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Viktor Orban am Tag der Ungarn-Wahl

Brisanter Bericht

Fake News auf Anordnung? Ungarische Journalisten belasten Orban

Ungarische Journalisten erheben schwere Vorwürfe gegen Viktor Orban: Die Regierung forciere tendenziöse Berichte - etwa auch im Fall der Amokfahrt von Münster.

London/Budapest - „Manchmal kommt der Chefredakteur telefonierend in unsere Redaktion und diktiert uns Wort für Wort einen Artikel. Wir wissen nicht, wer am anderen Ende der Leitung spricht.“ Diese und weitere pikante Vorwürfe machen ungarische Journalisten des öffentlich finanzierten Mediendiensts MTVA in Gesprächen mit der britischen Zeitung The Guardian. In der Kritik steht die Regierung von Viktor Orban.

Laut Guardian erzählten die Journalisten, das Medien-Netzwerk MTVA habe sich extrem auf negative Berichterstattung über Migranten und Flüchtlinge konzentriert und diese stets mit Kriminalität und Terrorismus in Verbindung gebracht - ihrer Deutung nach, um den Kurs Orbans zu unterstützen. 

Auch am Vorabend der Wahl vom 7. April habe man damit nicht aufgehört. So sei die Amokfahrt von Münster lange fälschlich als islamistischer Terroranschlag dargestellt worden. „Sowas habe ich noch nie erlebt, auch nicht bei MTVA - es war eine klare Lüge“, zitiert der Guardian einen der Journalisten, der anonym bleiben wollte. 

Richtlinien aus dem Büro des Regierungschefs - harte Vorwürfe gegen Orban

„Toleranz wird regelmäßig kritisiert, eine ausländerfeindliche Einstellung hingegen als einzig tragbare Option dargestellt“, sagte der Informant. Die vom Guardian befragten Journalisten glauben, dass solche Anweisungen oft direkt von der Regierung kommen. 

Zum Thema: Orban: Ungarn gegen „Soros-Plan“ verteidigen

Dokumente, die dem Blatt dem Bericht zufolge vorliegen, scheinen diesen Verdacht zu untermauern: Im Büro des Ministerpräsidenten ersonnene Richtlinien seien geleakten Mitteilungen zufolge an Journalisten weitergereicht worden, heißt es - mit dem Ziel, Rufmord an regierungskritischen Ungarn zu begehen. 

Als Opfer einer solchen Aktionen sieht sich etwa der Aktivist Márton Gulyas. Er klagt, nach einer Diskussionsrunde mit dem Titel „Widerstand und Ungehorsam - ohne Gewalt“ sei er von verschiedenen regierungsnahen Medien beschuldigt worden, gewaltsame Unruhen und Aufruhr anzuzetteln. 

Einfluss auch auf private Medien?

Dem Bericht zufolge endet Orbans Einfluss nicht bei den öffentlich finanzierten Medien. So sei etwa die News-Webseite origu.hu aus dem Besitz einer Tochter der Deutschen Telekom in die Hände des Sohnes des ungarischen Zentralbank-Chefs gewandert. András Pethö, früher stellvertretender Chefredakteur der Seite, berichtete dem Guardian von einem tiefgreifenden Wandel im Charakter der Webseite.

„Es war ein hervorragender Ort um Journalismus zu betreiben, aber dann haben sie uns unter Druck gesetzt, bestimmte Geschichten zu ignorieren. Wir haben uns nicht daran gehalten, also musste mein Chef gehen.“ Ein paar Wochen vor der Wahl habe er das Medium praktisch nicht mehr wiedererkannt: „Jede Story hatte das Wort ‚Migrant‘ in der Titelzeile.“

Orbáns Sprecher äußert sich nicht

Ein Sprecher Viktor Orbans erklärte auf Anfrage des Guardian, man beantworte keine Anfragen zu den Medien, da man keine Kontrolle über die Medien habe. Der Mediendienst MTVA ließ eine Bitte um ein Statement dem Bericht zufolge unbeantwortet.

Eine fehlende Trennung von Regierung und Presse wäre in jedenfalls ein drastischer Verstoß gegen EU-Linien für demokratische Standards und Rechtsstaatlichkeit. Viktor Orbán und seine rechtskonservative Partei Fidesz konnten indes einen Wahlsieg erringen und stehen vor einer weiteren vierjährigen Legislaturperiode. Aus Brüssel kam jüngst lautstarke Kritik an Praktiken in Ungarn: Die Zeit der Warnungen sei vorbei, hieß es. 

lag/fn

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