-Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl auf – aus Disziplin, sonst wollte ja keiner. Vielleicht werde er Bundesinnenminister und CSU-Vorsitzender, lockte ihn Horst Seehofer. Nun ja: Der Plan platzte am 24. September. Die CSU stürzte, ohne dass Herrmann viel Schuld trägt, auf ein Rekordtief. Er holte nicht mal ein Bundestagsmandat. Trat aber brav in die Jamaika-Verhandlungen ein, um dann ohne Mandat das Bundesinnenministerium zu besetzen.

Jochim Herrmann hat ein dickes Fell, bis hin zur mitunter völligen Emotionslosigkeit

Die Gespräche scheiterten, die Minister- und Parteichefträume auch. Der Tiefpunkt? Mitnichten. Im November wurde in Bayern das Ministerpräsidentenamt neu versprochen. Parteifreunde, wieder war Seehofer beteiligt, baten Herrmann, doch gegen Markus Söder ins Rennen zu gehen. Er wägte, überlegte, stand bald wegen einer Indiskretion öffentlich als Kandidat fest, ehe er zugesagt hatte. In der Nacht vor der Kampfabstimmung in der Fraktion entschied sich Herrmann, nicht zu kandidieren. Er verzichtete, begrub im gleichen Aufwasch auch vor laufenden Kameras die Ambitionen aufs Innenministerium in Berlin. Die CSU kam zur Ansicht, dieses Amt in einer Großen Koalition eh nicht zu greifen.

Was sich Herrmann wohl dachte, als er am Mittwochmorgen aufwachte und die Nachricht hörte, dass die CSU doch den Bundesinnenminister stellt, einen Superminister sogar – der allerdings heiße nun Seehofer? „Der Joachim ist die ärmste Sau“, sagen sie mitfühlend auf den CSU-Landtagsfluren. Dort wird erinnert, dass Herrmann in den letzten Wochen zwischen München und Berlin an die Grenzen der Erschöpfung und darüber hinaus ging. Im Winter nickte er in einer Sitzung des Parteivorstands sogar ein, reagierte nicht mal mehr, als Seehofer ihn ansprach.

Alles umsonst? Zugute kommt dem Franken etwas, was enge Weggefährten sonst stört: Er hat ein dickes Fell, bis hin zur mitunter völligen Emotionslosigkeit. Andere würden hadern. „Mir geht’s sehr gut“, antwortet er freundlich auf Nachfragen. Irgendwann müsse man Entscheidungen treffen, er habe keine bereut: „Es ist jetzt so.“ Der hochdekorierte Reserve-Offizier beherzigt, was schon schlammrobbende Rekruten lernten: Leben Sie mit der Lage! „Sie wissen“, sagt er, „ich war nie unterwegs mit Ellbogen, um Leute zur Seite zu räumen und etwas zu werden.“ Ein Mandat oder eine Mehrheit nicht zu bekommen, „ist das Wesen der Demokratie“.

Die Basis in Franken nominierte ihn am Donnerstag wieder für den Landtag, 96 Prozent. Über Söder, der bald sein Chef wird, verliert er kein böses Wort. Nur einen Wunsch äußerte er unter vier Augen: Innenminister in Bayern mag er gern bleiben, bitte keine neuen Spekulationen mehr. Von ihm aus gebe es „keinerlei Veränderungswünsche“. Man kann es ihm nicht verübeln.

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