Joe Biden, zu diesem Zeitpunkt Vize-Präsident unter Barack Obama, spricht 2011 mit Wladimir Putin in Moskau.
+
Joe Biden, zu diesem Zeitpunkt Vize-Präsident unter Barack Obama, spricht 2011 mit Wladimir Putin in Moskau.

Propaganda-Zeitung unterstellt „Demenz“

Nach Bidens „Killer“-Eklat gegen Putin: Stimmung am Tiefpunkt

  • vonSabine Schmidt
    schließen

Der Ausspruch Bidens über den russischen Staatschef Wladimir Putin während eines Interviews sorgte für Unruhe zwischen den Weltmächten. Moskau reagierte umgehend.

Washington/Moskau - Joe Biden legte sich kürzlich rhetorisch mit Russland an. In einem ABC-Interview am Mittwoch (17. März) antwortete der US-Präsident auf die Frage, ob er den russischen Staatschef für einen „Killer“ halte, mit: „Das tue ich“. Und nannte Wladimir Putin damit indirekt einen Mörder. Erwartungsgemäß sorgte die Äußerung für Unmut im Kreml. Auch international warf die harte Gangart gegenüber Russland Fragen nach der Entwicklung der bilateralen Beziehung der Weltmächte auf. Es war eine erste, deutliche Ansage seitens der Biden-Regierung, wie man künftig mit Moskau verfahren wolle.

„Was die Äußerungen meines amerikanischen Kollegen angeht, so sind wir wirklich, wie er sagte, persönlich miteinander bekannt: Was ich ihm antworten würde? Ich würde ihm sagen: Bleiben Sie gesund!“, äußerte sich daraufhin laut Medienberichten Wladimir Putin. Weiter sagte Putin am Donnerstag im russischen Fernsehen, „Wir sehen in einem anderen Menschen immer unsere eigenen Eigenschaften und denken, dass er so sei wie wir selbst. Das ist nicht nur ein kindischer Ausdruck, ein Scherz. Die Bedeutung ist tief und psychologisch.“ Es ist offenbar eine Anspielung auf besagtes ABC-Interview. Putin präsentiert sich dabei gelassener und kalkulierter als Joe Biden. Der „Killer“-Aussage steht ein „Bleiben Sie gesund“ gegenüber.

Joe Bidens „Killer“-Aussage gegenüber Russlands Staatschef Wladimir Putin

Aggressiver tritt hingegen die dem Kreml nahestehende Propaganda-Zeitung Magyar Nemzet auf: „Es fällt jedenfalls schwer, eine Erklärung dafür zu finden, warum sich ein seit knapp zwei Monaten im Amt befindlicher amerikanischer Präsident zu derart scharfen, die diplomatischen Normen missachtenden (...) Äußerungen hätte hinreißen lassen sollen. (...) Einige erwähnen
eine mögliche Demenz. Andere wiederum meinen, dass Biden eine Marionette des Tiefen Staates sei (...).“

Schon am Mittwoch, wenige Stunden nach dem TV-Interview, hat der Kreml seinen Botschafter aus Washington, Anatoli Antonow, wegen interner Beratungen nach Moskau bestellt. Das russische Außenministerium versuche in den Konsultationen mit dem Botschafter, die Beziehungen der beiden Länder zu analysieren und einen Weg der Zusammenarbeit mit den USA zu finden, hieß es am Mittwochabend aus dem Außenministerium in Moskau. USA-Experte Martin Bialecki von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) sagt im Interview mit der Bild, Joe Biden versuche sich stark von seinem Vorgänger Donald Trump abzugrenzen. Er sehe eine Zusammenarbeit der beiden Weltmächten nur auf rein diplomatischer oder politischer Ebene. Ein „freundschaftlicher Männerbund“ werde es unter den beiden Staatsmännern nicht geben, so Bialecki weiter.

Sanktionen gegen Russland nach US-Wahlen 2020 - Die Weltmächte USA und Russland

Knapp zwei Monate ist der Amtsantritt von Präsident Joe Biden her. Neben der Abkehr von der Politik Trumps, versucht sich der neue US-Präsident in der Weltpolitik zu positionieren. Besonderes Schlaglicht wirft Bidens „Killer“-Aussage auf die geplanten Sanktionen gegen Russland wegen der Eingriffe in die demokratischen Prozesse der USA. Die aufgekommen Vorwürfe zur Beeinflussung der US-Wahlen 2020. Auch europäische Länder haben Sanktionen gegenüber Russland wegen der Vergiftung und Festnahme vom russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ausgesprochen. (Sabine Schmidt)

Auch interessant

Kommentare