+
Jaroslaw Kaczynski im Warschauer Parlament

Zweiter Weltkrieg

Kaczynski fordert „gigantische“ Reparationen von Deutschland

Jaroslaw Kaczynski, Chef der polnischen Regierungspartei PiS, will „gigantische Summen“ von Deutschland einfordern - und mit diesem Argument auch die umstrittene Justizreform stützen.

Warschau - Der Vorsitzende der polnischen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, hat erneut Reparationszahlungen Deutschlands an Polen ins Gespräch gebracht. Deutschland entziehe sich seiner Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg, sagte Kaczynski in einem Interview mit Radio Maryja, das in der Nacht zum Freitag gesendet wurde. Mit Blick auf Reparationsforderungen fügte er hinzu, es bedürfe allerdings für ein "derart großes Vorhaben einer wirksamen und loyalen Diplomatie".

Mit dem Seitenhieb machte Kaczynski deutlich, dass er den derzeitigen diplomatischen Apparat Polens offenbar für nicht schlagkräftig genug hält. Eine Reform sei in Vorbereitung, über einen entsprechenden Gesetzesentwurf werde im Herbst abgestimmt, ließ der Chef der nationalkonservativen Regierungspartei wissen. Zu möglichen Reparationsforderungen sagte er: "Es handelt sich um gigantische Summen und auch um die Tatsache, dass die Deutschen seit mehreren Jahren ihre Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg zurückweisen."

Forderung an Deutschland als Argument für umstrittene Justizreform

"Dasselbe geschieht auch in Polen", sagte der PiS-Politiker und sprach von gewissen "Gelehrten", die die "Frechheit" besäßen, "in dieselbe Richtung zu gehen". Insbesondere verwies Kaczynski dabei auf das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig. "Das ist nichts anderes als ein Geschenk an (US-Präsident) Donald Trump und (Bundeskanzlerin) Angela Merkel. Das ist ein Museum, das sich in die deutsche historische Politik einfügt." Sobald aber die Regierung dies ändern wolle, zögen Menschenrechtsverteidiger vor die Gerichte, die dann gegen einen Politikwechsel in dieser Frage urteilen würden. Auch das sei ein Grund, die angestrebte Justizreform weiter zu verfolgen, sagte Kaczynski.

Die polnische Regierung will derzeit mit mehreren Gesetzesvorstößen das Justizsystem umfassend umbauen. Die Pläne lösten massive Kritik der Opposition und landesweite Protestkundgebungen aus - die EU droht mit Sanktionen

Polens Präsident Andrzej Duda, der vor seinem Amtsantritt selbst der Regierungspartei PiS angehörte, legte am Montag überraschend sein Veto gegen zwei der Justizreform-Gesetze ein. Ein weiteres Gesetz, wonach der Justizminister künftig alle leitenden Richter an den gewöhnlichen Gerichten einschließlich der Berufungsgerichte ernennen oder entlassen kann, setzte er jedoch durch seine Unterschrift in Kraft.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weitere Festnahmen nach Londoner U-Bahn-Anschlag
London/Newport (dpa) - Die britische Polizei hat nach dem Londoner U-Bahn-Anschlag mit 30 Verletzten zwei weitere Verdächtige festgenommen. Es handele sich um Männer im …
Weitere Festnahmen nach Londoner U-Bahn-Anschlag
Terrorverdächtiger in Schleswig-Holstein festgenommen
Kiel (dpa) - Ein terrorverdächtiger Syrer ist in Schleswig-Holstein festgenommen worden. Der 24-Jährige soll Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sein, wie …
Terrorverdächtiger in Schleswig-Holstein festgenommen
Wahlhilfe: Hier finden Sie den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2017
Am Sonntag ist es soweit, dann wird der neue Bundestag gewählt. Falls Sie noch Entscheidungshilfe brauchen: Hier finden Sie den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2017. 
Wahlhilfe: Hier finden Sie den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2017
De Maizière: Grenzkontrollen bleiben wohl bestehen
Bundesinnenminister Thomas de Maizière erwartet, dass Deutschland die in der Flüchtlingskrise eingeführten Grenzkontrollen über November hinaus fortsetzen kann.
De Maizière: Grenzkontrollen bleiben wohl bestehen

Kommentare