Der damalige Vize-Präsident der USA, Joe Biden, spricht 2011 mit Wladimir Putin.
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Der damalige Vize-Präsident der USA, Joe Biden, spricht 2011 mit Wladimir Putin.

US-Wahl 2020: Geheimdienstbericht enthüllt

Eklat in US-Interview: Biden nennt Putin „Killer“ - Russland sieht „Angriff auf unser Land“

  • Astrid Theil
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  • Josef Forster
    Josef Forster
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Ein US-Geheimdienstbericht enthüllt, dass Russland die Wahl Joe Bidens verhindern wollte. Der US-Präsident droht daraufhin Wladimir Putin, die Antwort aus Moskau lässt nicht lange auf sich warten.

  • Ein US-Geheimdienstbericht beschuldigt die russische Regierung, sich in die Präsidentschaftswahlen 2020 eingemischt zu haben (siehe Erstmeldung).
  • US-Präsident Joe Biden nennt Russland Regierungschef Wladmir Putin in einem Interview einen „Killer“ (siehe Update vom 17. März, 13.35 Uhr).
  • Joe Bidens Äußerungen lösen in Russland Kritik aus (siehe Updates ab 17. März, 15.20 Uhr).

Update vom 18. März, 14.00 Uhr: Putin äußerte sich erneut zu der scharfen Kritik des US-Präsidenten Joe Biden. In einer Videoschalte mit Bürgern auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim, die am heutigen Tag (18.03.) den siebten Jahrestag des „Beitritts“ zu Russland „feiern“, wünschte Wladimir Putin den US-Präsidenten „Gesundheit“.

Putin an Biden: „Bleiben Sie gesund!“

„Was die Äußerungen meines amerikanischen Kollegen angeht, so sind wir wirklich, wie er sagte, persönlich miteinander bekannt: Was ich ihm antworten würde? Ich würde ihm sagen: Bleiben Sie gesund!
Ich wünsche ihm Gesundheit“, sagte Putin bei dieser Gelegenheit am Donnerstag.  Er betonte, dass diese Wünsche für Biden „ohne Ironie und ohne Scherz“ seien. Biden hatte zuvor in einem Interview des US-Fernsehsenders ABC die Frage bejaht, ob er Putin als „Killer“ bezeichnen würde. Der Kreml hatte die Äußerungen als „sehr schlimm“ eingestuft.

Update vom 18. März, 13.30 Uhr: Nun hat sich auch Kreml-Chef Wladimir Putin persönlich zu den Vorwürfen des US-Präsidenten Joe Biden geäußert. Man solle nicht von sich auf andere schließen, sagte Putin in Bezug auf das Interview, in dem Biden die Frage, ober er Putin für einen „Killer“ halte, bejaht hatte. „Wir sehen in einem anderen Menschen immer unsere eigenen Eigenschaften und denken, dass er so sei wie wir selbst.“, sagte Putin und machte Biden dementsprechend indirekt den gleichen Vorwurf.

Putin meldet sich zu Wort: Beziehungen zu den USA sollen nicht abgebrochen werden

Dennoch erklärte Putin am Donnerstag (18.03.) in seiner vom Fernsehen übertragenen Erklärung, dass er die Beziehungen zu den USA trotz der Krise nicht abbrechen wolle. „Wir werden unsere Interessen verteidigen und mit ihnen zu Bedingungen zusammenarbeiten, die für uns vorteilhaft sind“, sagte der russische Präsident. Diese Aussage ist angesichts der Tatsache, dass Russland als Reaktion auf Bidens Vorwürfe zum ersten Mal seit über 20 Jahren seinen Botschafter in den USA zurück nach Moskau beorderte, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Die russische Botschaft in Moskau warnte nämlich zuletzt vor einem „Kollaps“ der Beziehungen zu Washington.

Update vom 18. März, 13.00 Uhr: Der Kreml übte nun offiziell scharfe Kritik an den Äußerungen des US-Präsidenten Joe Biden. Kremlsprecher Dimitri Peskow fand gegenüber der Agentur Interfax am Donnerstag (18.03.) eindeutige Worte: „Ich sage nur, dass das sehr schlimme Äußerungen des Präsidenten der USA sind“. Biden hatte zuletzt in einem Interview des US-Fernsehsenders ABC die Frage bejaht, ob er Putin als „Killer“ bezeichnen würde.

Die Worte aus dem Kreml sind eindeutig: „Natürlich hat es so etwas in der Geschichte noch nicht gegeben“, sagte Peskow. Er verwies auf die „sehr schlechten“ russisch-amerikanischen Beziehungen. Biden habe nun gezeigt, dass er kein Interesse daran habe, das Verhältnis zu verbessern. Auch der bekannte Moskauer Außenpolitiker Konstantin Kossatschow bezeichnete Bidens Aussagen als unzulässig. Der Vizechef des russischen Föderationsrats verlangte eine Entschuldigung und drohte darüber hinaus weitere Schritte an, sollte diese nicht erfolgen.

Scharfe Kritik aus dem Kreml: so etwas habe es in der Geschichte noch nicht gegeben

Er betonte, dass der vorläufige Abzug des russischen Botschafters aus Washington bereit ein sehr ernster diplomatischer Schritt sei. Die Ablehnung gegen Joe Biden gilt in Moskau als groß. Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass er Kritik an der Menschenrechtslage in Russland geübt und schärfere US-Sanktionen angedroht hatte.

Update vom 17. März, 22.35 Uhr: Russland hat am Mittwoch seinen Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, zu Beratungen zurück nach Moskau beordert. In Konsultationen gemeinsam mit Antonow sollten die Beziehungen zwischen beiden Ländern analysiert werden, teilte das Außenministerium in Moskau am Mittwochabend mit. Konkret soll es in dem Gespräch darum gehen, wie die Beziehungen, die sich in einer „Sackgasse“ befänden, korrigiert werden könnten. „Wir sind daran interessiert, eine irreversible Verschlechterung zu verhindern“, hieß es.

Eskalation in US-Interview: Biden nennt Putin „Killer“ - Russischer Parlamentschef sieht „Angriff auf unser Land“

Update vom 17. März, 15.20 Uhr: US-Präsident Joe Biden attackierte den russischen Machthaber Wladimir Putin in einem Fernsehinterview. Die scharfen Äußerungen lösten in Russland Kritik aus. „Biden hat mit seinen Aussagen die Bürger unseres Landes beleidigt“, klagt Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin im Nachrichtenkanal Telegram. Er wirft der USA „Hysterie“ und „Ohnmacht“ vor. „Putin ist unser Präsident, Angriffe auf ihn sind Angriffe auf unser Land“, zitiert ihn die dpa weiter.

Schon im Wahlkampf hatte US-Präsident Joe Biden eine härtere Gangart gegen Russland angekündigt. Zu möglichen neuen US-Sanktionen sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, Leonid Sluzki, der Agentur Interfax zufolge: „Auf alle einschränkenden Maßnahmen vonseiten der USA, zumal wegen solch ausgedachter Anlässe, finden wir eine deutliche und angemessene Antwort“.

Joe Biden attackiert Putin: „Er wird einen Preis bezahlen“

Update vom 17. März, 13.35 Uhr: Der Ton zwischen Washington und Moskau wird rauer. Nachdem ein Geheimdienstbericht Russland vorwirft, sich in die US-Präsidentschaftswahlen eingemischt zu haben, attackiert Joe Biden die russische Regierung scharf. „Er wird einen Preis bezahlen“, merkte Biden in Richtung des russischen Präsidenten Wladimir Putin an. In dem ABC-Interview antwortete der US-Präsident auf die Frage, ob Putin ein „Killer“ sei, mit den Worten: „Das tue ich“. Biden habe in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten mit Blick auf eine mögliche Einmischung Moskaus gesagt: „Ich kenne Sie und Sie kennen mich. Wenn ich feststelle, dass dies geschehen ist, dann seien Sie vorbereitet“, berichtet die dpa.

Die US-Geheimdienste werfen Russland vor, sich mit einer Desinformationskampagne in die Präsidentschaftswahlen 2020 eingemischt zu haben. Bidens Wahlsieg sei „nachteilig für russische Interessen“, heißt es in dem Bericht. Der Kreml dementiert jegliche Einmischungen in das Rennen um das Präsidentenamt.

Update vom 17. März, 13.30 Uhr: Nun reagiert Russland auf den Geheimdienstbericht, der dem Kreml Einflussnahme in die US-Präsidentschaftswahlen 2020 vorwirft. Der Bericht sei „falsch, absolut unbegründet und haltlos“, weist Kreml-Sprecher Dmitri Peskow die Erkenntnisse des Papiers zurück. Russland habe sich nicht in die Wahlen eingemischt, zitiert die dpa den Regierungssprecher, gegenteilige Behauptungen schade nur „den ohnehin schon angeschlagenen russisch-amerikanischen Beziehungen“.

US-Geheimdienst sieht russische Beeinflussung bei Präsidentschaftswahl 2020

Erstmeldung vom 17. März, 11.50 Uhr:

Washington D.C. - Russland habe sich bei der Präsidentschaftswahl 2020 für Donald Trump eingesetzt. Zu diesem Schluss kommt ein Geheimdienstbericht, den das Büro von Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines am Dienstag veröffentlichte. Die Einmischung sei von Wladimir Putin und seiner Regierung „genehmigt und durchgeführt“ worden, hieß es. Zwar seien direkte Angriffe auf die Wahlinfrastruktur ausgeblieben, doch Moskau habe „die öffentliche Wahrnehmung der Kandidaten in den USA beeinflussen [wollen]“, heißt es in dem Bericht. Dafür sprachen russische Agenten wohl gezielt Vertraute in Trumps Umfeld an.

Donald Trumps Vertraute sollten russische Kampagne unterstützen

Der Bericht erklärt den Versuch der russischen Einflussnahme in die US-Wahl 2020. Russland habe sich bei seiner Kampagne auf seinen Geheimdienst, staatliche Medien, Internet-Trolls und Verbündete in der Ukraine gestützt, hieß es. Das Ziel Moskaus: Trump-Konkurrent Joe Biden diskreditieren und so die Wiederwahl Trumps sichern. Zu diesem Zweck seien russische Agenten auf Vertraute Trumps zugegangen. Sie sollten Untersuchungen gegen Bidens Korruptionsvorwürfe einleiten, um so die Glaubwürdigkeit des demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu untergraben.

Die New York Times bringt in diesem Zusammenhang Trumps Anwalt Rudy Giuliani ins Spiel, der in der Vergangenheit wiederholt Korruptionsvorwürfe gegen Joe Bidens Familie äußerte. Wie der Geheimdienstbericht offenbart, sei es eine der wichtigsten Strategien Moskaus gewesen, Biden und seine Familie im Zusammenhang mit der Ukraine Korruption vorzuwerfen.

Joe Bidens Wahlsieg sei „nachteilig für russische Interessen“ gewesen

Der Geheimdienstbericht wirft Russland vor, „das Vertrauen in das US-Wahlsystem zu untergraben und die gesellschaftliche Spaltung der Menschen in Amerika zu verstärken“. Zwar seien direkte Angriffe auf die Wahl-Infrastrukur wie bei den Abstimmungen 2016 ausgeblieben, mit der Desinformationskampagne sollte jedoch eine Wiederwahl Trumps gesichert werden. Die russische Regierung habe einen Wahlsieg Bidens „nachteilig für russische Interessen“ betrachtet, heißt es in dem Bericht.

US-Präsidentschaftswahl 2020: Auch der Iran soll versucht haben, die Abstimmungen zu beeinflussen

Wie der Geheimdienstbericht zeigt, soll sich nicht nur Russland in die US-Präsidentschaftswahlen 2020 eingemischt haben. Auch der Iran habe versucht, die Abstimmung zu beeinflussen. Teherans Ziele seien jedoch gegensätzlich zu den Einmischungsversuchen Russlands gewesen. Dem Iran sei es darum gegangen, die Chancen für eine Wiederwahl Trumps zu verringern und die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft zu verstärken. Teheran habe die Wahlinfrastruktur nicht direkt angegriffen. (jjf/dpa)

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