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Philipp Mißfelder muss nach zwölf Jahren als deutscher JU-Chef aufhören.

Wer folgt auf Mißfelder?

Kämpfen statt kungeln: JU sucht neue Spitze

Ingolstadt - Die Junge Union sucht - ganz locker im Wirtshaus - einen Nachfolger für ihren Chef Philipp Mißfelder. Der muss nach zwölf Jahren aufhören. Das Kandidatenduell ist nichts für Weicheier.

Das Wirtshaus Mittl in Ingolstadt spielt in der Bundespolitik keine überragende Rolle. Es ist eine unprätentiöse alte Gaststätte wie viele andere in Bayern: Der Stammtisch tagt, die Kapelle übt im Nebenzimmer, vor der Tür rauchen die Gäste und fluchen über das Dreckswetter. Am Mittwochabend aber ist das Wirtshaus Schauplatz einer Übung der Jungen Union, die Vorbild für die Chefsuche in CDU und CSU werden könnte. Dort sind Kampfkandidaturen verpönt – mit dem für die Parteispitzen sehr bequemen Argument, freie Wahl gefährde die „Geschlossenheit“. Der Nachwuchs macht das Gegenteil.

Beim Mittl treffen sich gut 40 Nachwuchspolitiker aus Bayern, die am 19. September beim JU-Deutschlandtag in Inzell den neuen Bundesvorsitzenden mitwählen. Amtsinhaber Philipp Mißfelder muss nach zwölf Jahren aufhören. Ihren Fragen stellen sich die zwei Kandidaten Paul Ziemiak, 28, Student aus Nordrhein-Westfalen, und Benedict Pöttering, 31, aus Niedersachsen.

Ziemiak ließ sich zwar früh nominieren, doch Pöttering, Sohn des Europapolitikers Hans-Gert Pöttering, warf den Hut in den Ring. „Liebe Freunde, ich bin Benedict aus Niedersachsen – wie man in Bayern sagt, ein Preiß“, stellt er sich vor. Pöttering positioniert sich als Rebell: Die Rente mit 63 und der Mindestlohn hätten für die Union „fatale Folgen“, schimpft er – und zitiert den CSU-Patriarchen Strauß: „Eine Partei, die nicht in Bewegung ist, stirbt an Verfettung.“ Immer wieder unterbrochen wird die hochfliegende Rhetorik von Erfordernissen des realen Lebens: „Schnitzel mit Kraut!“, ruft die handfeste Bedienung dazwischen.

Pöttering legt noch eins drauf: „Wenn die eigenen Leute diejenigen sind, die die größten Verbrechen an den eigenen Grundsätzen begehen, dann sind die eigenen Leute unsere Zielgruppe“ – Zielgruppe der Angriffe. Auch Ziemiak sagt, weniger provokant formuliert, der Nachwuchs müsse die CDU „kritisieren, wenn wir nicht einverstanden sind“.

Das Kandidatenduell ist keine Veranstaltung für Weicheier. Manche Delegierte bezweifeln die aufsässige Pose: Pöttering sei seit eineinhalb Jahren JU-Bundesvize, merkt die Bayreuther Juristin Carmen Langhanke spitz an. „Du bist Teil des Systems, das du kritisierst.“ Ziemiak räumt ein, dass er durchs Juraexamen fiel („War nicht so schön“) und nun ein zweites Studium absolviert. Er wird nach seinen finanziellen Verhältnissen ausgeforscht – und ob er bereits Posten versprochen hat. „Niemandem“, dementiert er.

Die inhaltliche Nähe fällt mehreren Delegierten auf. Eine Empfehlung gibt der bayerische Vorstand nicht ab, die Meinungen sind geteilt. Allerdings stellen sich Bayerns Landeschef Hans Reichhart und seine Vorgängerin Katrin Albsteiger – designierte Vizevorsitzende im Bund – nach kurzem Zögern am Freitag persönlich hinter Pöttering. Ihnen dürfte etwa gut die Hälfte der bayerischen Delegierten folgen. Ob das für Pöttering reicht, der die weißblauen Stimmen in Inzell dringend alle braucht, ist laut bisherigen bundesweiten Schätzungen fraglich.

C. Hoefer, C. Deutschländer

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