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Aktivisten protestieren in Berlin gegen den Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung. Foto: Maurizio Gambarini/Archiv

Kabinett beschließt Strategie gegen Antibiotika-Resistenz

Antibiotika brachten großen Erfolg im Kampf gegen Bakterien. Doch falsche Nutzung bei Mensch und Tier nahm ihnen nach und nach die Wirkung. Die Bundesregierung will nun gegensteuern.

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung geht verschärft gegen den Missbrauch von Antibiotika und die Ausbreitung gefährlicher Keime vor - national und international.

Falscher und zu häufiger Einsatz von Antibiotika in Medizin und Tierhaltung erhöhe die Widerstandsfähigkeit der Krankheitserreger und nehme dem Medikament die Wirkung, sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Zuvor hatte das Kabinett seine neue Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART 2020) verabschiedet.

In Deutschland infizieren sich jährlich 400 000 bis 600 000 Menschen im Verlauf einer Krankenhausbehandlung mit Krankheitserregern, 10 000 bis 15 000 sterben den Angaben zufolge daran.

Resistente Erreger spielten dabei eine besondere Rolle, da die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt seien. Etwa ein Drittel der Infektionen sei durch geeignete Maßnahmen besonders bei der Hygiene vermeidbar.

Zur Zeit laufe ein Förderprogramm für mehr Hygiene in Krankenhäusern in einem Umfang von 300 Millionen Euro, hieß es. Für eine bessere Hygiene gebe es etwa Weiterbildungsangebote für Ärzte. Mit den Ländern werde über weiter verschärfte Meldepflichten für besonders gefährliche Keime gesprochen. Nicht nur Patienten sollten bei Aufnahme in ein Krankenhaus auf gefährliche Keime untersucht werden (Screening). Auch Besucher sollten bei Betreten und Verlassen Desinfektionsmittel nutzen.

Nötig seien klare nationale und internationale Regeln für den Einsatz von Antibiotika. In Europa sei bereits deren Einsatz zur Vorbeugung verboten. Zudem solle die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika, alternative Therapiemethoden und Tests zur Schnelldiagnostik vorangetrieben werden. Gerade in der Forschung könne Deutschland einen internationalen Beitrag im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen beitragen. Es gelte zu verstehen, wie sich Resistenzen bildeten und unter den Bakterien ausbreiten könnten.

Anfang kommender Woche soll beim Treffen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein globaler Aktionsplan erarbeitet werden. Und auch beim Treffen der sieben führenden Industrienationen (G7) im Juni in Elmau habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Thema auf die Agenda gesetzt. "Resistenzen machen nicht an Grenzen halt", sagte Gröhe. "Die weltweite Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen muss gestoppt werden."

Für den Grünen-Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter greifen die Vorschläge der Bundesregierung zu kurz. Gerade gegen Antibiotikamissbrauch in der Massentierhaltung tue sie zu wenig. "Das geltende Recht schafft mit Rabatten aberwitzige Anreize, so viel Antibiotika wie möglich zu verkaufen", kritisierte er. Deutschland könne international Vorreiter bei der Bekämpfung resistenter Keime werden. Doch danach sehe es noch lange nicht aus.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch erklärte: "Eine nationale Antibiotika-Resistenzstrategie muss auch die Krankenhäuser zum Patienten-Screening gesetzlich verpflichten."

BMG zu Antibiotikaresistenzen

Agrarministerium zu Antibiotika in der Landwirtschaft

Gesundheitsministerium zu Antibiotikaresistenzen

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