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SPD-Parteichef Sigmar Gabriel musste herbe Kritik von den Jusos einstecken.

Nach "Bild"-Artikel

Jusos attackieren Gabriel: Zerwürfnis mit SPD

München - In der Münchner SPD-Landeszentrale hängt der Haussegen schief: Die Jusos rücken Parteichef Gabriel nach einem Gastbeitrag in der "Bild" in die Nähe von Rechtspopulisten. SPD-Landeschef Pronold reagiert wütend.

Eine Frontalattacke der bayerischen Jusos auf Parteichef Sigmar Gabriel hat ein schweres Zerwürfnis zwischen dem SPD-Landesverband und dem Parteinachwuchs zur Folge. „Wir erwarten mehr von einem Vorsitzenden der SPD, als unreflektiert Stammtischparolen zu wiederholen und im trübbraunen Wasser zu fischen“, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten offenen Brief des Juso-Landesvorsitzenden Tobias Afsali und seiner Vorstandskollegen.

Der bayerische Juso-Vorstand wirft Gabriel das Auftreten eines arroganten Nationalisten vor: „Es reicht ganz Europa der deutsche Chauvinismus und die süffisante Überheblichkeit, mit der du und andere VertreterInnen der deutschen Regierung gegenüber Griechenland und anderen krisengebeutelten Staaten auftreten“, heißt es weiter in dem offenen Brief an den Parteichef.

Das hatte Gabriel in der Bild geschrieben

Anlass war Gabriels scharfe Kritik an der griechischen Regierung in der „Bild“-Zeitung vom Wochenende. "Nicht nur die Zeit wird knapp, sondern überall in Europa auch die Geduld", hatte der SPD-Chef in einem Gastbeitrag geschrieben. "Überall in Europa wächst die Stimmung: 'Es reicht!' Immer neue angebliche 'letzte Einigungsversuche' beginnen den gesamten Prozess lächerlich zu machen", kritisierte der Minister. Immer mehr Menschen fühlten sich "von der griechischen Regierung an der Nase herumgeführt". Wenn die Einigung nicht tatsächlich bald komme, drohe "bei vielen in Europa der Geduldsfaden zu reißen", warnte Gabriel.

Harte Kritik hatte der SPD-Chef in der "Bild"-Zeitung an der Verhandlungsführung der Regierung in Athen geübt. Die "Spieltheoretiker" der griechischen Regierung seien "gerade dabei, die Zukunft ihres Landes zu verzocken. Und die von Europa gleich mit". Im "Bericht aus Berlin" ergänzte er, diese "Spieltheoretiker" glaubten, dass am Ende die Angst in Europa vor einem Ausscheiden Griechenlands so groß sei, "dass wir alles mitmachen". Dies werde aber "nicht der Fall sein". Dem griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis gab Gabriel zudem den Rat, "vielleicht weniger Interviews zu geben und mehr am Verhandlungstisch zu sitzen".

Gabriel deutete auch ein Ende der deutschen Unterstützung an. Deutschland und Europa würden sich von Athen "nicht erpressen lassen. Und wir werden nicht die überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung durch die deutschen Arbeitnehmer und ihre Familien bezahlen lassen", erklärte er in der "Bild". "Was wir natürlich nicht wollen ist, dass die griechische Regierung ihre Verpflichtungen nicht erfüllt, sondern sozusagen auch noch auf die deutschen Steuerzahler übertragen will und auf die europäischen - das geht nicht", sagte er dazu in der ARD.

Pronold verlangt Entschuldigung von Gabriel

Ihm fehle "jedes Verständnis“ für "diese ehrenrührige, unsachliche Kritik", so SPD-Landeschef Florian Pronold. Für den rotzigen Tonfall und die Wortwahl sei eine Entschuldigung des Juso-Landesvorstandes fällig. „So gehen wir in der SPD nicht miteinander um. Wer lediglich verbal um sich schlägt und dabei nur persönliche Attacken reitet, der disqualifiziert sich selbst als ernstzunehmender Diskussionspartner.“

dpa/afp

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