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Leben und Karriere von Justin Trudeau 

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Justin Trudeau tritt vor die Presse während eines Besuchs des «Royalmount Human Health Therapeutics Research Centre» des National Research Council of Canada (NRC).
Justin Trudeau polarisiert immer wieder mit seinen Aussagen, bekommt von seinem Land im Allgemeinen aber viel Zuspruch. © picture alliance/Graham Hughes/The Canadian Press/AP/dpa

Justin Trudeau zwischen Politik und Familie – Das Leben und die Karriere des Premierministers von Kanada

Der kanadische Politiker Justin Trudeau wurde am 25. Dezember 1971 in Ottawa, Ontario unter dem vollen Namen Justin Pierre James Trudeau geboren. Seit November 2015 ist er der Premierminister von Kanada und steht vor allem für eine liberale Politik. Er vertritt eine offene Asylpolitik, die Rechte der LGBTQ-Gemeinschaft, Gleichberechtigung von Frauen und Männern und setzt sich auch für die First Nations in Kanada ein, die Ureinwohner des Landes.

Der Premierminister und Vorsitzende der Liberalen Partei Kanadas musste aber auch schon einiges an Kritik über sich ergehen lassen und war mit Gerüchten über sexuelle Belästigung und positiven Äußerungen über kommunistische Staatsführer bereits ab und an negativ in den Schlagzeilen.

Kindheit und politische Anfänge

Justin Trudeau wuchs als Kind mit seinem Vater und den beiden jüngeren Brüdern Alexandre und Michel in Ottawa auf. Der jüngste Sohn der Familie, Michel, kam im Jahr 1998 bei einem Lawinenunglück im Alter von 22 Jahren ums Leben. Der Vater war der ehemalige Premierminister Pierre Trudeau, der bereits im Jahr 2000 verstarb, die Mutter ist Margaret Trudeau, die ebenfalls aus einer Politikerfamilie stammt. Ihr Vater und somit Trudeaus Großvater war der gebürtige Schotte James Sinclair, der in den 40er-Jahren Minister für Fischerei in Kanada war. Trudeau Eltern trennten sich bereits 1977 und die drei Söhne wohnten daraufhin mit ihrem Vater in Montreal.

Dort studierte der spätere Politiker auch und schloss 1994 an der McGill University in Montreal ein Studium der Literaturwissenschaften ab. 1998 schloss er außerdem ein Lehramtsstudium ab, wonach der zunächst in Vancouver an einer High School Sozialkunde, Mathe und Französisch unterrichtete. Dann ging er aber wieder selbst an die Uni und studierte von 2002 bis 2006 Ingenieurswesen und Umweltgeographie, entschied sich aber dann dafür, in die Politik zu gehen.

Bereits als Teenager engagierte er sich politisch für die Liberale Partei und nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2000 ging er darin mehr und mehr auf. 2006 wurde er zum Vorsitzenden einer Arbeitsgruppe ernannt, die junge Wähler anziehen sollte, nachdem die Partei die Unterhauswahl verloren hatte. Kurz darauf setzte er sich für die Einheit Kanadas und die Gleichberechtigung des Französischen und des Englischen in Kanada ein, woran auch bereits sein Vater geglaubt hatte. Er trat damit direkt dem Québecer Nationalismus entgegen, der politischen Einstellung von zum Beispiel Michael Ignatieff, dem damaligen Vorsitzenden der Partei, nach der Québec als eigene Nation gesehen werden sollte. Trudeau war stattdessen für eine bessere Integration der Frankokanadier. Zwar wurde Québec kurz danach zu einer eigenen Nation erklärt, allerdings gehört diese noch immer zu einem vereinten Kanada.

Politische Laufbahn

Wenige Monate später, im April 2007 wurde Justin Trudeau für die nächste Unterhauswahl im Wahlkreis Papineau in Montreal aufgestellt, die er mit einer knappen Mehrheit gewann, wodurch er Abgeordneter wurde. Zur Minderheitsregierung der Konservativen Partei Kanadas bildete Trudeaus Liberale Partei als zweitstärkste Kraft die Opposition. 2009 wurde der Politiker zum Schattenminister für Jugend und Multikulturalismus ernannt und auch bei der nächsten Unterhauswahl im Mai 2011 war Trudeau wieder erfolgreich.

Er wurde in seinem Wahlkreis erneut zum Abgeordneten gewählt, allerdings verlor seine Partei in der Gesamtheit 43 Sitze und war somit nur noch drittstärkste Partei. Daraufhin trat der Vorsitzende Ignatieff zurück und nach einer Übergangsphase mit Bob Rae als Ersatz und vielen Bitten an Trudeau, zu kandidieren, ließ er sich 2012 für die Wahl zum Parteivorsitzenden aufstellen. Am 13. April 2013 gewann er die Wahl zum Vorsitzenden mit 80% der Stimmen.

Arbeit als Premierminister von Kanada

Am 4. November 2015 wurde Justin Trudeau als Premierminister im 29. Kabinett Kanadas vereidigt. Mit ihm als Vorsitzende gewann die Liberale Partei bei der Unterhauswahl im Jahr 2015 eine absolute Mehrheit an Sitzen und der Politiker teilte diese gleichermaßen zwischen den Männern und Frauen seiner Partei auf. Er selbst bezeichnet sich als Feministen. Bereits ein halbes Jahr später erklärte der Premierminister, dass er die Legalisierung von Cannabis plane und führte diese 2018 ein, um dem Schwarzmarkthandel die Macht und Vormarktstellung zu nehmen. Kanada ist nach Uruguay das zweite Land der Welt, in dem Marihuana legal ist.

Noch im Wahlkampf hatte Trudeau versprochen, die Asylpolitik zu lockern und mehr Flüchtlinge aufzunehmen und bereits im September 2016 hatten 31.000 Menschen aus Syrien und Afghanistan in Kanada Zuflucht gefunden. Es wurde allerdings kritisiert, dass vor allem nichtsyrische Flüchtlinge oft außen vorgelassen und viel der Arbeit mit den Asylthemen den lokalen Regierungen und privaten Förderprogrammen überlassen wurde.

Im Februar 2017 stattete Justin Trudeau als eines der ersten Staatsoberhäupter dem neu gewählten US-Präsidenten Donald Trump einen Besuch ab und wurde dabei von seinem Land kritisch beäugt. Der amerikanische Präsident ist in Kanada unbeliebt, die Politiken der beiden Staatschefs sind so gar nicht konform. In dem Kampf für die Gleichberechtigung von Frauen, der angeblich auch dem amerikanischen Präsidenten am Herzen liegt, fanden sie aber einen gemeinsamen Nenner. Gemeinsam mit Trumps Tochter Ivanka gründeten sie eine Initiative, die vor allem für eine faire Bezahlung beider Geschlechter sorgen sollte.

Effektiv stehen sich die beiden Nachbarländer aber immer mit Vorsicht gegenüber. 2017 kündigte Trump an, den Zoll für aus Kanada importiertes Weichholz um 20% zu erhöhen, um die einheimische Baumindustrie zu schützen. Auch im Thema Umwelt und Klimawandel sind sich die Länder nicht einig. In der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen hat der Premierminister von Kanada allerdings eine Verbündete gefunden. 2017 trafen sie sich und stellten ihr gemeinsames Bestreben einer erfolgreichen Flüchtlingspolitik und der Zukunft der NATO heraus, ebenso wie die gemeinsamen Werte von Offenheit und Demokratie im Angesicht der neuen politischen Führung der USA.

Im Sommer 2020, nachdem die Proteste der Black Lives Matter-Bewegung begonnen hatten, wurde Trudeau von Journalisten gefragt, was er von Trumps Reaktion mit Militäreinsätzen gegen Demonstranten halte. Nach ganzen 21 Sekunden des vorsichtigen Abwägens und Schweigens erklärte der Premierminister diplomatisch und vorsichtig, dass es eine Zeit des Zuhörens wäre und man Menschen zusammenbringen müsse.

Erfolge und Kritik

In seiner mittlerweile fünf Jahre andauernden Amtszeit hat sich Trudeau aber nicht nur Freunde gemacht, sondern auch einiges an Kritik über sich ergehen lassen müsse. Er wurde zum Beispiel im November 2016 stark dafür kritisiert, den verstorbenen kubanischen Regierungschef Fidel Castro, der ein kommunistischer Staatschef war, nach seinem Tod als Revolutionär und gutes Staatsoberhaupt gelobt zu haben. Zwei Jahre später kamen plötzlich Gerüchte auf, nach denen Fidel Castro tatsächlich der biologische Vater des Politikers sein soll. Die kanadische Regierung dementiere diese aber sofort.

Politisch stellt auch die Trans Mountain Pipeline im Westen Kanadas für Justin Trudeau politisch immer wieder ein Problem dar. Als er sich vor einigen Jahren für deren Ausbau aussprach, bekam er heftigen Gegenwind von Umweltschützern, Ökologen und den First Nations, den kanadischen Ureinwohnern. Im August 2018 wurden durch einen höchstrichterlichen Entscheid alle Baumaßnahmen, Waldrodungen und Arbeiten gestoppt. Trudeau hofft, dass die Pipeline in Zukunft auf korrekte Art wieder aufgestellt werden kann.

Im Sommer 2018 war bekannt geworden, dass Trudeau eine Journalistin sexuell belästigt habe soll, noch bevor er politisch aktiv war. Da er in seinem Amt stets betont, dass sexuelle Belästigung inakzeptabel sei und er eine Null-Toleranz-Politik gegenüber dieser Art von Taten verfolge, war diese Geschichte ein gefundenes Fressen für Gegner und Kritiker. Trudeau betonte aber, dass er seiner Meinung nach nichts falsch gemacht habe und die Situation von den beiden Beteiligten im besten Fall unterschiedlich wahrgenommen wurde. Dennoch war der Vorfall nicht gut für sein Image.

Ein weiteres politisches Dilemma, mit dem sich der Premierminister regelmäßig auseinandersetzen muss, sind die Folgen der jahrhundertelangen Unterdrückung der kanadischen Ureinwohner. Bereits im Wahlkampf versprach Trudeau Änderungen in diesem Bereich und engagierte sich ab seinem Amtsantritt für die Gleichheit aller Kanadier. Mit einer Kommission möchte er die Fehler, die seine Landsleute in der Vergangenheit machten, wiedergutmachen und für Besserung in der Zukunft sorgen. Außerdem steht Trudeau ganz offen für seine Unterstützung der LGBTQ-Gemeinschaft und kritisierte 2017 im Parlament die jahrzehntelange Diskriminierung dieser Menschen im gesellschaftlichen und im beruflichen Umfeld. Er entschuldigte sich sogar öffentlich im Namen seines Landes bei kanadischen Soldaten und Beamten, die in den letzte 70 Jahren wegen ihrer sexuellen in allen Lebensbereichen diskriminiert wurden.

Familie und Privatleben

Sein privates Glück fand Justin Trudeau in seiner Jugendliebe Sophie Grégoire. Bereits als Kinder kannte sich das Paar, weil Grégoire mit Trudeaus Bruder Michel zur Schule ging, allerdings verloren sich die beiden dann eine Weile aus den Augen. 2003 trafen sie sich wieder und aus der Freundschaft von damals wurde Liebe. Am 28. Mai 2005 gab sich das Paar das Ja-Wort, 2007 wurde Sohn Xavier James Trudeau geboren. 2009 folgte die einzige Tochter des Paares, Ella-Grace Margaret Trudeau, und 2014 kam Sohn Hadrien Trudeau zur Welt. Das Paar lebt mit den drei Kindern in Ottawa. 2013 hatte es sein Haus in Côte-des-Neiges in Montreal verkauft und war zurück in Trudeaus Heimatstadt gezogen, wo sie in Rockcliffe Park wohnen.

In seiner Freizeit nutzt Trudeau seine Bekanntheit und Plattform auch für wohltätige Zwecke und engagiert sich für Projekte. Mit seiner Familie war er zum Beispiel im Jahr 2000 an der Kokanee Glacier Apline-Kampagne beteiligt, die all seinen Angehörigen sehr am Herzen lag, da nur zwei Jahre zuvor war sein Bruder Michel bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen war. Bis 2006 war er Vorsitzender des Katimavik-Jugendprogramms und mit seinem Bruder Alexandre eröffnete er 2004 das Trudeau Centre for Peace and Conflict Studies an der Universität von Toronto. Auch die Umwelt liegt dem Politiker am Herzen. 2005 setzte er sich gegen eine Zink-Mine ein, die den South Nahanni River im Nahanni National Park Reserve, der zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört, vergiftete.

In den sozialen Medien hält der Premierminister seine etwa 3,8 Millionen Abonnenten über derartige Aktionen, Events, politische Ereignisse und auch ab und an mit privaten Schnappschüssen auf dem Laufenden. So postet er zum einen Einblicke in seine Politik, andererseits aber auch Fotos von seinen Kindern und verbindet diese zum Beispiel mit einer Message, wie am internationalen Mädchentag, der am 11. Oktober gefeiert wird, als er ein Foto von sich und seiner Tochter postete und zu mehr Engagement für die Mädchen der Gesellschaft aufrief.

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