Christian Doleschal im EU-Parlament.

Junge Union in Bayern

Keine Angst vor Söder - Künftiger JU-Chef macht erste Ansagen

  • Mike Schier
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Christian Doleschal soll am Freitag zum neuen Chef der Jungen Union in Bayern gewählt werden. Markus Söder muss sich auf den ein oder anderen kritischen Zwischenruf gefasst machen.

München – Neulich hat Christian Doleschal gemerkt, dass sich etwas verändert. Forsch hatte der 31-jährige CSU-Nachwuchspolitiker vor ein paar Wochen Markus Söder kritisiert. Der Ministerpräsident handle verantwortungslos, wenn er das Ziel aufgebe, den Freistaat bis 2030 schuldenfrei zu bekommen. Schulden „verspielen die Zukunftschancen der jungen Generation“, warnte Doleschal den großen Chef öffentlich.

Seit siebeneinhalb Jahren fungiert der junge Mann bereits als Bezirksvorsitzender der Jungen Union in der Oberpfalz. Als solcher hat er schon manches gesagt – aber noch nie einen solchen Sturm an Reaktionen geerntet. „Das war spannend“, bilanziert er heute mit einem Lächeln. Das Handy stand einfach nicht mehr still. „Aus der JU kam viel positives Feedback“, sagt Doleschal und fügt mit einem Augenzwinkern an: „Aus den höheren Reihen war’s nicht ganz so positiv.“

Christian Doleschal: Lob für Söders neuen Kurs - „richtig, sich von der AfD abzugrenzen“

Es gab also mächtig Ärger, doch die eigentliche Botschaft war erfreulich für ihn: Plötzlich wird sein Wort gehört. Kein Wunder, denn am Freitag soll Doleschal zum JU-Chef von ganz Bayern gewählt werden – und würde damit in eine Reihe mit Theo Waigel, Otto Wiesheu, Manfred Weber, Gerd Müller und eben Söder rücken. Amtsinhaber Hans Reichhart, inzwischen zum Bau- und Verkehrsminister aufgestiegen, tritt aus Altersgründen ab. Doleschal sei „schwer in Ordnung“, findet Reichhart. „Er ist bodenständig, unabhängig und vor allem keiner, der sich selbst in den Vordergrund drängt, sondern immer das große Ganze im Blick hat.“

Diese Einschätzung passt vermutlich zum Selbstverständnis des Juristen, der sich selbst eher im liberaleren Manfred-Weber-Flügel der CSU verortet. Logisch, dass er mit der Politik, wie sie Söder der Partei jetzt verordnet hat, eigentlich ganz zufrieden ist. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Kurskorrektur auf dem Gillamoos im vergangenen Jahr richtig war. Es war höchste Zeit, sich klar von der AfD abzugrenzen“, sagt Doleschal. „Das Polizeiaufgabengesetz, der Kreuzerlass, der Asylstreit – eine Zeit lang haben unsere Sensoren nicht richtig funktioniert. Das hat viel Vertrauen gekostet.“ 

Die Politik der kleinen Schritte, wie sie unter Angela Merkel in Mode kam, sei lange richtig gewesen. Jetzt müsse Politik aber wieder Richtung vorgeben und gestalten. „Da macht Markus Söder einen brutal guten Job.“ Es gibt also auch Lob für den Chef.

Christian Doleschal: Kommender JU-Chef sitzt im Europaparlament

Aufgewachsen ist Doleschal im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Mit dem Opa, als Kind vertrieben aus dem Sudetenland, wohnt er im Mehrgenerationenhaus unter einem Dach. Wie Weber sieht er sich deshalb als überzeugten Europäer. Seit ein paar Monaten sitzt er für die CSU im EU-Parlament. „Das war eine bewusste Entscheidung.“ Vermutlich auch, weil die Europagruppe ein wenig frisches Blut gut gebrauchen kann.

Straßburg und Brüssel sind weit weg von München. Noch weiter als die Oberpfalz. Das schafft Freiheit, um die Politik in der Landeshauptstadt unabhängig bewerten zu können. „Wer glaubt, die JU sei brav, wird sich noch wundern“, hat er neulich in einem Interview erklärt. Das klingt krawalliger, als es gemeint war. Doch Doleschal will deutlich machen, dass die Jugend der CSU anders tickt als das Establishment. Zum Beispiel: „Ich erlebe auch in der Jungen Union, dass Mitglieder bei Fridays for Future mitlaufen. Für viele ist das Thema eine Lebenseinstellung – auch bei uns.“

Christian Doleschal: Schon vor der Wahl eine Warnung für Söder

Auch das Thema Wohnen will er als JU-Chef noch einmal anstoßen. „Bislang hat jede Generation die Vorgängergeneration an Wohlstand übertroffen. Das ist heute nicht mehr sicher – ich erlebe auch echte Existenzängste“, sagt Doleschal. „Selbst mit einem guten Job ist der Erwerb von Eigentum für viele in weite Ferne gerückt.“

Und genau deshalb mahnt er Markus Söder, dass diese Generation nicht auch noch einen Schuldenberg erben sollte. „Vor der Wahl saß der Geldbeutel ziemlich locker – bei dieser Kritik bleibe ich. Wir werden da sehr genau hinschauen.“

Auch in diesem Jahr treten die großen Parteien wieder mit Rednern auf dem Gillamoos in Abensberg auf. 

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