+
Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann: "Die SPD hat mehr als nur einen möglichen Kanzlerkandidaten. Wir haben gute Männer und Frauen." Foto: Michael Reichel/Archiv

SPD-Politiker offen für Urwahl des Kanzlerkandidaten

Gerade erst hat die SPD darüber gestritten, ob sie für die Wahl 2017 überhaupt einen Kanzlerkandidaten aufstellt. Jetzt läuft bereits die Debatte, auf welche Art und Weise der Job denn vergeben werden soll.

Berlin (dpa) - Mehr als zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl diskutiert die SPD wieder über eine mögliche Urwahl ihres Kanzlerkandidaten. Parteivize Ralf Stegner und der Seeheimer Kreis zeigten sich offen für einen entsprechenden Vorstoß von Juso-Chefin Johanna Uekermann.

"Ein Auskungeln eines Kandidaten wie vor den letzten Wahlen macht die SPD nicht mehr mit", sagte sie der Tageszeitung "Die Welt". "Jedes Mitglied soll bei dieser Urwahl mitentscheiden dürfen."

Stegner kann sich ein solches Verfahren durchaus vorstellen. Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel habe selbst immer wieder gesagt, bei mehreren Kandidaten sei eine Entscheidung der Mitglieder gefragt. "Der Vorsitzende muss also von niemandem dazu aufgefordert oder gar gedrängt werden", sagte der Fraktionschef der SPD im Kieler Landtag, der zu den Parteilinken zählt.

Auch der konservative Parteiflügel schließt eine Urwahl nicht aus: Der Sprecher des Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, räumte im "Handelsblatt" (Donnerstag) ein: "Bei mehreren ernsthaften Kandidaten kann man eine Mitgliederbefragung durchführen."

Vor der Bundestagswahl 2013 hatten die Grünen als bislang einzige Partei ihre Spitzenkandidaten per Urabstimmung gekürt. Bei der SPD gab es 1993 zumindest eine Urwahl des Parteivorsitzenden, bei der sich damals Rudolf Scharping durchsetzte. Seitdem diskutieren die Sozialdemokraten im Vorfeld von Bundestagswahlen regelmäßig über eine Urwahl ihres Kanzlerkandidaten. Bis heute ist es noch nie dazu gekommen, doch nach der Wahl 2013 ließ Parteichef Gabriel die Mitglieder zumindest über den Koalitionsvertrag abstimmen.

Dass die SPD für die Bundestagswahl 2017 einen Spitzenkandidaten aufstellt, scheint mittlerweile sicher. Vor knapp zwei Wochen hatte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) die Notwendigkeit eines eigenen Kanzlerkandidaten in Zweifel gezogen, weil Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) ohnehin kaum zu schlagen sei - doch dieser Vorstoß wurde innerhalb der SPD unisono als abwegig bezeichnet. Auch Uekermann distanzierte sich deutlich: "Torsten Albig hat offenbar zu viel im Wind gestanden."

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

SPD plant Basisbefragung zu Koalitionsbedingungen
Nach der Wahlpleite 2013 schaffte es die SPD, die Partei mit einem Mitgliederentscheid über die "Groko"-Beteiligung zu mobilisieren. Das wollen die Genossen jetzt in …
SPD plant Basisbefragung zu Koalitionsbedingungen
SPD fordert Überwachung der AfD durch Verfassungsschutz
Berlin - Für Familienministerin Schwesig ist nach der Rede von Björn Höcke in Dresden klar: Die AfD hat rechtsextremistische Züge. Sie fordert eine Überwachung durch den …
SPD fordert Überwachung der AfD durch Verfassungsschutz
Opfer des Berliner Terroranschlags bekommen zusätzliche Hilfen
Berlin - Die Opfer des Terroranschlags am Breitscheidplatz in Berlin erhalten zusätzliche Entschädigungen. Dafür macht die Regierung eine Ausnahmeregelung.
Opfer des Berliner Terroranschlags bekommen zusätzliche Hilfen
Koalition plant Gesetz gegen Manipulation von Arzt-Diagnosen
Machen Ärzte Patienten auf dem Papier kränker als sie sind? Und zwar im Schulterschluss mit Krankenkassen, für die sich das finanziell lohnt? Der Vorwurf besteht schon …
Koalition plant Gesetz gegen Manipulation von Arzt-Diagnosen

Kommentare