Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Hubert Aiwanger von den Freien Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (v.) und Hubert Aiwanger (l.) von den Freien Wählern bei einem Termin im Regen.
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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (v.) und Hubert Aiwanger (l.) von den Freien Wählern bei einem (verregneten) Termin.

„Jetzt nicht aufs eigene Profil schauen“

Junge Union verspottet Koalitionspartner Aiwanger - „Corona-Liebling“ Söder mit deutlichem Appell

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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  • Mike Schier
    Mike Schier
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Bei den Freien Wählern wächst intern die Kritik an der Außendarstellung – Landesvater Markus Söder will den Koalitionspartner „begleiten“. Die Junge Union nimmt Hubert Aiwanger aufs Korn.

  • CSU und Freie Wähler bilden eine Koalition für Bayerns Staatsregierung.
  • Doch es ziehen trübe Wolken auf - Die Junge Union macht sich mit einer Karikatur lustig.
  • Ministerpräsident Markus Söder möchte den Koalitionspartner „absolut begleiten“.

München – Kleine Bosheiten erhalten die Freundschaft. Der für die Freien Wähler wenig schmeichelhafte „Bayerntrend“ war erst wenige Stunden bekannt, da machte sich die Junge Union in den sozialen Netzwerken schon über Hubert „Hubsi“ Aiwanger als Reiter lustig, der die Fünf-Prozent-Hürde zu reißen droht. Die offene Häme war ungewöhnlich für ein Bündnis, das sich sonst seiner kulturellen Nähe rühmt. Bayerisch, bodenständig, konservativ.

Junge Union macht sich mit Fotomontage über Hubert Aiwanger lustig

Aiwanger selbst, sonst auf Twitter durchaus rauflustig, wollte die Fotomontage (siehe unten) am Donnerstag nicht kommentieren. Es ist nicht die Zeit, um sich in Kleinkriegen zu verstricken. Seit der Landtagswahl sind seine Freien Wähler in den Umfragen mehr als halbiert worden. Jetzt scheint sogar der Wiedereinzug in den Landtag gefährdet – weshalb in der Fraktion, die sich eigentlich in der Sommerpause befindet, am Mittwochabend eifrig die Whatsapp-Nachrichten hin und her flogen. Die Fünf-Prozent-Hürde ist für die Abgeordneten ja eine Frage des politischen Überlebens. Da wächst natürlich auch die Nervosität. Die einen rügten die schlechte Außendarstellung der Spitze, die anderen mahnten die Kollegen zur Ruhe.

Tatsächlich geht es aber auch um Inhalte. Denn just da, wo es in der Corona-Politik im Freistaat* derzeit hakt und brenzlig wird, sind die Zuständigkeiten der Freien Wähler: In der Wirtschaftspolitik, wo die Nothilfen schleppend anliefen – Minister: Hubert Aiwanger. Und in der Schulpolitik, wo von den Eltern schulpflichtiger Kinder zwar 53 Prozent zufrieden, aber 44 Prozent unzufrieden sind. Minister: Michael Piazolo.

Söder will Koalitionspartner „begleiten" - FW-Politiker lobt "Inszenierung" von Bayerns Staatschef

Es lässt aufhorchen, was Markus Söder am Mittwoch im BR über das Ressort sagte: „Der Kultusminister hat meine absolute Begleitung.“ Eine absolute Begleitung ist nicht das, was sich selbstbewusste Minister vom Chef wünschen. Söder legt dem kleinen Koalitionspartner ans Herz, jetzt solle man „nicht aufs Eigenprofil schauen, sondern auf das Gemeinwohl“. Ein dezenter Hinweis, sich mit weiteren Forderungen nach Corona-Lockerungen zurückzuhalten. Aiwanger gelobt: „Wir lassen uns nicht verrückt machen und schlagen wild um uns.“

Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Freien Wähler, Fabian Mehring, mahnt aus dem Urlaub zu Gelassenheit. Den Absturz seiner Partei macht er vor allem an Söder fest. „Er ist nunmal der Corona-Liebling der Deutschen“, sagt er über den Ministerpräsidenten. „Solche Zustimmungswerte hat es überhaupt noch nie gegeben.“ Das gehe natürlich auf Kosten der anderen bürgerlichen Parteien – auch die FDP dümpelt bei drei Prozent dahin. Markus Söder habe seine gute Politik und sich selbst einfach perfekt inszeniert. „Der Auftritt auf Herrenchiemsee war die größte bayerische Machtdemonstration seit Ludwig II.“, sagt Mehring und meint das anerkennend.

Den Freien Wählern*, die vor allem in der Kommunalpolitik verwurzelt sind, fehle dagegen durch die vielen Absagen von Veranstaltungen die Spielwiese, um sich selbst zu präsentieren. Deshalb empfiehlt Mehring, ruhig zu bleiben. „Für uns ist das Wahljahr 2023 entscheidend – bis dahin ist noch eine Menge Zeit.“

"Corona-Liebling" Markus Söder: Mehr Drohungen denn je

Dass jedoch auch die Corona-Krise* persönliche Schattenseiten für Markus Söder erzeugt, schilderte Bayerns Landesvater erst kürzlich in einem Interview:

Kürzlich war Markus Söder der erste Gast von Ulrich Wickerts Podcast „Wickert trifft“. Offen gestand der Bayerische Ministerpräsident ein, Fehler gemacht zu haben.

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