US-Präsident Joe Biden unterschreibt am Oval Office Direktiven
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Ab sofort gilt Maskenpflicht im Weißen Haus: Auch Joe Biden trug Maske an seinem ersten Tag im Oval Office.

Impfkampagne und Maskenpflicht

Joe Biden startet Kampf gegen Corona: Top-Virologe Fauci teilt sofort gegen Trump aus

  • Christiane Kühl
    vonChristiane Kühl
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US-Präsident Joe Biden stemmt sich mit Direktiven gegen die Corona-Pandemie. Der bekannte Immunologe Anthony Fauci freut sich auf die Zusammenarbeit.

  • Joe Biden plant mehrere Direktiven zum Kampf gegen das Coronavirus zu unterschreiben.
  • Auf dem Plan stehen Maskenpflicht, Hilfe für stark betroffene Regionen, mehr Covid-Tests und Impfungen.
  • Top-Virologe Anthony Fauci ließ mit einem Seitenhieb gegen Ex-Präsident Donald Trump aufhorchen.

Update vom 22. Januar, 15.53 Uhr: Donald Trumps fehlende Aufrichtigkeit habe „sehr wahrscheinlich Leben gekostet“, sagte der Corona-Experte Anthony Fauci am Freitag dem US-amerikanischen Sender CNN. Damit betont er nochmals seine Aussagen des Vortages (siehe vorheriges Update). Es sei „eindeutig nicht hilfreich“ gewesen, über Dinge zu sprechen, „die medizinisch und wissenschaftlich“ keinen Sinn machten.

Update vom 22. Januar, 6.33 Uhr: Der renommierte US-Immunologe Anthony Fauci ist erleichtert, dass er nach dem Abgang von Präsident Donald Trump im Weißen Haus wieder die Fakten für sich sprechen lassen darf. „Wir lassen die Wissenschaft sprechen“, sagte Fauci am Donnerstag vor Journalisten in der Regierungszentrale in Washington. „Das ist gewissermaßen ein Gefühl der Erleichterung“, sagte der Immunologe, der den neuen Präsidenten Joe Biden berät.

Bei Trump habe es Momente gegeben, in denen Dinge kommuniziert wurden, die nicht auf wissenschaftlichen Fakten basierten, so Fauci. Als ein Beispiel nannte er Trumps anhaltendes Werben für das Malaria-Mittel Hydroxychloroquin als Corona-Medikament, obwohl dessen Wirksamkeit nicht belegt war. „Das war wirklich unangenehm, weil dies nicht auf wissenschaftlichen Fakten beruhte“, sagte der Immunologe.

Fauci habe nicht das Gefühl gehabt, Trump ohne negative Folgen widersprechen zu können. Das werde beim neuen US-Präsidenten anders sein, wie Biden ihm zugesichert habe. Fauci konnte sich auch einen Seitenhieb gegen die bisweilen sehr improvisiert wirkende Pandemie-Politik von Trump nicht verkneifen. Auf die Frage nach einer Beteiligung des Konzerns Amazon an der Impfkampagne entgegnete Fauci, dazu könne er nichts sagen. „Eine der Neuerungen mit dieser Regierung ist es, nicht zu raten, wenn man keine Antwort hat“, sagte Fauci.

Zweiter Amtstag im Zeichen der Krise: US-Präsident Joe Biden plant mehrere Corona-Direktiven

Erstmeldung vom 21. Januar: Washington - Schon der erste Amtstag des neuen US-Präsidenten Joe Biden hatte es mit mehr als einem Dutzend Direktiven, Ernennungen und Entlassungen in sich. Am Donnerstag geht es im gleichen Tempo weiter. An seinem zweiten Tag wird sich Biden voraussichtlich vor allem auf den Kampf gegen die Corona-Pandemie konzentrieren. Bereits am Morgen stellte seine Regierung einen detaillierten Fahrplan vor. Dieser setzt vor allem auf wissenschaftliche Expertise und stärkere Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden. Biden hatte zuvor Jeff Zients zu seinem Koordinator im Kampf gegen das Coronavirus ernannt. Mit einer Reihe von Direktiven wolle Biden die neue Strategie sofort umsetzen, sagte Zients. Nach Angaben des US-Nachrichtenportals Politico wird es vor allem darum gehen, konkrete Arbeiten an Bidens ehrgeiziger Impfkampagne zu beginnen.

Joe Biden hatte bei seiner Antritts-Rede die Amerikaner auf harte Pandemie-Zeiten eingeschworen. Er will in den 100 ersten Tagen seiner Amtszeit 100 Millionen US-Bürger impfen lassen. Nach dem Fahrtenvermittlungsdienst Uber bot nun auch der Online-Riese Amazon seine Unterstützung beim Erreichen dieses Ziels an. Amazon verfüge über die nötige Expertise, was Logistik, Informationstechnologie sowie Kommunikation angehe, erklärte Amazon-Manager Dave Clark in einem Schreiben an Biden. Gleichzeitig forderte Clark eine schnelle Impfung der Amazon-Beschäftigten, da die meisten der 800.000 Mitarbeiter in den USA nicht von zu Hause arbeiten könnten. Uber hatte die US-Regierung bereits im Dezember aufgefordert, seine Fahrer vorrangig zu impfen - sie könnten dann bei der Verteilung der Impfstoffe helfen.

Joe Biden: Neue Direktiven zu Maskenpflicht, Studien und Daten im Kampf gegen das Coronavirus

Zu den anvisierten Einzel-Direktiven der Corona-Strategie gehören nach einem Bericht des öffentlichen Radiosenders National Public Radio (NPR) eine Maskenpflicht für Flugzeuge, Busse und Bahnen sowie die Auflage, bei der Einreise in die USA einen negativen Covid-19-Test vorzuweisen. Auch sollen zusätzliche Studien und Tests von Covid-Behandlungen angeschoben werden. Eine weitere Direktive verlangt nach mehr öffentlich zugänglichen Daten zu Fallzahlen und Impfungen. Außerdem will Biden eine so genannte COVID-19 Health Equity Task Force einrichten, die Empfehlungen erarbeitet, wie unterversorgte Gemeinden, die am schlimmsten von der Pandemie betroffen sind, fairer behandelt werden können.

Auch will Biden laut NPR die zuständigen Behörden anweisen, Mängel bei wichtigen Produkten zu beheben: Dinge, die zum Testen, Impfen und Behandeln der Menschen benötigt werden, Masken und Schutzanzüge, Test-Kits, Analysemaschinen für Testlabors, Medikamente. Die Produktion dieser Güter solle mithilfe eines Notstandsgesetzes angekurbelt werden.

Bei einem Besuch des Exekutivrats der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf bekräftigte zudem der prominente US-Virologe Anthony Fauci als medizinischer Chefberater Bidens den Kurswechsel der USA auch auf internationaler Ebene. Biden hatte den von Trump angeschobenen Austritt aus der WHO gestoppt. Joe Biden möchte auch Washingtons Führungsrolle bei der künftigen internationalen Pandemievorsorge wiederherstellen.

Joe Biden: Bildung des Kabinetts hat Priorität - weitere Anhörungen im Senat

Im Senat wird am Donnerstag die Anhörung zur Bestätigung von Pete Buttigieg als neuer Verkehrsminister weitergehen. Jedes Kabinettsmitglied muss von Senat bestätigt werden. Die Bildung eines Kabinetts habe für Joe Biden oberste Priorität, sagte die neue Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Joe Biden sei bereits in Kontakt mit Mitgliedern des Kongresses, um die Dringlichkeit dieses Themas zu betonen. Als erstes Kabinettsmitglied bestätigte der Senat Avril Haines als Direktorin der Geheimdienste. Sie ist die erste Frau auf dem einflussreichen Posten.

Pete Buttigieg, ehemaliger Bürgermeister von South Bend in Indiana, hatte ebenfalls für das Präsidentenamt kandidiert und wird bei seiner Bestätigung der erste offen homosexuelle Minister in den USA. Als Verkehrsminister ist er eine zentrale Figur für Bidens Infrastrukturpläne sowie das Ziel, mehr Klimaschutz im Verkehr zu verankern. Am Freitag soll die Anhörung der ehemaligen Zentralbankchefin Janet Yellen als Finanzministerin beginnen.

Auch Jen Psaki, neue Pressesprecherin des Weißen Hauses, trägt Maske. Die Kabinettsbildung ist laut Psaki oberste Priorität.

Biden wird am Freitag laut Jen Psaki außerdem als ersten ausländischen Regierungschef den kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau anrufen. Die Beziehungen zwischen den USA und Kanada sind traditionell eng. Doch gab es gleich ein Konfliktthema. Trudeau kritisierte das Aus für die Pipeline Keystone XL. Sie sollte eigentlich Erdöl aus Kanada in die USA bringen sollte. Doch Biden stoppte das Projekt bei seinem Amtsantritt per Dekret. (Christiane Kühl, mit AFP)

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