+
Eine 20-jährige Frau, die Anfang des Monats als Zeugin im NSU-Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags ausgesagt hatte, ist aus zunächst ungeklärter Ursache gestorben.

Junge Frau plötzlich verstorben

Stuttgarter NSU-Ausschuss: Rätselhafter Tod einer Zeugin

Stuttgart - Schockierende Nachricht: Knapp vier Wochen nachdem sie als Zeugin im Stuttgarter NSU-Ausschuss ausgesagt hat, stirbt eine junge Frau unter noch unklaren Umständen. Während Ausschusschef Drexler nicht spekulieren will, nimmt Extremismus-Experte Funke den Fall sehr ernst.

Eine 20-jährige Frau, die Anfang des Monats als Zeugin im NSU-Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags ausgesagt hatte, ist aus zunächst ungeklärter Ursache gestorben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Karlsruhe am Sonntag mitteilten, fand sie der Lebensgefährte am Samstagabend mit einem Krampfanfall in ihrer Wohnung. Die Ärzte hätten das Leben der jungen Frau nicht mehr retten können. Bislang gebe es keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden, sagte ein Polizeisprecher. Wegen des brisanten Hintergrundes würden die Ermittlungen aber mit Nachdruck betrieben.

Bei der Toten soll es sich um eine Ex-Freundin von Florian H. handeln, einem ehemaligen Neonazi, der im Herbst 2013 in einem Wagen in Stuttgart verbrannt war. Florian H. soll angeblich gewusst haben, wer die Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn getötet hat. Der Mord wird den Rechtsterroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) zugerechnet. Am Tag seines Todes hatte H. noch einmal von der Polizei befragt werden sollen.

Die 20-Jährige hatte Anfang März als Zeugin im NSU-Ausschuss in Stuttgart in nicht-öffentlicher Sitzung ausgesagt, weil sie erklärt hatte, sie fühle sich bedroht. Der Ausschuss soll die Verbindungen der rechten Terrorzelle in den Südwesten Deutschlands und mögliches Behördenversagen genauer betrachten.

Der Ausschussvorsitzende Wolfgang Drexler sagte der Deutschen Presse-Agentur, es wäre fahrlässig, nun irgendwelche Spekulationen zum möglichen Hintergrund des Todes der Frau zu äußern. Der Tod könne vielerlei Gründe haben.

Der Extremismusexperte und Berliner Politikprofessor Hajo Funke, der den NSU-Untersuchungsausschuss verfolgt und Vertrauensperson der Familie von Florian H. ist, zeigte sich schockiert über den Tod der 20-Jährigen. „Die Sicherheitsbehörden sind gut beraten, wenn sie diesem Tod durch Obduktion und intensivster Aufklärung nachgehen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagabend. Ansonsten wäre dies unter Umständen ein weiterer ungeklärter Todesfall.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nervengas-Spuren nach Anschlag auf Kims Halbbruder gefunden
Elf Tage nach dem mysteriösen Tod des älteren Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un scheint zumindest die Todesursache geklärt: Kim Jong Nam soll durch einen …
Nervengas-Spuren nach Anschlag auf Kims Halbbruder gefunden
Deutschlandtrend: SPD erstmals seit 2006 wieder vor der Union
Berlin - Die SPD bleibt mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz im Aufwind. Erstmals seit über zehn Jahren überholten die Sozialdemokraten im „Deutschlandtrend“ …
Deutschlandtrend: SPD erstmals seit 2006 wieder vor der Union
Brauchen wir ein Gesetz gegen die Verschwendung von Lebensmitteln?
Saarbrücken/Berlin - In Deutschland werden viele Lebensmittel verschwendet. Soll es dagegen ein Gesetz geben? Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt findet das wenig …
Brauchen wir ein Gesetz gegen die Verschwendung von Lebensmitteln?
Kritikerin des phillipinischen Präsidenten Duterte verhaftet
Manila/Berlin - Die ehemalige Justizministerin der Philippinen ist in Haft. Die scharfe Kritikerin von Präsident Duterte soll Drogengeschäfte gedeckt haben. Ist alles …
Kritikerin des phillipinischen Präsidenten Duterte verhaftet

Kommentare