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Peter Bandermann (50) arbeitet als Lokaljournalist für die „Ruhr Nachrichten“.

Presse in Bedrängnis

Journalist contra Nazis: „Es gab auch schon Hausbesuche“

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München – Die Freiheit der Presse ist in Deutschland gegeben, doch gibt es einige Journalisten, die sich zunehmend Drohungen ausgesetzt sehen. Einer von ihnen ist Peter Bandermann.

Ungarn, Polen, Türkei – in vielen Ländern haben sich die Arbeitsbedingungen für Journalisten verschlechtert. Aber auch in Deutschland erleben Berichterstatter immer wieder Einschüchterungen und sogar Gewalt. Im Interview spricht der Dortmunder Lokaljournalist Peter Bandermann über Drohungen aus der rechten Szene – und seine Motivation, nicht aufzugeben.

Herr Bandermann, Sie berichten über die Dortmunder Neonazi-Szene. Mit welchen Folgen?

Peter Bandermann: Neonazis haben mich aufgespürt, bedroht und verfolgt. Das ist normal. Man muss also lernen, damit umzugehen.

Rechtsextreme haben unter anderem Farbbeutel an Ihr Haus geworfen. Was ist das für ein Gefühl?

Bandermann: Natürlich macht einen das nachdenklich. Aber man muss sich klar machen, dass da kritische Berichterstattung durch Einschüchterungen verhindert werden soll. Wir Journalisten müssen weiter berichten. Auch wenn es ungemütlich wird. Die Pressefreiheit existiert nur dann, wenn wir sie auch tatsächlich anwenden.

„Es gab auch schon Todesanzeigen“

War der Angriff die Reaktion auf einen bestimmten Artikel?

Bandermann: In meinem Fall war es eher eine längere Entwicklung. Ich berichte kritisch über diese Szene. Ich schreibe ganz klar, dass das Nationalsozialisten sind – weil sie diese Ideologie öffentlich vertreten. Die Neonazis wollten ihre Lügenpresse-Strategie personalisieren, also gezielt einzelne Berichterstatter angreifen. Warum sie mich ausgewählt haben, weiß ich gar nicht.

Blieb es bei Farbbeuteln an der Hauswand?

Bandermann: Nein. Es gab auch schon Todesanzeigen, übrigens auch mit den Namen anderer Journalisten. Im Internet stehen Details über meine Joggingstrecke und mein Auto-Kennzeichen. Manchmal sogar, um wie viel Uhr ich nach Hause gekommen bin. Auch Hausbesuche hat es schon gegeben. Klingeln, drohen, Flaschenwürfe.

Aufgeben ist keine Option?

Bandermann: Nein, auf keinen Fall. Wir Journalisten würden damit unseren Gegnern zum Erfolg verhelfen. In Dortmund haben wir gelernt, nicht in Panik zu verfallen und gewissenhaft zu recherchieren. Auch unsere Leser erwarten kritischen Journalismus. Für alles andere gibt es die Regenbogenpresse.

„Von der Justiz hätte ich andere Reaktionen erwartet“

Wie gehen Sie im Alltag mit den Drohungen um?

Bandermann: Es gibt keine Routine – aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Unterm Strich bin ich sogar stärker aus dieser Nummer hervorgegangen. Auch weil ich unfassbar viel Post von unserer Leserschaft bekommen habe. Meine Familie, der Verlag, die Redaktion unterstützen mich ebenfalls.

Fühlen Sie sich durch Polizei und Justiz ausreichend geschützt?

Bandermann: Jein. Die Polizei hat durch verschiedene Maßnahmen in meinem Privatleben für Sicherheit gesorgt. Von der Justiz in Dortmund hätte ich andere Reaktionen erwartet. Deren Einschätzung: Die bisherigen Bedrohungen – inklusive fingierter Todesanzeigen – sind nicht weitreichend genug. Erst wenn ich Arbeitsplatz oder Wohnort wechseln muss, werde man die Ermittlungen wieder aufnehmen.

Kommentar: Pressefreiheit auf dem Rückzug: Bedrängte Wächter

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