Joe Biden, Präsident der USA, spricht über die Corona-Pandemie während einer Fernsehansprache im East Room des Weißen Hauses.
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Joe Biden, Präsident der USA, spricht über die Corona-Pandemie während einer Fernsehansprache im East Room des Weißen Hauses.

Rede zur besten Sendezeit

Biden macht bedeutende Impfstoff-Ankündigung und stellt Trump bloß: „Leugnen über Monate“

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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US-Präsident Biden macht den Amerikanern in einer emotionalen Rede vorsichtige Hoffnung in der Corona-Pandemie. Er feiert Erfolge beim Impfen und einem Gesetzesvorhaben.

Washington, D.C. - Es war seine erste große Fernsehansprache an die Nation zur besten Sendezeit und natürlich ging es um Corona. Der Kampf gegen das Virus ist die dominierende Aufgabe des US-Präsidenten Joe Biden seit seiner Amtsübernahme am 20. Januar. Zwar baut er, zumindest was das Impfen angeht, teils auf Vorarbeiten des Teams seines Vorgängers Donald Trump auf, doch seit dem Machtwechsel kämpft das Land mit deutlich mehr Nachdruck gegen die Pandemie.

Ein großer Schritt, den Biden* nun am Donnerstagabend (Ortszeit) ankündigte: Er will die Staffelung nach Impfgruppen aufheben und Impfstoffe bis spätestens 1. Mai für alle Erwachsenen in den USA freigeben lassen - unabhängig von Alter oder Vorerkrankungen. Voraussetzung für ein Gelingen des Kampfes ist aber wie überall die Bereitschaft der Menschen, sich impfen zu lassen. Der Appell des Präsidenten fiel entsprechend dringlich aus: Jeder müsse seinen Teil dazu beitragen, das Virus zu stoppen. „Ich brauche euch“, betonte er mehrfach ein Jahr nach Beginn der Pandemie und beugt sich über das Pult in Richtung Kamera.

TV-Rede von Biden: Hoffnung auf Familien-Barbecue zum Nationalfeiertag am 4. Juli

Doch in solch einem Kampf braucht es auch Lichtblicke, das scheint Biden erkannt zu haben. „Wenn wir jetzt zusammenarbeiten“, sagte Biden, dann gebe es eine gute Chance, mit Familie und Freunden in kleinen Gruppen zusammenzukommen, um bei einem Barbecue den Nationalfeiertag am 4. Juli zu feiern. „Nach diesem langen, harten Jahr wird das diesen Unabhängigkeitstag, an dem wir nicht nur unsere Unabhängigkeit als Nation begehen, sondern auch damit beginnen, unsere Unabhängigkeit von diesem Virus zu begehen, zu etwas ganz Besonderem machen.“ Voraussetzung sei aber, dass die Menschen weiterhin Regeln zum Infektionsschutz einhielten, mahnte er. Wissenschaftler hätten deutlich gemacht, dass sich die Lage mit der Ausbreitung neuer Virus-Varianten wieder verschlechtern könne. „Dieser Kampf ist noch lange nicht vorbei!“

Ganz so schnell, wie von vielen erhofft, wird es dann mit dem Impfen aber doch nicht gehen. Biden betonte, die Freigabe der Impfstoffe für alle Amerikaner bedeute nicht, dass am 1. Mai sofort alle Erwachsenen geimpft würden. Er kündigte aber Maßnahmen zur Vereinfachung von Impfungen an. Unter anderem soll bis Mai eine Internetseite online gehen, die Impfmöglichkeiten in der Nähe aufzeigt. Eine gebührenfreie Telefonnummer soll dabei ebenfalls helfen. Die Zahl der Apotheken und Gesundheitszentren, in denen Impfungen verabreicht werden, soll deutlich steigen. Die Zahl der Soldaten zur Unterstützung der Impfkampagne soll um mehr als 4000 auf über 6000 erhöht werden.

Corona in den USA: 100 Millionen Impfdosen schon nach 60 Tagen mit Biden als US-Präsident?

Biden hatte versprochen, dass in den ersten 100 Tagen nach seinem Amtsantritt am 20. Januar 100 Millionen Impfdosen verabreicht würden. Nach der Hälfte dieser Zeit wurde laut Angaben des Weißen Hauses vom Donnerstag bereits die Marke von 81 Millionen Dosen überschritten. Biden kündigte an, sein Ziel werde nach 60 Tagen im Amt erreicht sein - das wäre Ende nächster Woche. Inzwischen gebe es mehr als zwei Millionen Impfungen am Tag, sagte er.

In den USA leben rund 330 Millionen Menschen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC hat inzwischen fast jeder vierte Erwachsene mindestens eine Impfstoff-Dosis verabreicht bekommen. Vollständig geimpft sind knapp 13 Prozent der Erwachsenen und mehr als 30 Prozent derjenigen, die 65 Jahre oder älter sind.

Coronavirus: Biden konnte erstes großes Gesetzesvorhaben verwirklichen

Kurz vor seiner Ansprache setzte Biden mit der Unterschrift unter seinen „amerikanischen Rettungsplan“ ein gigantisches Konjunkturpaket gegen die Corona-Krise in Kraft. Nur 50 Tage nach Amtsantritt konnte der Demokrat damit sein erstes großes Gesetzesvorhaben verwirklichen. Der Umfang des Konjunkturpakets in Höhe von rund 1,9 Billionen US-Dollar (rund 1,6 Billionen Euro) entspricht fast zehn Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung. Es soll die hart von der Corona-Pandemie getroffene Wirtschaft ankurbeln und Millionen neuer Jobs schaffen.

Die ersten Amerikaner sollen bereits an diesem Wochenende einmalige Direktzahlungen in Höhe von 1400 Dollar auf ihrem Konto vorfinden, wie das Weiße Haus* versprach. Für Familien mit Kindern sind außerdem größere Steuererleichterungen und weitere Direktzahlungen geplant. Zudem soll es Finanzierungshilfen für Coronavirus-Tests, die Impfkampagne, Schulöffnungen sowie zusätzliche Unterstützung für Arbeitslose geben.

TV-Ansprache von US-Präsident Biden: Bruch mit Trump - Spitze Bemerkung folgt

Biden setzte in seiner Fernsehansprache erneut auf seine Stärke: Empathie - eine Eigenschaft, die seinem Vorgänger Trump* eher nicht zugeschrieben wurde. Der US-Sender CNN analysiert die Rede etwa als „deutlichen Bruch mit der Schauspielerei, Prahlerei und Lüge seines Vorgängers“. „Wir sind verbunden durch den Verlust und den Schmerz vergangener Tage“, sagte Biden, der den Angehörigen der Pandemie-Opfer sein tiefes Mitgefühl aussprach. Der Demokrat erwähnte Trump nicht namentlich, folgende Worte dürften aber auf den Republikaner gemünzt gewesen sein: „Vor einem Jahr wurden wir von einem Virus heimgesucht, dem mit Schweigen begegnet wurde und das sich unkontrolliert ausbreitete“, sagte Biden. „Leugnen über Tage, Wochen, dann Monate führte zu mehr Todesfällen, mehr Infektionen, mehr Stress und mehr Einsamkeit.“

Exakt ein Jahr vor Biden hatte sich Trump* in einer Ansprache zur Corona-Krise an die Nation gewandt. Er verkündete damals einen Einreisestopp für Ausländer aus Europa, der bis heute in Kraft ist. Trump - der die Gefahr durch das Coronavirus* immer wieder kleinredete - behauptete vor einem Jahr auch: „Keine Nation ist besser vorbereitet und widerstandsfähiger als die Vereinigten Staaten.“ Damals hatte die Statistik der Johns-Hopkins-Universität 1100 Coronavirus-Infektionen und 37 Tote in den USA verzeichnet. Inzwischen sind es fast 30 Millionen bestätigte Infektionen und rund 530 000 Tote. Immerhin: Der Fallzahl-Trend zeigt aktuell eher nach unten.

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage von CNN glauben inzwischen 77 Prozent der Amerikaner, dass die schlimmste Phase der Corona-Krise hinter ihnen liegt. Gute Werte gab es auch für Biden: Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten vertrauen darauf, dass er das Land aus der Krise führt. Biden sagte am Donnerstag: „Es gibt Hoffnung und Licht.“ (cibo mit Material von dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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