Unter sich: Ministerpräsident Seehofer (r.) und CSU-General Dobrindt gestern im Landtag.

Ministerpräsident stärkt seine erste Reihe

Das ist Seehofers Kabinett

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München - Elf Minister, sechs Staatssekretäre. Das neue Kabinett steht: Horst Seehofer krempelt die Zuständigkeiten seiner Ministerien um – und setzt neue Schwerpunkte. Vor allem aber vertagt er die Frage um seine Nachfolge.

Marcel Huber ist einfach vorbeigelaufen. „Kannst Du nicht mehr grüßen?“, ruft der Ministerpräsident seinem alten und neuen Umweltminister über dutzende Journalistenköpfe hinterher. „In den letzten Tagen hätte es das nicht gegeben“, witzelt Horst Seehofer. „Das Verhalten ändert sich schon.“ Huber scherzt zurück, dreht um, drückt dem Chef demonstrativ die Hand. Er musste nicht freundlich tun, der Platz des Stimmenkönigs im Kabinett galt als sicher.

Tagelang hat Seehofer aus seiner Kabinettsliste ein kleines Staatsgeheimnis gemacht und dabei manchen Parteifreund um den Schlaf gebracht. Gestern Vormittag gibt es letzte Einzelgespräche. Dann ist alles festgezurrt.

Bevor der Ministerpräsident am späten Nachmittag die Fraktion informiert, beerdigt er am Mittag offiziell Schwarz-Gelb. Durchaus mit Stil. Statt einer letzten Kabinettssitzung gibt es im Prinz-Carl-Palais ein Mittagessen mit der FDP. Jakobsmuscheln, Kalbsbraten, Apfelstrudel. Dazu viele warme Worte, für den ehemaligen Koalitionspartner, den der Wähler unsanft aus allen Ämtern befördert hat. „In einem solchen Moment wird man schon wehmütig“, sagt der scheidende Wirtschaftsminister Martin Zeil. „Aber wir haben gemeinsam festgestellt, dass die Regierung eine hervorragende Bilanz hinterlässt.“

Jetzt regiert Seehofer allein. Exakt eine Stunde dauert seine Verkündung der Personalien. Er bekommt viel Beifall von den Abgeordneten, dann Lob von Fraktionschef Thomas Kreuzer. Fragen? Widerspruch? Nein. Dann tritt der Ministerpräsident kurz vor die Mikrofone. Das muss genügen. Kreuzer zieht seinen (alten) Chef weiter.

Dabei gäbe es doch noch etliche Fragen zu diesem Kabinett. Seehofer hat sich Zeit gelassen. Von Anfang an wollte er einige Kollegen stärken: Vor allem Markus Söder und Ilse Aigner sollten auf Augenhöhe herausgehoben werden. Gestern fragen die Journalisten hartnäckig, wer denn jetzt besser dastünde. Ilse Aigner als Stellvertretende Ministerpräsidentin? Das heißt nichts, kontert Seehofer. „Der Zeil war auch stellvertretender Ministerpräsident.“ Aigner läuft gerade vorbei – und lächelt freundlich. Söder sagt nur: „Das ist wie bei Bayern München: Da spielen auch viele gute Spieler gut zusammen.“

In der ersten Reihe gibt es keine Verletzten: Söder darf zumindest teilweise vom heimischen Nürnberg aus regieren (siehe Seite 2), Ilse Aigner wird zur Stellvertreterin. Ein Joachim Herrmann könnte darüber etwas verstimmt sein, doch der Innenminister gibt sich demonstrativ gut gelaunt. 62 000 Mitarbeiter, ruft er. „Wir haben nur starke Ministerien.“ Gut für Herrmann: Er kümmert sich künftig komplett ums Thema Verkehr, auch der Sport kommt hinzu. Sollte München den Zuschlag für die Olympischen Spiele bekommen, wäre Herrmann quasi Olympia-Minister.

Auch andere Ambitionierte, die zuletzt ins Hintertreffen geraten waren, hat Seehofer umgarnt. Christine Haderthauer beispielsweise hat heute viel Zeit. Während andere in die Fraktionssitzung drängen, bleibt sie stehen. Seit sie als Finanzministerin verhindert worden war, befand sie sich auf dem absteigenden Ast. Jetzt zieht sie ins Zentrum der Macht: Sie leitet nicht nur die Staatskanzlei, sondern ist auch für Bundesangelegenheiten zuständig. Das Wort von der „Talkshowministerin“ macht die Runde – Haderthauer wird schon jetzt bundesweit gerne angefragt. Und Markus Söder hat künftig weniger Zeit für Berlin, er muss sich ja um die Heimat kümmern.

So können sich alle Seehofers Umbau schönreden. Der Chef ist „sehr zufrieden“ mit sich. „Das ist die größte Änderung der Ressortzuständigkeiten in den letzten Jahrzehnten“, sagt der Ministerpräsident. Er selbst hatte nach seinem Wechsel 2008 nach München kaum Zeit gehabt, sich den Zuschnitt der einzelnen Häuser gründlich anzusehen. In fünf Jahren sind ihm einige Unzulänglichkeiten aufgefallen. Die hat er abgestellt.

Hinter den Starken aber wird es dünn. „Alter Wein in alten Schläuchen“, spottet Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Es regiert der Proporz – regional wie in Geschlechterfragen. Nur deshalb bekommen Beate Merk oder Emilia Müller wieder Ministerposten, wenn auch deutlich abgespeckt. Auffällig: Von den jungen Hoffnungsträgern hat Seehofer nicht alle befördert. Immerhin ist Melanie Huml nun Ministerin. Albert Füracker und Georg Eisenreich werden Staatssekretäre. Andere müssen sich gedulden.

Dem Münchner Markus Blume bleibt noch eine weitere Chance. Er gilt als heißester Kandidat für das Amt des CSU-Generalsekretärs, wenn Alexander Dobrindt ins Berliner Kabinett wechselt.

Mike Schier

Das Kabinett Seehofer im Überblick

Innen: Joachim Herrmann

Umwelt: Marcel Huber

Leitung der Staatskanzlei: Christine Haderthauer

Agrar: Helmut Brunner

Gesundheit: Melanie Huml

Europa: Beate Merk

Soziales: Emilia Müller

Justiz: Winfried Bausback

Heimat: Markus Söder

Wirtschaft (und Vize-Ministerpräsidentin): Ilse Aigner

Kultus und Wissenschaft: Ludwig Spaenle

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