+
Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster: "Gerade die jüdische Gemeinschaft weiß, was Flucht und Heimatverlust bedeuten."

Trotz Bedenken

Flüchtlinge: Jüdische Gemeinden setzen Willkommenssignal

Berlin - Am "Mitzvah Day" heißen die Juden in Deutschland dieses Jahr hilfesuchende Menschen willkommen. Nach den Attentaten in Frankreich hat das noch mal eine besondere Bedeutung.

Die jüdischen Gemeinden in Deutschland haben an ihrem Tag der guten Tat ein Willkommenssignal für Flüchtlinge gesetzt. "Die jüdische Gemeinschaft weiß, was Flucht und Heimatverlust bedeuten", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, der dpa.

Trotz der Terroranschläge in Paris sei es wichtig gewesen, am "Mitzvah Day" festzuhalten. "Würden wir uns jetzt in unserem Leben einschränken und ausgerechnet solche Hilfsaktionen absagen, hätten die Terroristen genau ihr Ziel erreicht."

Schuster äußerte sich "erschüttert" über die schrecklichen Vorfälle in Paris. Muslimische Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak hätten mit den Terroristen des Islamischen Staats (IS) nichts gemein, betonte er zugleich. "Viele von ihnen sind gerade vor der Gewalt des IS geflohen. Wir dürfen Muslime nicht in Generalhaftung nehmen."

Der Zentralratsvorsitzende verteilte selbst Getränke und Essen in einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin. Bundesweit beteiligten sich rund 2000 Freiwillige an dem Aktionstag.

Dennoch gemischte Gefühle

Im Gespräch mit der dpa räumte Schuster ein, dass die jüdischen Gemeinden in Deutschland der hohen Zahl von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten mit gemischten Gefühlen begegneten. "Zum einen empfinden wir eine große Empathie, zum anderen fragen wir uns aber, welche Haltung sie zu Israel und zu Juden generell haben", sagte er der dpa. In Ländern wie Syrien oder dem Irak sei der Antisemitismus stark ausgeprägt. "Diese Prägung legen die Menschen nicht automatisch ab, wenn sie die Grenze nach Deutschland überschritten haben."

Von den muslimischen Verbänden in Deutschland erwartet Schuster ein stärkeres Engagement gegen Antisemitismus in ihren Reihen. "Wir sollten darauf achten, dass die muslimischen Flüchtlinge primär in unsere Zivilgesellschaft integriert werden und nicht in die Fänge von muslimischen Extremisten geraten." Mit Schrecken beobachte er zudem den Zulauf am rechten politischen Rand. "Das muss politisch eindeutig geächtet werden", forderte er.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nationalisten üben in Koblenz den Schulterschluss
Koblenz - „Merkel muss weg“ rufen sie bei Pegida. Beim Treffen der Rechtspopulisten in Koblenz ertönt der gleiche Slogan. Rückenwind gibt den Teilnehmern der Sieg von …
Nationalisten üben in Koblenz den Schulterschluss
Tausende demonstrieren gegen Rechtspopulisten-Kongress
Koblenz - Bunte Fahnen, Transparente und die „Ode an die Freude“ haben Demonstranten dem Kongress europäischer Rechtspopulisten in Koblenz entgegengesetzt. Es kamen viel …
Tausende demonstrieren gegen Rechtspopulisten-Kongress
Trump ist US-Präsident: So kommentieren Politiker weltweit
Berlin - Zurückhaltung und höfliche Worte - Politiker weltweit äußern sich am Samstag zum Amtsantritt von Donald Trump als neuer US-Präsident.
Trump ist US-Präsident: So kommentieren Politiker weltweit
Trumps erste Rede als US-Präsident: So reagieren deutsche Politiker
Washington - Donald Trump hat in seiner ersten Rede als US-Präsident die Parole „Amerika zuerst“ ausgegeben - und damit auch für Besorgnis gesorgt. In Deutschland kommt …
Trumps erste Rede als US-Präsident: So reagieren deutsche Politiker

Kommentare