Boris Johnson trägt einen Helm, steht vor einer Mauer und hält einen Stein in der linken Hand.
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Den Helm kann er gut gebrauchen: Auf Boris Johnson prasselt aktuell einiges ein.

Auch Renovierungen werfen Fragen auf

Johnson eine Gefahr für die nationale Sicherheit? Handynummer stand seit Jahren im Internet

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Boris Johnson ist beleibe kein Staatschef wie jeder andere. Und das nicht nur wegen seines politischen Kurses. Derzeit sieht er sich gleich zwei schweren Vorwürfen ausgesetzt.

München - Als britischer Premierminister zählt Boris Johnson zu den mächtigsten Männern der Welt. Damit auch zu den wichtigsten. Und am meisten gefährdeten. Ob ihm das wirklich bewusst ist? Das muss zumindest in Zweifel gezogen werden.

Wie die BBC und weitere britische Medien berichten, hat es der Tory-Politiker nach seinem Aufstieg zum Staatschef vor knapp zwei Jahren versäumt, seine private Handynummer ändern zu lassen. Das wäre an sich kein großes Drama. Stünde die Zahlenfolge nicht seit 15 Jahren für jeden einsehbar im Internet. Damals war der Blondschopf noch ein gewöhnlicher Abgeordneter unter vielen in der Konservativen Partei. Und seine Mobilfunknummer tauchte als Kontakt auf einer Pressemitteilung auf.

Johnsons Handynummer: Geheimdienste klären Regierungspolitiker eigentlich auf

Die Aufregung um diesen Leichtsinn von Johnson ist groß. Der Premiere gefährde die nationale Sicherheit, heißt es wenig überraschend. Denn natürlich könnte der Regierungschef Opfer von Spionage-Angriffen werden. Immerhin leitet er die Geschicke einer der führenden Nationen auf dem Planeten. Gar nicht auszudenken, wenn Johnson in Privatgesprächen irgendwelche Staatsgeheimnisse ausdiskutiert haben sollte.

Zwar erhalten Mitglieder der britischen Regierung Smartphones für den dienstlichen Gebrauch. Außerdem klären Geheimdienste die Politiker auf, wie sie ihre Kommunikation gegen unberechtigte Zugriffe zu schützen haben. Doch dafür scheint Johnson kein Ohr gehabt zu haben.

Johnsons Handynummer: Journalisten erreichen nur abgeschaltetes Telefon

Der einstige Nationale Sicherheitsberater Peter Ricketts warnte in der BBC, es sei nicht auszuschließen, dass feindliche staatliche Akteure oder Verbrecherbanden so über den Regierungschef an Insinderinfos gelangt sind. Für ihn stellt die Änderung der Telefonnummer als politische Führungspersönlichkeit eine „elementare Sicherheitsvorkehrung“ dar.

Als Journalisten die Johnson-Nummer an diesem Freitag wählten, landeten sie bei einem abgeschalteten Telefon. Zu hören war lediglich die Ansage: „Bitte versuchen Sie es später oder senden Sie eine Textnachricht.“

Video: Druck auf Johnson wächst wegen angeblicher pietätloser Äußerung

Johnson und „Wallpapergate“: Dienstwohnung für seine Verlobte kostspielig renoviert?

Johnson gerät damit immer mehr in Bedrängnis. Der 56-Jährige war jüngst auch wegen seiner zögerlichen Haltung in der Corona-Krise attackiert worden. In diesem Zusammenhang soll er überlegt haben, einen weiteren Lockdown auch auf Kosten zahlreicher weiterer Toter zu umgehen. Ein dazu kursierendes Zitat wurde aus dem Regierungssitz dementiert, ist aber nun in der Welt.

Heftigen Gegenwind gibt es für Johnson auch wegen des sogenannten „Wallpapergate“. So heißt es, Johnson habe auf Anraten seiner Verlobten Carrie Symonds die Vierzimmer-Dienstwohnung in der Downing Street für umgerechnet 230.000 Euro renovieren lassen. Inklusive kostspieliger Tapeten. Bewiesen ist das alles nicht, auch die Summe kursiert lediglich in britischen Medien.

Allerdings stehen britischen Regierungschefs jährlich umgerechnet knapp 35.000 Euro aus Steuergeldern für Renovierungen zur Verfügung. Nun erregt eine via Mail an die Öffentlichkeit geratene Spende eines Multimillionärs in etwa doppelter Höhe die Aufmerksamkeit in Großbritannien. Diese war weder von der Partei noch von Johnson angezeigt worden.

Johnson und „Wallpapergate“: Britischer Premier will kooperieren und zeigt sich siegessicher

Unterfüttert wurden die Vorwürfe vom neuen Intimfeind des Premier. Dominic Cummings, einstiger Sonderberater Johnsons, wirft seinem früheren Vorgesetzten vor, schon 2020 geplant zu haben, Renovierungen heimlich über Spenden zu finanzieren.

Die Regierung streitet nach wie vor alles ab. Immerhin: Johnson zeigt sich kooperativ. Und betont, dass er nichts zu befürchten habe. Aber er wäre nicht der erste mächtige Mann, der im Gefühl der Unantastbarkeit böse auf die Nase fällt. (mg)

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