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Kim Jong Un bei seiner Ansprache

Überraschende Ansprache in Nordkorea

Kim Jong Un: "Radikale Kehrtwende"

Berlin - Es war die erste öffentlich übertragene Neujahrsansprache eines nordkoreanischen Staatschefs seit 19 Jahren - und Kim Jong Un nutzte die Gelegenheit für überraschende Worte.

Anstatt eisern am Kurs seines Vorgängers und Vaters Kim Jong Il festzuhalten, schwor er sein Volk im Staatsfernsehen auf eine „radikale Kehrtwende“ ein. Die Konfrontation mit Südkorea solle beendet und die Wirtschaft des Landes weiterentwickelt werden, lauteten die beiden wichtigsten Botschaften am Dienstag. Doch eine dritte schob der Machthaber gleich nach: Auf die weitere Aufrüstung des Militärs wolle er keinesfalls verzichten - ganz im Gegenteil.

„Lasst uns eine radikale Kehrtwende vollziehen und einen wirtschaftlichen Giganten schaffen“, appellierte Kim an seine Landsleute. Wie das gehen solle? „Mit demselben Eifer und Willen zur Entschlossenheit, den wir schon bei der Eroberung des Weltraums gezeigt haben“, eine Anspielung auf den jüngsten Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete am 12. Dezember, die angeblich einen Satelliten ins All brachte. Der Westen hingegen blickt mit der Sorge nach Pjöngjang, dass dort schon bald eine Langstreckenrakete mit Atomsprengkopf versehen und das Land zur atomaren Bedrohung für den Weltfrieden werden könnte.

Zurzeit sei die Wirtschaft des Landes in keinem guten Zustand, der Lebensstandard ausbaufähig, räumte Kim Jong Un ein. Ob er diese Probleme mit Reformen oder einer Marktliberalisierung zu lösen gedenkt, sagte der Staatsführer nicht. Lediglich eine stärkere Rolle des Forschungs- und Technologiesektors werde angestrebt.

„Darauf kann er nicht fünf Jahre warten“

Für John Delury von der Yonsei Universität in Seoul bedarf es für einen solchen wirtschaftlichen Aufschwung zuvorderst einer Annäherung mit Südkorea, „und darauf kann er (Kim) nicht fünf Jahre warten“. Die neu gewählte Präsidentin des Nachbarstaats, Park Geun-hye, hatte ihrerseits bereits höhere Hilfszahlungen für Nordkorea und einen engeren Austausch mit Pjöngjang angekündigt.

Wirtschaftliche Impulse könnte dort aber auch die Rüstungsbranche liefern. „Der Verteidigungssektor sollte mehr ausgeklügelte Militärausrüstung unserer eigenen Machart entwickeln“, empfahl Kim Jon Un. „Nur wenn wir unsere Militärmacht in jeder Hinsicht weiterentwickeln, wird das Land prosperieren und die Sicherheit und Zufriedenheit seiner Bürger steigen.“ In den Hauptstädten des Westens wird man es mit Sorge vernommen haben.

Die Fernsehansprache lässt sich indes als Zeichen dafür deuten, dass Kim Jong Un eher am Kommunikationsstil seines Großvaters und Staatsgründers Kim Il Sung anknüpfen will - und weniger an dem seines Vaters Kim Jong Il, der öffentliche Auftritte möglichst vermied und seine Neujahrsbotschaften stets über die drei großen Zeitungen des Landes unters Volk bringen ließ. Kim Jong Uns Rede im Staatsfernsehen war somit die erste ihrer Art seit 19 Jahren. Vor knapp einem Jahr war er nach dem Tod seines Vaters zum Staatsoberhaupt berufen worden.

Südkoreas Vereinigungsministerium reagierte zurückhaltend auf Kims Rede. Diese sei weitgehend auf der Linie der bisherigen Politik, die Vorrangstellung des Militärs zu verteidigen. Beide koreanische Staaten befinden sich seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) völkerrechtlich noch immer im Kriegszustand.

dapd/dpa

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